Die vielen Urlaubsrückkehrer sorgen am Gießener Testcenter für längere Wartezeiten.
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Die vielen Urlaubsrückkehrer sorgen am Gießener Testcenter für längere Wartezeiten.

Neuinfektionen

Corona Gießen: Warnstufe Gelb für Stadt - Positiver Fall an Schule

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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»Hessen ist das neue NRW«: Solche Schlagzeilen zeugen von dem starken Anstieg der Coronafälle in Hessen. Jetzt hat der Landkreis erstmals Daten für die Stadt Gießen veröffentlicht. Mit 20 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen liegt die Unistadt deutlich über dem Kreis-Schnitt.

Update, 26.8.2020: Nach der bestätigten Corona-Infektion eines Schülers der Alexander-von-Humboldt-Schule in Gießen hat das Gesundheitsamt des Landkreises Quarantäne für 15 Mitschüler sowie drei Lehrkräfte angeordnet. Alle werden in den kommenden Tagen auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet.

Der positive Befund des Schülers wurde dem Gesundheitsamt am Dienstag gemeldet. Er infizierte sich innerhalb des familiären Umfelds. Es besteht der Hintergrund einer Reiserückkehr. Das Gesundheitsamt steht in Kontakt mit der Schulleitung, dem staatlichen Schulamt sowie der Stadt Gießen als Schulträger. Die Schule hat eine Hotline zur Elterninformation eingerichtet.

Corona: Zahl der Fälle steigt - Warnstufe Gelb in Gießen

Erstmeldung, 25.8.2020: 50 ist die magische Zahl. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz darüber, droht für das betroffene Gebiet ein erneuter Lockdown. In Hessen hat bislang lediglich Offenbach diese kritische Hürde gerissen. Die Stadt Gießen ist von solch einem Wert noch weit entfernt. Mit einer Inzidenz von 20,3 (Stand 24. August, 17 Uhr) liegt die Universitätsstadt jedoch deutlich über dem Wert des gesamten Landkreises (11,2 Neuinfizierte pro 100 000 Einwohner). Von den bislang insgesamt 351 Coronafällen im Kreis Gießen entfallen 138 auf die Stadt. Hier sind auch 18 der kreisweit 32 aktiven Covid-19-Fälle verortet. Diese Zahlen hat der Landkreis am Dienstagnachmittag bekanntgeben und zudem mitgeteilt, dass der Anstieg in der Stadt der Warnstufe »Gelb« entspreche.

»Das Erreichen der Stufe Gelb für die Stadt Gießen bedeutet nicht, dass sofort Schritte nötig sind, erfordert aber eine erhöhte Aufmerksamkeit und bei Bedarf ein rasches Reagieren mit gezielten Maßnahmen«, erklärte Landrätin Anita Schneider nach einem Gespräch zwischen Stadt und Landkreis. Auch Dietlind Grabe-Bolz nahm an diesem Treffen teil. »Die Stadt Gießen hat als Oberzentrum, Wirtschafts- und Bildungsstandort eine besondere Bedeutung im Landkreis, wenn es um das Infektionsgeschehen geht«, betonte die Oberbürgermeisterin. »Wir sind sensibel, und unsere Ordnungskräfte sind tatkräftig, umsichtig und prüfen genau, wenn es um den infektionsgerechten Umgang mit Veranstaltungen und anderen Anlässen in unserer Stadt geht. Ich möchte verstärkt an das verantwortungsvolle Verhalten der Menschen appellieren, sich an die Vorgaben zu halten.«

Eine erste Folge war am Dienstag die Absage einer Pressekonferenz, bei der über die Planungen für den Krämermarkt und den damit verbundenen verkaufsoffenen Sonntag am 10. und 11. Oktober informiert werden sollte. »Wir wollen die Entwicklung in den nächsten Wochen abwarten«, erklärte Grabe-Bolz zur kurzfristigen Absage. Der Magistrat hatte in seiner Sitzung am Montag zuvor die rechtlichen Weichen für die Durchführung eines coronagerechten Krämermarkts gestellt. Für den Einzelhandel ist die Durchführung des einzig verbliebenen Verkaufssonntags in diesem Jahr einerseits wichtig, aber andererseits sei auch der Händlerschaft angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens »mulmig« zumute, sagte Grabe-Bolz. Ob der Krämermarkt stattfinden kann, wollen Stadt, Stadt-Marketing und Einzelhändler demnächst bei einem Treffen klären.

Corona Gießen: Wartezeiten vor Corona-Testcenter

»Mit Blick auf die aktuelle Situation möchten wir alle Veranstalter sensibilisieren«, sagte auch Ordnungsdezernent Peter Neidel. Immer, wenn Menschen zusammenkämen, sei dies mit einer besonderen Verantwortung verbunden - dies betreffe Treffen im Kreis von Freunden oder Vereinen ebenso wie Märkte oder Sportveranstaltungen. Der Bürgermeister betonte: »Hygieneauflagen und geltende Regelungen werden vom Ordnungsamt verstärkt kontrolliert.«

Bei allen Planungen von Veranstaltungen müsse ein Hygienekonzept bedacht werden, fügte Landrätin Schneider hinzu. Veranstalter sollten auch die Auswirkungen ihrer Vorhaben im öffentlichen Raum bedenken. »Deshalb ist gerade viel Augenmaß und Abwägung nötig. Wir alle haben es in der Hand, Abstand zu wahren, Masken zu tragen und Hygieneregeln einzuhalten.«

Für den Anstieg dürften vor allem Reiserückkehrer verantwortlich sein. Das zeigt auch ein Blick auf das Testcenter in der Rivers-Sporthalle. »Es gibt derzeit wieder längere Wartezeiten, da sich viele Urlaubsrückkehrer testen lassen«, bestätigt Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Am Montag hätten sich knapp 190 Menschen und somit doppelt so viele wie am Samstag testen lassen. »Im Moment dauert es unter der Woche zwei Tage, bis das Ergebnis vorliegt. Wir hören auch immer öfter von Laboren, die an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen«, betont Roth.

Der Mietvertrag für die Rivers-Halle, in der sonst Basketballer spielen und trainieren, läuft bis Ende Oktober. Laut Roth ist offen, wie es danach weitergeht. Doch nicht nur die Basketballer rechnen damit, dass das Testcenter länger in der Halle bleibt. Schließlich droht im Herbst ein erneuter Anstieg der Infektionen - auch in der Stadt Gießen.

Info: Sieben-Tage-Inzidenz

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 54,4 ist Offenbach hessenweit am stärksten betroffen. Es folgen Wiesbaden (40,9) und Frankfurt (31,4). Der Lahn-Dill-Kreis liegt bei 10,7, die Wetterau bei 7,1. Hessenweit beträgt der Wert 17,1.

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