Im UKGM sieht man sich vor einer möglichen zweiten Welle an schwer Erkrankten gut aufgestellt.
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Am UKGM soll nun doch eine steuerfreie Sonderzahlung an die Mitarbeiter aus Pflege und pflegenahen Bereichen fließen.

Uniklinikum Gießen-Marburg

Corona: Gute Nachricht für Helden von „Covid City“ am UKGM in Gießen

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Zunächst erhielten Pflegekräfte des Uniklinikums in Gießen keine Corona-Prämie, was für Bestürzung und Kritik sorgte. Nun gibt es endlich gute Nachrichten für die UKGM-Mitarbeiter.

  • Das Uniklinikum Gießen-Marburg (UKGM) ging bei der Verteilung der bundesweiten Corona-Prämie ursprünglich leer aus.
  • Nun stellt das Land Hessen dem Krankenhaus aber doch eine „einmalige Aufwandserstattung“ zur Verfügung.
  • Davon kann ein Bonus von etwa 500 Euro pro Vollzeitstelle am UKGM ausgezahlt werden.

Gießen - Tobias Kempff hatte die Nachricht den »Boden unter den Füßen weggezogen«. Dass ausgerechnet die Mitarbeiter des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM) bei der Verteilung der Corona-Prämie durch die Bundesregierung leer ausgehen, obwohl es sich um ein Corona-Schwerpunktkrankenhaus mit vielen schweren Fällen handelt, konnte der Stationsleiter beim besten Willen nicht verstehen. Verärgert und enttäuscht seien nicht nur er und seine Kollegen von der Pneumologischen Intensivstation des Uniklinikums darüber gewesen. Das erzählte Kempff in der vergangenen Woche in dieser Zeitung in einem Report über die »Covid City« genannte Corona-Intensivstation.

UKGM: Land Hessen stellt Aufwandserstattung bereit

Der Ärger könnte bei Kempff und seinen aufopferungsvoll gegen die Folgen der Corona-Infektion kämpfenden Kollegen nun vielleicht ein wenig verziehen. Die Corona-Prämie der Bundesregierung bleibt den Mitarbeitern des UKGM aufgrund der von der Politik aufgestellten Kriterien zwar weiterhin vorenthalten, die Geschäftsführung des Klinikums hat sich nun aber dazu entschlossen, Mitarbeitern aus der Pflege und den pflegenahen Bereichen eine eigene UKGM-interne Corona-Prämie zukommen zu lassen. Das hatte die Geschäftsführung zuvor noch kategorisch ausgeschlossen.

Die Trendwende geht aus einem internen Mitarbeiterbrief hervor, den alle Angestellten des UKGM am Samstag erhalten haben und der dieser Zeitung vorliegt. Laut diesem Schreiben habe sich die Hessische Landesregierung vor wenigen Tagen entschieden, dem UKGM für das laufende Jahr 2020 für die zusätzliche Arbeit als »koordinierendes Krankenhaus«, das die regionale Patientenversorgung für drei Landkreise steuert, eine »einmalige Aufwandserstattung« zur Verfügung zu stellen. Diese Zahlung werde man zum »ganz überwiegenden Teil« dafür nutzen, »um mit der Auszahlung einer außertariflichen steuerfreien Corona-Prämie in erster Linie den Mitarbeitern aus Pflege und pflegenahen Bereichen Anerkennung auszusprechen«, heißt es in dem Mitarbeiterbrief. Pro Standort - Gießen und Marburg - will das UKGM etwa 140.000 Euro dafür verwenden.

UKGM: Etwa 500 Euro pro Vollzeitstelle sicher

Nach einer ersten Bewertung durch die Standortgeschäftsführungen und Pflegedirektionen könne man damit mehr als 400 Mitarbeitern pro Standort (jeweils etwa 290 Vollzeitstellen in Gießen und Marburg) eine Prämie in Höhe von rund 500 Euro pro Vollzeitstelle auszahlen. Unterschrieben wurde der Infobrief für Gießen vom Ärztlichen Geschäftsführer Prof. Werner Seeger, der Kaufmännischen Geschäftsführerin Dr. Christiane Hinck-Kneip und dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß. Die Zahl könne sich - so heißt es weiter - sogar noch erhöhen, da sich das UKGM mit Erfolg erneut an das Land gewandt habe, um eine Aufstockung der Corona-Prämie zu erbitten. »Wir freuen uns sehr, Ihnen mitteilen zu können, dass sich die Landesregierung unmittelbar bereit erklärt hat, den von uns eingesetzten Betrag von 280.000 Euro noch einmal um 140.000 Euro für beide Standorte zusammen aufzustocken, wenn wir dazu eine Übereinkunft mit unseren Betriebsräten erzielen können. Somit würden wir für die außerordentliche Corona-Prämie dann 420.000 Euro für beide Standorte einsetzen können.«

Ob sich dadurch die Anzahl der Empfänger oder der Betrag für jeden einzelnen erhöht, geht aus dem Brief genauso wenig hervor, wie die ursprüngliche Höhe der Aufwandserstattung. Für Stationsleiter Kempff und seine Kollegen dürfte diese Nachricht das lang erhoffte Zeichen der Anerkennung sein - endlich auch finanziell.

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