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Ungeimpfter Corona-Intensivpatient: „Riesenfehler fast mit Leben bezahlt“

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Von: Christine Steines

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Tobias Buß ist auf dem Weg der Besserung. Fast hätte er seine Covid-Erkrankung nicht überlebt.
Tobias Buß ist auf dem Weg der Besserung. Fast hätte er seine Covid-Erkrankung nicht überlebt. © Oliver Schepp

Tobias Buß ist Covid-Patient am Uniklinikum Gießen. Sein Leben hing am seidenen Faden. Auch er hatte sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen.

Gießen - Morgen kommt Tobias Buß in die Reha. »Es liegt noch ein langer Weg vor mir«, sagt der 40-Jährige. Drei Wochen hat der Covid-Patient auf einer Intensivstation des UKGM gelegen und ums Überleben gekämpft. Er musste ins künstliche Koma versetzt und an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, schließlich sogar zusätzlich an die Herz-Lungen-Maschine. Die ist die letzte Chance, wenn die Lunge den Dienst versagt.

Derzeit werden 31 Corona-Patienten im UKGM versorgt, alle 18 Betten für Intensivpatienten sind belegt. Ca. 90 Prozent der Schwerkranken sind ungeimpft. Auch Tobias Buß gehört dazu. »Ich habe zu lange gewartet, ich war einfach nicht überzeugt davon, dass es wirklich nötig ist«, sagt er. Heute sieht er das anders: »Es war ein Riesenfehler, den ich fast mit dem Leben bezahlt hätte.« Aus dem Krankenbett richtet er einen Appell an Ungeimpfte: »Macht nicht die gleiche Dummheit wie ich.« Er sei weder ein Coronaleugner noch ein Impfgegner, alle üblichen Schutzimpfungen habe er sich stets geben lasssen. Nur eben den einen entscheidenden Piks nicht.

Corona-Patient in Gießen: Infektion fing harmlos an - Später künstliches Koma

Seine Infektion hatte ganz harmlos angefangen. Ein bisschen Schnupfen, ein bisschen Husten, mehr nicht. Auch seine Frau - die selbst in der Pflege tätig ist - und seine Tochter seien erkrankt, aber nur ihn habe es so schwer erwischt. Er bekam immer schlechter Luft, das Atmen wurde mühsam. Im Krankenhaus verschlechterte sich der Zustand dann rapide. Er musste ins künstliche Koma versetzt werden.

Was ging ihm durch den Kopf, bevor er das Bewusstsein verlor? »Ich hatte Angst, das kann man gar nicht beschreiben.« Tatsächlich hätte es auch ganz anders ausgehen können, die Überlebenschancen des 40-Jährigen lagen zwischen 30 und 50 Prozent. Stationsleiter Tobias Kempff und seine Kollegen sehen solche Krankheitsverläufe täglich. »Herr Buß hat ganz großes Glück gehabt.«

Gießener Covid-Patient hat Glück

In den Nachbarzimmern liegen zur selben Zeit Patienten, die das gleiche durchmachen wie Buß. Ob sie ebenfalls Glück haben werden, ist ungewiss. Monitore blinken und piepen, vermummte Pflegekräfte eilen von einem Bett zum anderen, sie erleben nun erneut, wie das Virus Menschenleben zerstört. Während der ersten und zweiten Welle lagen vorrangig alte und vorerkrankte Menschen auf den Covid-Stationen, heute sind es häufig jüngere Patienten, die meisten von ihnen ungeimpft. Ob sie ihre Entscheidung heute bereuen, kann man viele von ihnen nicht mehr fragen.

Tobias Buß setzt sich vorsichtig in seinem Bett auf, eine Krankenschwester misst Fieber. Alles in Ordnung. Auf dem Nachttisch steht ein Foto von Frau und Tochter, bald darf er sie wiedersehen. Und sobald es möglich und ratsam ist, wird er sich impfen lassen.

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