"CVJM-Heim" ist so beliebt wie vor 50 Jahren

Gießen/Herbstein (cg). Als das Feriendorf Herbstein im September sein 50-jähriges Bestehen beging, wurde das vor allem in der Region Vogelsberg gefeiert, doch ist das Jubiläum auch für Gießen bedeutsam.

Gießen/Herbstein (cg). Als das Feriendorf Herbstein im September sein 50-jähriges Bestehen beging, wurde das vor allem in der Region Vogelsberg gefeiert, doch ist das Jubiläum auch für Gießen bedeutsam. Viele Generationen von Kindergarten- und Schulkindern aus Stadt und Kreis verbrachten und verbringen hier Zeltfreizeiten, zahlreiche Jugendgruppen aus CVJM und anderen kirchlichen Bereichen besuchten im Laufe der Jahre das "Ernst-Klotz-Feriendorf". An die Anfänge des "CVJM-Heims", wie es im Volksmund hieß, wird in der Festschrift erinnert. "Mitten im Chaos der Nachkriegszeit gab es Menschen, die nach vorne gingen, anderen Mut machten und anpackten", schreibt Norbert Cramer, der 1. Vorsitzende des Trägervereins. Sie kümmerten sich um Jugendliche und sorgten dafür, dass es für sie wieder Orientierung und Halt gab.

Dass es damals Menschen gegeben habe, die in den Wirren der Nachkriegszeit die Notwendigkeit erkannt hätten, sich um junge Menschen zu kümmern, sei ein Segen gewesen für diese und nachfolgende Generationen, erinnert Cramer. Junge Kriegsrückkehrer, Flüchtlinge und nicht zuletzt die teils entwurzelte Gießener Jugend hätten die Gesellschaft damals vor neue Herausforderungen gestellt.

Die Amerikaner erlaubten dem CVJM als einem der ersten örtlichen Vereine, Jugendarbeit anzubieten. Ältere Gießener erinnern sich noch an die "Blockhütte" in der Nordanlage 17, die damals vom "YMCA" finanziert wurde. Ab 1947 gab es in den Sommerferien wieder Zeltfreizeiten. Ziele waren Kirchvers, Grünberg und Großen-Buseck. Der CVJM machte sich bald auf die Suche nach einem festen Zeltplatz und wurde in Herbstein fündig. 1958 wurde der Kaufvertrag abgeschlossen und auch gleich das erste Zeltlager organisiert.

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Feriendorf von einem Sommerzeltplatz zu einem ganzjährig genutzten Domizil. 1960 wurde das Haupthaus errichet, 1964/65 kamen fünf Blockhäuser hinzu, außerdem ein Waschblockhaus und der Glockenturm. 1968 wurden drei Zelthäuser errichtet. Treibende Kraft der Gründungsjahre war Ernst Klotz, der damalige Vorsitzende des CVJM Gießen. Nach dem 1966 gestorbenen Klotz wurde die Freizeitstätte schließlich benannt.

Auch in den 70er Jahren gab es mehrere Erweiterungen. Neben den baulichen Veränderngen passten die Verantwortlichen auch die Konzeption den neuen Erfordernissen an. Aus dem Jugendfreizeitheim wurde eine Begegnungsstätte von Jungen, Alten und Familien. 1974 wurde der erste Feriendorfleiter eingestellt, seit 1991 leiten Petra und Jörg Podlinski die Anlage. Darüber hinaus ist das Spektrum der Beschäftigen mittlerweile vielfältig: Es gibt Mitarbeiter im hausmeisterlichen und pädagogischen Bereich, es gibt Zivildienstleistende und zwei Stellen für ein "freiwilliges ökologisches Jahr". Hinzu kommen Praktikanten, "Ein-Euro-Jobber" und Menschen, die zu gemeinnütziger Arbeit verpflichet wurden. Im vergangenen Jahr begann die erste Auszubildende ihre Tätigkeit im Feriendorf.

1995 beschloss der CVJM Gießen, die Einrichtung auszugliedern und zu verselbstständigen. Heute bilden der Trägerverein "CVJM-Feriendorf Herbstein", ein Förderverein und ein Kuratorium das Gerüst der Arbeit. Heute ist das Feriendorf, wie Landrat Rudolf Marx es in der Festschrift schreibt, ein "touristisches Vorzeigeprojekt im Vogelsbergkreis". Pro Jahr werden etwa 18 000 Übernachtungen gezählt. Und nach wie vor reisen viele Kinder und Jugendliche aus Gießen ins Feriendorf Herbstein - und sind ebenso begeistert, wie es ihre Eltern und Großeltern lange vor ihnen waren.

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