Urlaube in Hochinzidenz-Gebiete verbieten sich im Sommer 2021, findet der Gießener Corona-Experte John Ziebuhr. (Symbolbild)
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Urlaube in Hochinzidenz-Gebiete verbieten sich im Sommer 2021, findet der Gießener Corona-Experte John Ziebuhr. (Symbolbild)

Pandemie

Virologe zu Corona: „Muss uns gelingen, den Urlaub so zu gestalten, dass...“

  • Christoph Hoffmann
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Corona-Experte Professor John Ziebuhr aus Gießen sieht dem Sommer optimistisch entgegen - wenn uns nicht Mutationen einen Strich durch die Rechnung machen.

Gießen – Vergangenes Jahr erlebte Gießen einen unbeschwerten Sommer. Corona schien vergessen, die Pandemie vorbei. Und jetzt? Viele Experten vertreten die Meinung, dass durch die immer größer werdende Zahl von Geimpften erneut eine Rückkehr zur Normalität bevorsteht. Der Besuch im Biergarten rückt demnach in greifbare Nähe. Prof. John Ziebuhr, Leiter des Instituts für Medizinische Virologie der Justus-Liebig-Universität, sieht ebenfalls Gründe für Optimismus. Dafür müssten aber einige Voraussetzungen erfüllt werden.

»Wenn es uns in den nächsten vier bis fünf Wochen weiterhin gelingt, die Inzidenz herunterzubringen und die Impfung großer Teile der Bevölkerung - auch der jungen Erwachsenen - mit hohem Tempo voranzutreiben, stehen die Chancen inzwischen recht gut, dass wir unter Aufrechterhaltung von Schutzmaßnahmen, ähnlich wie im letzten Jahr, einen guten Sommer in Deutschland und den meisten unserer Nachbarländer haben könnten.«

Indische Corona-Variante besorgt Gießener Virologen

In den bundesweit keimenden Optimismus mischen sich aber auch immer wieder Meldungen, die Sorge bereiten. Zum Beispiel die Ausbreitung der indischen Variante in Großbritannien. Auch Ziebuhr sieht in den Mutanten eine Gefahr. Das Auftreten neuer Virusvarianten stell zweifellos ein Risiko dar, das im Auge behalten werden müsse. »Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass nach der ersten Impfung der Impfschutz deutlich weniger gut vor einer Infektion schützt als das nach zwei Impfungen der Fall ist«, betont der JLU-Professor. Viren mit bestimmten Mutationen, die den Immunschutz teilweise unterlaufen könnten, hätten gerade in diesen einfach geimpften Personen gute Chancen, sich ausreichend zu vermehren, um anschließend weitere Personen infizieren zu können.

Urlaub in der Corona-Krise: Gießener Virologe rät von bestimmten Reisen ab

Mutationen, die einen unzureichenden Immunschutz unterlaufen können, treten laut Ziebuhr bisher vor allem in Hochinzidenz-Gebieten außerhalb Europas auf. »Vielfach bleibt das Auftreten solcher Virusvarianten auch längere Zeit unbemerkt, weil die lokalen Gesundheitsbehörden nur unzureichend über die technischen Möglichkeiten verfügen, solche Varianten aufzuspüren.« Angesichts der nach wie vor in vielen Ländern kritischen Pandemielage rät Ziebuhr daher dringend von Reisen in Regionen außerhalb Europas ab. Dies gelte umso mehr für einfach Geimpfte oder Ungeimpfte und schließe auch Familien mit Kindern ein, da es bisher keine zugelassenen Impfstoffe für Kinder gibt. »Es muss uns gelingen, den Urlaub so zu gestalten, dass das Risiko eines Einschleppens neuer Virusvarianten aus Hochinzidenz-Regionen so klein wie möglich gehalten wird.« (chh)

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