Das Testcenter an den Hessenhallen schließt.	FOTO: PM
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Das Testcenter an den Hessenhallen schließt.

Nach Beanstandungen

Corona-Testcenter in Gießen: Privater Betreiber muss mitten in der zweiten Welle schließen

  • vonSebastian Schmidt
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Die Auflagen des Regierungspräsidiums waren zuviel für den privaten Betreiber: Er hat deshalb das Handtuch geworfen. Allerdings steht in der Stadt ein neuer Anbieter für Schnelltests schon in den Startlöchern.

Gießen – Die Infektionszahlen schießen in die Höhe und Weihnachten rückt immer näher. Trotzdem stellte das private Corona-Testcenter an den Hessenhallen am Donnerstag seinen Betrieb ein. Das Testcenter des Gießener Unternehmens Eluthia wurde Ende November vom Regierungspräsidium in Sachen Arbeitsschutz überprüft. Jetzt kamen die Beanstandungen.

»Wir schließen mitten in der Hoch-Zeit der Pandemie«, sagt Geschäftsführer Tarrin Khairi-Taraki, hörbar enttäuscht. Mit den Corona-Tests wollten sie ihren Beitrag zum Infektionsgeschehen leisten. Gewinn habe dabei keine Rolle gespielt. »Das Testcenter war für uns ein Nullsummenspiel.«

Im Testzentrum an den Gießener Hessenhallen gibt es kein Warmwasser

Deswegen sei die Umsetzung der Beanstandungen auch schwierig. Zum einen verlangt der Arbeitsschutz warmes Wasser in der mobilen Toilettenkabine neben dem Test-Container. »Dafür hätten wir eine Lösung finden können. Die Dekra hinter dem Testcenter hätte uns geholfen«, sagt Khairi-Taraki. Zum anderen fordere der Arbeitsschutz einen Aufenthaltsraum, in dem die Mitarbeiter die Schutzkleidung wechseln können. Noch einen extra Aufenthaltsraum hinzustellen, sei aber zu teuer. »Die Toilette und die Schutzausrüstung kosten schon viel Geld«, erklärt Khairi-Taraki.

Auch dass sie sonntags nicht mehr öffnen dürfen - eine weitere Beanstandung - sei ein Problem für die Finanzierung.

Der Geschäftsführer betont, dass die Stadt die ganze Zeit sehr hilfsbereit gewesen sei. Auch bei den Gießenern kam das Testcenter gut an. In der Zeit vom 18. November bis zum Tag der Schließung wurden laut Khairi-Taraki 447 Tests gemacht. Dass sie jetzt wegen den Beanstandungen schließen müssen, ist für den Geschäftsführer nicht nachvollziehbar: »Die Infektionszahlen schießen in die Höhe, die Todeszahlen auch. Und wir diskutieren über Öffnungszeiten am Sonntag oder über warmes Wasser im Dixiklo. Das ist wirklich nicht mehr zu vermitteln.«

Privates Corona-Testcenter in Kleinlinden kann wieder öffnen

Das private Testcenter in Kleinlinden hat indes weiter geöffnet. Und noch ein weiterer Anbieter von Antigen-Schnelltests öffnet Mitte nächster Woche seine Türen: 15minutentest.de. Sie werden aus einem Container vor der Margaretenhütte 64 testen, erklärt Betreiber Christoph Neumeier. Aber sie arbeiten mit einer lokalen Gastronomie zusammen, die wegen des Lockdowns geschlossen ist. »Unsere Mitarbeiter können dort Räume und sanitäre Anlagen benutzen.« Für einen Test-Termin müsse man sich vorher auf ihrer Webseite anmelden und seine Daten hinterlegen. »Dadurch können wir Schlangen und Wartezeiten im Testcenter vermeiden. Die Menschen gehen rein und wieder raus.« 15 Minuten später bekommen sie eine E-Mail-Benachrichtigung und können das Ergebnis auf dem Handy abrufen, sagt Neumeier. 15minutentest.de öffnet nächste Woche nicht nur in Gießen, sondern auch in neun weiteren Städten. Neumeier ist sich sicher, dass die Testcenter bleiben werden. »Die Schnelltests gehören zur Langzeitstrategie der Regierung.« (seg)

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