Die Firma "ScheBo Biotech" hat einen neuen Antigen-Schnelltest für das Corona-Virus auf den Markt gebracht. (Symbolbild)
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Die Firma »ScheBo Biotech« hat einen neuen Antigen-Schnelltest für das Corona-Virus auf den Markt gebracht. (Symbolbild)

„ScheBo Biotech“

„Weltweit einzigartig“: Mit neuartigem Corona-Schnelltest in 15 Minuten zum Resultat

  • vonSebastian Schmidt
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„ScheBo Biotech“ aus Gießen hat einen Corona-Schnelltest entwickelt, der ein „weltweit einzigartiges“ Verfahren nutzt. Er soll schneller und günstiger sein als die Produkte der Konkurrenz.

  • In Gießen ist ein Corona-Schnelltest entwickelt worden, der in wenigen Minuten Ergebnisse liefern kann.
  • Der Antigen-Test von „ScheBo Biotech“ soll das Coronavirus im Blut nachweisen..
  • Das Gießener Produkt soll erstmal nur in bestimmen Fällen zum Einsatz kommen.

Gießen – Ein kleiner Pikser, 15 Minuten warten und dann hat man Gewissheit: Ein Corona-Schnelltest wäre eine Erleichterung für Patienten und überlastete Labore. Die Firma »ScheBo Biotech« aus Gießen hat solch einen Test entwickelt. Noch soll er aber nur in bestimmten Fällen zum Einsatz kommen.

Corona-Schnelltest: Firma aus Gießen bringt neues Produkt auf den Markt

Ist es nur eine banale Erkältung, die Grippe oder doch Corona? Diese Frage beschäftigt viele Menschen, die im Moment eine laufende Nase, Kopf- und Gliederschmerzen haben. Eine Antwort würde ein Corona-Test liefern. Doch bis man ein Ergebnis in den Händen hält, kann es dauern: Stundenlanges Anstehen am Testzentrum und tagelanges Warten auf das Laborergebnis sind oft eine Geduldsprobe. Die Gießener Firma »ScheBo Biotech« hat indes einen neuen Schnelltest auf den Markt gebracht, der in wenigen Minuten das Ergebnis liefert.

Ausgetüftelt wurde der Test von dem 1989 gegründeten Biotechnologie-Unternehmen mit Firmensitz im Europaviertel. Zu den Produkten der Firma zählen Test-Kits für Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und zur Darmkrebs-Früherkennung. Als im Jahr 2000 die BSE-Seuche ausbrach, hat »ScheBo Biotech« Tests entwickelt, um Hirn und Rückenmark in Fleischprodukten nachweisen zu können. Das Unternehmen ist mehrmaliger Gewinner des hessischen Innovationspreises.

Unternehmen aus Gießen: PCR-Test ist der Goldstandard bei Corona

»Die nationale Corona-Test-Strategie hat sich Mitte Oktober geändert«, erklärt Vorstand Dr. René Kröger. Seitdem dürfen die Tests von »ScheBo Biotech« in Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen oder Rehazentren eingesetzt werden. Vor der Änderung habe die Test-Strategie auf PCR-Tests gesetzt. Bei diesen Tests überprüfen Labore eine Probe aus Mund oder Rachen auf das Erbgut des Corona-Virus. »Der PCR-Test gilt als Goldstandard.« Aber da die Labore an ihre Grenzen stoßen, und weil es mehr wissenschaftliche Ergebnisse gebe, sei jetzt eine weitere Klasse von Tests erlaubt worden: die Antigen-Tests.

Auch der Antigen-Test stellt fest, ob der Corona-Erreger in einer Probe vorliegt. Er sucht aber nicht nach Erbgut, sondern nach der Proteinhülle des Virus. Und das geht schnell. »In 15 Minuten haben wir das Ergebnis.« Die meisten Antigen-Tests benutzen Abstriche aus der Nase, sagt Kröger. Ihrer nutzt Blut. »Unsere Tests können zwar auch mit Abstrichen funktionieren, aber Blut-Serum ist besser.« Ein Abstrich könne nur feststellen, ob das Virus auf der Schleimhaut in Rachen oder Nase sei. Das heiße aber nicht, dass das Coronavirus auch im Körper und der Patient notwendigerweise erkrankt sei. »Mit einem Nachweis im Serum können wir es sicher sagen.«

Neuer Corona-Schnelltest aus Gießen: Hohe Sensitivität und Spezifität

Der Test von »ScheBo Biotech« ist vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BFARM) zugelassen. Er erreicht eine Sensitivität von 96,77 Prozent. Das gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass der Test einen Erkrankten richtig erkennt. Die Spezifität wird mit 98,94 angegeben. Das ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um kein falsch-positives Testergebnis handelt.

Insgesamt hat das BFARM 119 Antigen-Tests zugelassen. Der Test aus Gießen unterscheide sich von den anderen durch seine Fluoreszenz-Technik, erklärt Kröger. »Wir sind damit weltweit einzigartig.« Es löse in Arztpraxen immer Spannung aus, wenn auf dem Test zuerst nichts erscheine. »Nur unter UV-Licht sieht man das Ergebnis«, erklärt Kröger. Dabei handelt es sich nicht um einen Spaß-Effekt. Durch die Fluoreszenz-Technik können kleinste Spuren des Virus sichtbar gemacht werden. »So erreichen wir eine 106-fache bessere Genauigkeit.«

Corona-Schnelltest von „ScheBo Biotech“: „Privatpersonen können ihn aber nicht kaufen“

»ScheBo Biotech« forsche seit Juli an Antigen-Tests. Ende Oktober ist die Firma damit auf den Markt gekommen. »Ein Schnelltest kostet 7,65 Euro. Privatpersonen können ihn aber nicht kaufen.« Zum Vergleich: Die Laborkosten für einen PCR-Test gibt die Techniker Krankenkasse mit 39,40 Euro an. Ob die Antigen-Tests die PCR-Tests als Standard ablösen können, müssen weitere Untersuchungen zeigen, sagt Kröger. Zumindest seien sie schnell. Der Nutzen für Arztpraxen beispielsweise ist groß. Innerhalb einer Viertelstunde können Ärzte nun entscheiden, welche Vorsichtsmaßnahmen bei einem fiebrigen Patienten angebracht sind und eher abschätzen, welches Risiko man bei der Untersuchung in der Praxis eingehen möchte. Noch geht die nationale Test-Strategie davon aus, dass PCR-Tests verlässlicher sind. (Sebastian Schmidt)

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