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Eine Drive-In-Teststation für das Coronavirus wie in Baden-Württemberg gibt es in Gießen nicht. Aktuell baut die Kassenärztliche Vereinigung Hessen Untersuchungszentren auf. 

Corona-Virus

Corona: Gießener Schüler sollen zur Sicherheit zwei Wochen zuhause bleiben

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In Zeiten der Corona-Verunsicherung sind gute Nachrichten viel Wert. Den am Freitag von einer Skifreizeit aus einem Risikogebiet zurückgekehrten Schülern der Gießener Aliceschule geht es gut.

Wenn alle Menschen so gelassen mit dem Thema Corona-Virus umgehen würden wie die Leiterin der Gießener Aliceschule, wären die Regale in den Supermarkten mit Nudeln und Dosen gut gefüllt, und in Drogerien gäbe es noch ausreichend Desinfektionsmittel zu kaufen. Martina Röder stand am Freitag vor der Aufgabe, die Rückkehr einer Schülergruppe aus einem Corona-Risikogebiet so zu organisieren, dass bei niemandem die Nerven blank lagen. "Das lief alles sehr ruhig ab", sagt die Schulleiterin über die Rückkehr der 37 Berufsschüler und vier Lehrkräfte, die für eine Skifreizeit nach Südtirol gereist waren. "Schüler und Eltern waren ruhig und weit entfernt davon, panisch zu sein."

Schüler mit Erkältungssymptomen direkt getestet

Am Freitagabend hatten Mitarbeiter des Gesundheitsamts des Landkreises Gießen die Gruppe in Empfang genommen. Weil einer der 37 Schüler leichte Erkältungssymptome hatte, wurde er noch vor Ort auf den Corona-Virus getestet. "Negativ", wie Kreissprecher Dirk Wingender auf Anfrage dieser Zeitung sagt.

Die Schüler fuhren bereits einige Tage in Südtirol die Hänge hinab, als das Robert-Koch-Institut diese Gegend zum Risikogebiet erklärte. Im Vorfeld der Freizeit, sagt Röder, habe sie deshalb mit dem Gesundheitsamt in Kontakt gestanden. "Das war alles sehr sachlich und professionell", sagt sie. Innerhalb kurzer Zeit seien die Eltern informiert worden, dass die Schüler der Reisegruppe nach ihrer Rückkehr von Mitarbeitern des Roten Kreuzes nach Hause gefahren werden sollten, um Kontakt mit den Abholern zu vermeiden.

Gleichzeitig erhielten alle Betroffenen einen Infozettel, wie sie sich bei einer sogenannten häuslichen Absonderung verhalten sollen. Diese tritt für 14 Tage in Kraft, wenn Menschen aus Corona-Risikogebieten zurückkehren, aber keine Symptome zeigen. Es handelt sich also um einen präventiven Schritt, oder wie Röder sagt: "Reine Vorsichtsmaßnahme." Warum zwei Wochen? So lange dauert - nach aktuellem Wissenstand - die Zeit zwischen Ansteckung und dem Beginn von Symptomen der Krankheit.

Häuslische Absonderung ist freiwillig

Bei einer häuslichen Absonderung bleiben Betroffene freiwillig zuhause; ihre Mitbewohner und Angehörigen hingegen können weiterhin das Haus verlassen. Sie sollten sich aber an bestimmte Regeln halten: Es wird empfohlen, keine gemeinsamen Mahlzeiten einzunehmen und das Geschirr nicht miteinander zu teilen. Wichtig ist auch die räumliche Trennung der Bewohner; Betroffene sollen zum Beispiel ein eigenes Badezimmer und Hygieneartikel nutzen. Weitere Tipps sind, das Wohn- und Schlafzimmern gut zu lüften sowie Wäsche gründlich und regelmäßig zu waschen. Röder erzählt, dass einige Schüler bei Freunden untergekommen seien, weil eine Absonderung aufgrund der räumlichen Verhältnisse zuhause schwer sei oder es ein Kleinkind im Haushalt gebe.

An der Aliceschule werden die Berufschüler in den Bereichen Ernährung und Hauswirtschaft, Sozialwesen und Körperpflege unterrichtet. Der Schulbetrieb, sagt Röder, laufe normal weiter, auch wenn zum Beispiel geprüft werde, Klausurtermine zu verlegen. "Viel wichtiger ist aber, dass es den abgesonderen Schülern und Lehrern gut geht. Wir stehen in direktem Kontakt und helfen, wo wir können."

Am Montag, erzählt die Schulleiterin, habe für die Betroffenen noch eine Schonfrist gegolten. Aber danach sollen die Schüler über Lernplattformen im Netz mit Arbeitsaufträgen versorgt werden. Nichts also mit 14 Tage lang Seriengucken auf Netflix. Röder muss schmunzeln, als sie sagt: "Der digitale Arm der Schule reicht weit."

Corona-Testcenter

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen ist weiter dabei, zentrale Untersuchungsstellen einzurichten, in denen Betroffene auf den Corona-Virus getestet werden können. Die konkreten Standorte in Stadt und Landkreis Gießen sollen nicht über die Presse bekanntgegeben werden. "Die Lenkung der Patienten soll ausschließlich auf Weisung der Gesundheitsämter bzw. nach Kontakt mit der 116 117 erfolgen", teilt ein KV-Sprecher mit. Die Gesundheitsämter, Krankenhausgesellschaft, Landesärztekammer und das Land würden jedoch über die Zahl und Lage der Testcenter informiert. Geöffnet sein sollen diese werktags von 9 bis 13 Uhr. Eingerichtet werden sie von der KV, die auch das Personal stellt. Es seien bereits niedergelassene Ärzte angefragt worden, welche Dienste sie übernehmen können. Nach Angaben des KV-Sprechers werden pro Testcenter ein Arzt und zwei medizinische Fachangestellte eingesetzt.

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