In Wenzhou fand Mitte Oktober ein Treffen junger Wissenschaftler aus der ganzen Welt statt. Die Stadt will Corona da schon lange unter Kontrolle gehabt haben. FOTO: PM
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In Wenzhou fand Mitte Oktober ein Treffen junger Wissenschaftler aus der ganzen Welt statt. Die Stadt will Corona da schon lange unter Kontrolle gehabt haben. FOTO: PM

Pandemie

Wie die Corona-Situation in Gießens Partnerstadt Wenzhou aussieht

  • vonSebastian Schmidt
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Gießens Partnerstadt war die erste Stadt in China, die außerhalb der Region Hubei Anfang Februar unter Quarantäne gestellt wurde. Wie sich die beiden Städte gegenseitig geholfen haben.

Eine Stadt von gewaltigem Ausmaß: 3 Millionen Einwohner im Kerngebiet, 9 Millionen in der Metropolregion. Gießens Partnerstadt Wenzhou in China ist der Wirtschaftsmotor seiner Region. Das liegt an der dortigen Textil- und Sportschuhproduktion, aber auch an der Feuerzeugherstellung. 70 Prozent aller Feuerzeuge weltweit stammen von dort. Wie kam die Großstadt mit der Corona-Pandemie bisher zurecht? Wenn man den chinesischen Behörden glauben darf: Ziemlich gut. Seit dem 16. März soll es keine Neuinfektionen mehr geben.

Dabei sah es zu Beginn des Jahres kritisch aus. Im Januar gab es einen zweiwöchigen Schüleraustausch. 29 Schüler aus Wenzhou besuchten Gießen. Der Besuch Gießener Schüler in Wenzhou konnte aber nicht mehr stattfinden. Denn Wenzhou war die erste Stadt in China, die außerhalb der Region Hubei Anfang Februar unter Quarantäne gestellt wurde.

Die Stadt Gießen schickte daraufhin 1000 Mundschutzmasken in die Partnerstadt. Wenige Monate später, im April, als Corona dann Gießen im Griff hatte, erwiderte Wenzhou diese Geste: 6 000 Masken, Handschuhe und auch Test-Kits kamen aus China hier an. "Das ist gelebte Partnerschaft", sagte damals Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

China riegelt Risikogebiete ab

Die Infektionszahlen für Wenzhou scheinen aber niedrig gewesen zu sein. Laut Ye Yao, Mitarbeiterin des Büros für auswärtige Angelegenheiten der Stadt, gab es in der Millionenstadt 504 Infizierte. Davon sei eine Person an dem Virus gestorben. Dass die Lage nicht eskalierte, wird mit dem harten frühen Lockdown erklärt. Laut Ye Yao wurden die Menschen aufgefordert zu Hause zu bleiben, Abstand zu halten, und es wurden Kultureinrichtungen geschlossen. Diese Maßnahmen klingen sehr ähnlich zu dem, was in Gießen im ersten und zweiten Lockdown passierte.

Was man hier nicht kennt: In Wenzhou wurden die Autobahnen geschlossen. China versuchte mit dem Abriegeln der infizierten Gebiete, das Ausbreiten der Krankheit zu verhindern.

Eine Maßnahme, die bis jetzt in Deutschland nicht umgesetzt wurde. Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch Instituts, bezeichnet das Abriegeln von Risikogebieten in Deutschland mittlerweile aber als "vorstellbar". Ob diese Maßnahme hier widerspruchslos akzeptiert werden würde? Schließlich gehen manche Menschen bereits gegen das Maske-Tragen auf die Straße. Es ist unklar, ob es in Wenzhou Protest gegen die Maßnahmen gab.

Ye Yao sagt auf Anfrage dazu nur: "Die Einwohner von Wenzhou stimmen den wissenschaftlich-begründeten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, wie sie die Regierung umsetzt, zu." Außerdem habe die Stadt viele Dinge getan, um die Grundbedürfnisse der Menschen in der Pandemie-Situation zu befriedigen. Unterstützt wurde die Stadt dabei von Sozialarbeitern und jungen Freiwilligen, die sich in der Pandemie-Bekämpfung engagierten, erklärt Ye Yao.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO lobte China Ende Januar für ihre harten Maßnahmen. Und wenn man den offiziellen Berichten glauben kann, dann scheint Wenzhou besser mit Corona zurechtgekommen zu sein, als große Teile Deutschland. "Seit April ist unser Leben schrittweise wieder zur Normalität zurückgekehrt", sagt Ye Yao.

Deswegen werde es für die Neujahrs- und Frühlings-Feste fast keine Einschränkungen geben. "Wir feiern, wie in den Jahren zuvor, zusammen mit unseren Familien, gehen einkaufen oder machen kleine Ausflüge", sagt Ye Yao. Aber eine Vorsichtsmaßnahme bleibe auch dort: An viel belebten Orten müssen man an den Feiertagen die Mundnasenschutz-Maske tragen.

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