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Mit Zwischenapplaus belohnen die Zuschauer der Premiere das neue Stück im Keller Theatre öfters - und auch die Hauptdarsteller Stefan Hennig und Linda Krug.

Da funkeln die Rollenklischees

  • VonRedaktion
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»The Secret Lives Of Henry And Alice« heißt das neue Stück des englischsprachigen Keller Theatre. Es ist auf der Bühne im Hermann-Levi-Saal des Rathauses zu sehen und erntete bei der Premiere viel Beifall - auch Zwischenapplaus.

Einen Erfolg verbuchte das Keller Theatre am Samstag mit seiner neuen Produktion »The Secret Lives Of Henry And Alice«. Die geistreiche und pointenstarke Komödie von David Tristram, inszeniert von Rosemary Bock und Martin P. Koob, besitzt mit den zwei bestens aufgelegten Darstellern Stefan Hennig und Linda Krug das Potenzial zu einem köstlichen Theaterabend. Die Premiere war ein Volltreffer.

Das Bühnenbild von Lothar Silbe (auch Licht und Ton) zeigt zwei Eheleute kurz vorm ganz normalen Zerfall ihrer Beziehung sowie dem 50. Lebensjahr: Frustration und Eintönigkeit quälen sie. Henry (auf 300 Volt: Stefan Hennig) schafft im Büro, und wenn er nicht in der Kneipe sitzt, sieht er daheim wahllos fern. Und macht sich über seine Frau lustig, kein schöner Zug.

Nur der Goldfisch spendet Trost

Linda (teilt mit sanfter, aber nachdrücklicher Prägnanz coole Erwiderungen aus: Linda Krug) hat sich wohl in ihr Los gefügt, meckert oft an Henry rum und gibt ansonsten die von Putzzwängen geprägte perfekte Hausfrau. Sie hocken immer zu Haus und haben keine Freunde, nur Goldfisch »Orca« als Trost. Einen Ausweg bieten Tagträume, in denen sie ein aufregendes Leben imaginieren.

Es beginnt mit einem Monolog von Macho Henry, der ins Geschehen einführt (»Sie wischt gerne Arbeitsflächen ab, wirklich gerne«). David Tristram zeigt uns ein typisches Paar, das nach Jahren der Einfallslosigkeit und Stagnation in festgefahrenen Strukturen verharrt. Dies allerdings serviert das Stück so knackig, dass man schnellstens ins Lachen kommt - und dann öfters nicht mehr raus.

Das ist sehr routiniert und mit Liebe zum Detail inszeniert, Bock und Koob sind die erfahrensten Regisseure im Team. Rhythmus und szenische Choreografie passen bis ins Detail. Aber vor allem sind zwei ideale Darsteller am Werk, denen man die Lust am Spielen ansieht. Krug und Hennig statten ihre Figuren mit zahllosen Details aus und verfügen über ein großes mimisches Repertoire, das sie punktgenau einsetzen. Man spürt ihre Bühnenerfahrung und Motivation vom ersten Moment an.

Alltag: Das sind die kleinen Wortgefechte, die Linda immer verliert, weil sie eine Wortfindungsschwäche hat und oft die falschen Wörter benutzt, was Henry zu lehrerhaften Korrekturen nutzt. Diese häuslichen Konfrontationen machen nicht nur wegen der Versprecher Spaß, wenn Alice die Zurechtweisungen mit »Whatever« kommentiert. Vor allem aber setzt sie zuweilen zu Gegenargumenten an, die den Gatten gänzlich unerwartet vorfinden und zeigen, dass er zwar der Mann im Haus ist - aber nicht der Größte. Genüsslicher wurde die aktiv gelebte Verfestigung der Rollenklischees selten karikiert.

Riesenspaß mit Tagträumen

Aber das Beste sind dann doch die Tagträume der beiden. Wie sich Alice in Kenia vom französischen Kellner verwöhnen und ihre nach Zärtlichkeit dürstende Seele alle Hemmungen fahren lässt, ist köstlich gespielt und sieht nicht nur wegen ihrer extragrellen Strandgarderobe sehr gut aus. Krug und Hennig schlüpfen mühelos in diese weiteren Rollen, es ist ein Riesenspaß.

Zu den Glanzlichtern der Produktion gehört auch die Szene mit einem hypereffizienten Staubsaugervertreter, der Linda eine tolle »Grime extraction device« (Schmutzbeseitigungsgerät) als Ersatz für ihren alten Staubsauger andrehen will. Da funkeln die Klischees, und Hennig läuft zu großer Form auf, der phrasendreschende Handelsvertreter manifestiert sich leibhaftig auf der Bühne. Das ist nicht der Einzige, der Abend geht im Nu rum - ein Riesenspaß, fanden die Premierenbesucher, und erhoben sich zum Applaudieren.

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