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Wo sonst die Gießen 46ers oder der MTV Gießen trainieren, sollen ab Mittwoch Patienten auf das Coronavirus getestet werden. FOTO: SCHEPP

Coronavirus

Corona-Testcenter kommt nach Gießen

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Für das Corona-Testcenter für Stadt und Landkreis Gießen gibt es einen neuen Standort: Es befindet sich ab Mittwoch in der Rivers-Sporthalle an der Automeile. Das ist nicht die einzige Neuerung.

Bereits Anfang März hatten die in einem Netzwerk organisierten Gießener Hausärzte für ein zentrales Corona-Testcenter in der Stadt Gießen geworben. Nur sah das die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen mit Sitz in Frankfurt anders und siedelte das Testcenter in Lich beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) an. Das ist räumlich an die Aesklepios-Klinik angedockt. Praktisch für die KV, denn sie betreibt diesen ÄBD. Wegen der Nähe zur Klinik wurde jedoch ein Umzug nötig; im Gespräch war die Stadthalle in Staufenberg, Nur endete diese Idee im Streit. Nun macht die KV die Rolle rückwärts: Ab dem morgigen Mittwoch, 1. April, befindet sich das Testcenter für Stadt und Landkreis Gießen in der Rivers-Sporthalle an der Automeile. Also dort, wo sonst die Gießen 46ers und der MTV Gießen trainieren. Der Leihvertrag läuft zunächst bis zu den Sommerferien.

Kein spontaner Test

Corona-Testcenter sind weiterhin keine Anlaufstelle für spontane Besuche. Sie sind ausschließlich für diejenigen gedacht, die auf Anweisung ihres Hausarztes oder des ÄBD (Telefon 116 117) dorthin geschickt werden. Diese beiden Stellen bleiben die ersten Ansprtechpartner. Geöffnet haben wird das Center werktags zwischen 9 und 13 Uhr, sagte Landrätin Anita Schneider am Montagnachmittag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz vor Ort. Der Standort an der Automeile habe mehrere Vorteile, sagte Schneider. Zum einen sei die Turnhalle verkehrsgünstig gelegen. Außerdem gebe es hier keine Schulen, Kitas oder Wohnbebauung in der unmittelbaren Nähe.

Außerdem soll es die Möglichkeit geben, das Testcenter zu erweitern. Geplant ist zum Beispiel ein Drive-In. Die Stefan-Bellof-Straße soll dazu zu einer Einbahnstraße werden. Hier sollen Mitarbeitern des Testcenters Abstriche machen, ohne dass Betroffene ihr Fahrzeug verlassen müssen. Die Verantwortlichen erhoffen sich davon vereinfachte Abläufe und reduzierte Kontakte.

Eine wichtige Stütze, um der Pandemie Herr zu werden, sei außerdem die ambulante Versorgung, betonte Landrätin Schneider. Dafür könnte in unmittelbarer Nähe der Halle ein provisorisches Gebäude aus dem Boden gestampft werden. Hier könnte eine der 100 Schwerpunktpraxen entstehen, die die KV in Hessen zur ambulanten Versorgung schaffen will. Die Mediziner des Gesundheitsnetzwerks der Gießener Hausärzte hatten sich bereits Anfang März bereiterklärt, in so einer Einrichtung zu helfen.

Lob für Hausärzte

Eine Einigung gab es mit der KV auch bei den mobilen Test. Seit einer Woche stellt der Landkreis über den Rerttungsdienst ein Fahrzeug bereit, um in besonderen Fällen - wie hohes Fieber - bei Erkrankten Abstriche zu nehmen Die Ärztevereinigung wird die Abrechnung der Tests übernehmen.

Der Vorsitzende des Gesundheitsnetzwerks Gießener Hausärzte, Horst Rainer, begrüßte die Lösung. In den Praxen könnten Betroffene nicht von anderen Patienten isoliert werden. Aus diesem Grund seien bereits zwei Hausarztpraxen vorübergehend geschlossen worden. Deshalb seien Zentren wichtig, in denen Kapazitäten und Ressourcen gebündelt werden könnten. Ein Ort für die ambulante Untersuchung sei esssentiell: "Die Menschen kommen ja nicht nur, um einen Abstrich machen zu lassen. Sie kommen mit Beschwerden und müssen untersucht werden." Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz dankte den Gießener Hausärzten für deren Engagement und Hartnäckigkeit. "Es ist vorbildlich, wie sie miteinander kooperieren und wie kollegial sie die Krise angehen."

Einen kleinen Seitenhieb gab es schließlich noch für die KV: Die hatte nach dem Scheitern der Gespräche mit der Stadt Staufenberg scharfe Kritik an der Kommunalpolitik geäußert: " In keinem anderen hessischen Landkreis gab es vergleichbare Probleme, war die Kommunalpolitik derart unkooperativ wie in Gießen und Umgebung. Es wird Zeit, dass die Landesregierung endlich durchgreift." Landrätin Schneider betonte, die KV habe sich im Ton vergriffen. "Sie hatte nicht auf dem Schirm, dass wir eine politische Willensbildung haben, bevor wir eine Entscheidung treffen." Die KV war mit der Meldung, das Testcenter ziehe von Lich nach Staufenberg um, vor der politischen Entscheidung vorgeprescht.

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