Eine Untersuchung zeigt, wer im Landkreis Gießen zuletzt die Ausbreitung des Coronavirus beschleunigt hat: Vor allem Menschen unter 30. (Symbolbild)
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Eine Untersuchung zeigt, wer im Landkreis Gießen zuletzt die Ausbreitung des Coronavirus beschleunigt hat: Vor allem Menschen unter 30. (Symbolbild)

Steigende Fallzahlen

Corona im Landkreis Gießen: Daten-Projekt zeigt Altersstruktur der Infizierten im Zeitverlauf

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Das Online-Projekt Corona-Data veröffentlicht Inzidenzen der verschiedenen Altersgruppen. Die Ergebnisse für die Region Gießen sind höchst spannend.

  • Wie verteilen sich die Corona-Infektionen im Kreis Gießen auf die Altersgruppen?
  • Eine Heatmap liefert eine Übersicht über das Infektionsgeschehen im Zeitverlauf.
  • Gießen: Vor der zweiten Welle hatten vermehrt jüngere Menschen Corona.

Gießen – Mehr als 350 neue Corona-Infektionen über das Wochenende im Landkreis Gießen, allein 109 neue aktive Fälle seit Samstagnachmittag im Stadtgebiet. Die Corona-Zahlen steigen und steigen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Insgesamt zählte das Gesundheitsamt im Landkreis Gießen am Montag um 15 Uhr 876 aktive Corona-Infektionen, 333 davon sind auf Bürger der Stadt Gießen zurückzuführen. Am Samstag waren es noch 621 im Landkreis und 224 in der Stadt. Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 256,1.

Corona in Gießen: Wie ist die Altersstruktur der Infizierten?

Einen interessanten Überblick über diese Sieben-Tage-Inzidenz nach Altersgruppen in den verschiedenen Kalenderwochen seit Ausbruch der Corona-Pandemie liefert das Online-Projekt Corona-Data. Auf der Homepage werden die Coronavirus-Fallzahlen per Heatmap visualisiert und auf Bundesländer und die verschiedenen Landkreise heruntergebrochen. So natürlich auch für den Landkreis Gießen.

So hat sich die Altersstruktur der Corona-Infizierten im Kreis Gießen entwickelt.

Die Visualisierung

Eine Heatmap ist ein Diagramm zur Visualisierung von Daten mit Hilfe einer zweidimensionalen Definitionsmenge. Die x-Achse repräsentiert den Zeitstrahl als Kalenderwochen im zeitlichen Verlauf der Pandemie, die y-Achse die Altersgruppen. Die Werte in den Feldern sind die durch die Gesundheitsämter bestätigten Corona-Infektionsfälle pro 100 000 Einwohner. Die Werte werden farbig unterschiedlich dargestellt. Es ist somit ein Verlauf der Infektionszahlen pro Altersguppe im Landkreis Gießen erkennbar. Die Daten werden wöchentlich vom RKI abgerufen. Die Verantwortlichen weisen darauf hin, dass sich die jüngsten Inzidenz-Daten noch ändern können, da dem RKI am Montag vermutlich noch nicht alle Fälle vom Wochenende gemeldet worden sind. Die altersspezifische Inzidenz berechnet sich aus den Fällen und dem Einwohneranteil der Altersgruppe.

Corona im Kreis Gießen: Die meisten Infizierten zwischen 20 und 29

Die Visualisierung (oben) zeigt deutlich, dass sich das Virus seit etwa fünf Wochen wieder mehr und mehr durch alle Altersgruppen zieht. In acht der insgesamt zwölf aufgeführten Altersgruppen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit der vergangenen Woche (KW 44) im roten Bereich. Die höchsten Werte erreichten zuletzt die Altersgruppen 20 bis 24, 24 bis 29 und 30 bis 39 Jahre. In der Kalenderwoche 42 lag lediglich die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen in diesem roten Bereich.

Deutlich zu sehen ist auch, dass die Infektionen mit dem Ende der Sommerferien in der Kalenderwoche 33 langsam wieder zunahmen. In der ersten Schulwoche (KW 34) weisen die Fünf- bis Neunjährigen sowie die 20 bis 24-Jährigen die höchste Inzidenz auf. »Für den Landkreis Gießen gilt wie für viele andere Kreise auch, dass eine steigende Inzidenz zunächst in jüngeren Altersgruppen, etwa zwischen 15 und 30 Jahren, beobachtet wurde. Wie zu erwarten war, kann man ab KW 40 sehen, wie die Infektionen auch in andere Altersklassen diffundieren«, erklärt Michael Schrempf, Mit-Initiator des Daten-Projekts.

Corona im Kreis Gießen: Inzidenz in kritischer Altersgruppe im „moderaten Bereich“

Etwas Positives kann er den Zahlen auch abgewinnen: »Die meisten Todesfälle sind in der Altersgruppe 80+ zu erwarten. Dort ist die Inzidenz in Gießen noch im moderaten Bereich«, sagt Schrempf. Er macht keinen Hehl daraus, dass mit steigender Inzidenz auch die Belegung der Intensivstationen ansteigen wird. Das belegt auch die Statistik des Landkreises: Die Zahl der sich in stationärer Behandlung befindlichen Corona-Patienten aus dem Kreis hat sich seit vergangenen Mittwoch verdoppelt - auf 18.

Das Intensivregister wies für den Landkreis am Montag 42 freie intensivmedizinische Betten aus, nachdem die Kapazität von 230 auf 243 ausgebaut worden ist. 201 Betten sind belegt. Der Anteil der Corona-Patienten liegt bei 8,23 Prozent und ist damit seit Sonntag um zwei Prozent gestiegen. 17 der 20 Corona-Patienten, die auf Intensivstationen im Landkreis liegen, müssen invasiv beatmet werden.

Corona im Kreis Gießen: Jüngeres und mittleres Alter betroffen

Dirk Wingender, Sprecher des Landkreises, kann die Zahlen der Visualisierung nachvollziehen. »Sie decken sich insoweit mit unseren Erkenntnissen, als dass in den vergangenen Monaten vor allem jüngere bzw. mittlere Altersgruppen betroffen waren. Zum Beispiel Reiserückkehrer und Gruppen, die besonders aktiv im Freizeitverhalten sind«, sagt Wingender. »Durch die sehr stark steigende Zahl der Fälle werden nun Infektionen auch wieder verstärkt in ältere Gruppen getragen«. (Marc Schäfer)

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