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Das Sommersemester an der Uni Gießen soll ohne Präsenzlehre starten. 

Corona in Gießen und Mittelhessen

Corona Gießen: Uni Gießen kündigt weitreichende Veränderungen an

Die aktuellen Corona-Entwicklungen in Gießen und Mittelhessen im Ticker. 

  • Corona: Mehrere Platzverweise und eingeleitete Bußgeldverfahren
  • Auch Eisdielen-Betreiber aus dem Kreis Gießen protestieren
  • Mehr Patienten auf Intensivstationen in Kliniken in der Stadt
  • Aktuell 177 bestätigte Fälle in Stadt und Kreis Gießen

Update, 9.4.2020, 13.24 Uhr: Viele Studenten fragen sich: Wie soll in der Corona-Krise das anstehende Semester an der Uni Gießen ablaufen? Nun hat sich Präsident Joybrato Mukherjee an die Betroffenen gewandt. Demnach wird die Vorlesungszeit im Sommersemester 2020 ohne Präsenzlehre starten! 

Die Corona-Krise könnte sich auch auf die vorlesungsfreie Zeit im Sommer auswirken: "Falls nötig, werden wir die Vorlesungzeit ein wenig nach hinten strecken müssen", erklärt Joybrato Mukherjee.  

Corona Gießen: Einfach-Beatmungsgerät aus Gießen bietet großen Vorteil

Update, 8.4.2020, 12.40 Uhr: Covid-19 breitet sich weiter aus. Beatmungsgeräte sind knapp. Abhilfe könnte eine Neuentwicklung von Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und des Universitätsklinikums Gießen/Marburg (UKGM) schaffen.

Die Professoren Volker Groß und Keywan Sohrabi vom Fachbereich Gesundheit der THM sowie Professor Ulrich Koehler, der am UKGM das Schlafmedizinische Zentrum leitet, haben eine einfache und kostengünstige Lösung für die Beatmung von Covid-19-Patienten entwickelt.

Das "Mobile Einfach-Beatmungsgerät 2020 (MEB 2020-1)" basiert unter anderem auf Erkenntnissen aus der Schlafmedizin. "Das System unterstützt Patienten aktiv bei der Atmung. Es schont damit die Physis der Patienten und erhält so die lebensnotwendige Konzentration von Sauerstoff im Blut. Patienten erhalten während des Einatmens einen erhöhten Druck, der beim Ausatmen gesenkt wird", sagt Koehler.

"Unser System kann einer invasiven Beatmung vor- und nachgeschaltet werden. Die Unterstützung der Atmung ist nicht-invasiv. Sie wird heute mit teuren multifunktionellen Geräten durchgeführt", erläutert Sohrabi. MEB 2020-1 erzeuge einen ausreichenden Einatmungsdruck und sorge während des Ausatmens dafür, dass die kleinen Atemwege nicht kollabieren. "Bei der Entwicklung haben wir auch darauf geachtet, eine Luftkontamination zu vermeiden. Bei vielen aktuellen Konzepten wird dieser Aspekt vernachlässigt", betont der Gießener.

Das Gerät sei technisch einfach und mobil einsetzbar. MEB 2020-1 sollten auch Nicht-Fachleute, also zum Beispiel die Patienten selbst, Angehörige oder Pfleger, bedienen können. Hochqualifiziertes Fachpersonal werde dadurch entlastet. Es verzichte auf eine komplizierte Überwachungstechnik. Trotzdem arbeite es zuverlässig und den geltenden Normen entsprechend.

Corona Gießen: Eisdielen-Betreiber aus Mittelhessen protestieren

Update, 8.4.2020, 10.58 Uhr: 30 hessische Selbständige, die insgesamt 36 Eisdielen betreiben, protestieren gegen die aktuellen Auflagen in der Corona-Krise: "Als einziges Bundesland hat die Landesregierung in Hessen jeglichen Betrieb von Eisdielen untersagt", heißt es dort. 

Mit dabei sind auch die Eisdielen "heisszeit" in Gießen und "Morandin gelato e caffè" in Lich. Bei dem Zusammenschluss heißt es: "Trotz Corona-Soforthilfe werden in Hessen viele kleine Eisdielen Insolvenz anmelden müssen. Denn Eisdielen verdienen naturgemäß zwischen März – Juni etwa 75% ihres Jahresumsatzes und können Mindereinnahmen nicht mehr später ausgleichen."

Auf www.hessische-eismacher.de fordern die Selbstständigen: 

  1. Lieferung durch Eisdielen erlauben – wie jedes andere Bundesland auch! 
  2. Abholung von Eis nach Vorbestellung erlauben – wie jedes andere Bundesland auch! 
  3. Mitnahmebetrieb auch ohne Vorbestellung erlauben, solange Abstandsmaßnahmen rigoros durchgesetzt werden – wie in 10 von 15 anderen Bundesländern auch!

Corona Gießen: Zahl der bestätigten Fälle steigt

Die Zahl der bestätigten Fälle des Coronavirus ist auf 177 gestiegen. Davon sind derzeit 6 Personen in stationärer Behandlung und inzwischen 72 Personen genesen.

Corona Gießen: Immer mehr Verfahren wegen Beschränkungen

Update, 8.4.2020, 9.07 Uhr: In Hessen wehren sich Bürger zunehmend auf dem Rechtsweg gegen behördliche Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel sind mehrere Verfahren anhängig. "Beim 8. Senat ist mittlerweile ein weiterer Eilantrag eingegangen, der sich gegen sämtliche Beschränkungen der einschlägigen Verordnungen richtet", sagt ein VGH-Sprecher. 

Wann darüber entschieden werde, sei noch unklar. Gegenüber giessener-allgemeine.de* bezieht ein Jurist Stellung zu den Ausgangsbeschränkungen. 

Am Dienstag hatte der Gerichtshof den Eilantrag eines Katholiken abgelehnt, der sich gegen das Gottesdienstverbot an Ostern wehrte. Noch am Laufen ist ein Eil-Verfahren, mit dem sich der Betreiber eines Fitnessstudios gegen Beschränkungen wehrt. Auch an den Verwaltungsgerichten sind noch Verfahren anhängig.

Corona Gießen: Mann schreit "Corona" und legt sich mit Polizei an

Update, 7.4.2020, 15.02 Uhr: Am Sonntagabend wurde in der Straße Zu den Mühlen in Gießen ein 20-Jähriger festgenommen. Die Streife hatten zunächst vier Personen kontrolliert. Der 20-Jährige stieß wohl eher zufällig dazu und rief den Beamten zu, dass er durch Corona infiziert sei. 

Anschließend wurde er aggressiver und ignorierte einen Platzverweis. Bei der anschließenden Festnahme widersetzte er sich und leistete Widerstand. 

Bei der Überprüfung stellte es sich heraus, dass er keine Symptome hinsichtlich des Coronavirus zeigte und auch nicht als infizierte Person erfasst war. Letztendlich musste der 20-Jährige, der offenbar psychisch krank war, in eine Klinik eingewiesen werden.

Corona Gießen: Aktuell 171 bestätigte Fälle im Landkreis

Update, 7.4.2020, 14.17 Uhr: Das Hessisches Ministerium für Soziales und Integration hat am Dienstag neue Fall- und Todeszahlen für Hessen herausgegeben. Demnach sind bislang für den Landkreis Gießen in 171 Fällen eine Corona-Infektion bestätigt worden. Einen damit in Verbindung zu bringenden Todesfall gibt nicht. 

Update, 7.4.2020, 11.16 Uhr: Die Polizei war am vergangenen Wochenende nahezu im Dauereinsatz gegen "Corona-Sünder", die sich entweder nicht an die Einhaltung der Allgemeinverfügung zur Bekämpfung des Coronavirus hielten oder von Anrufern bezichtigt worden waren, sich nicht daran zu halten. 

In zwei Fällen mussten die Beamten durchgreifen und neben einem Platzverweis ein Bußgeldverfahren einleiten. Am Gießener Lahnufer hatte sich eine Dreiergruppe trotz Hinweis nicht aufgelöst, in Staufenberg war ein Auto mit drei Insassen angehalten worden. Den sechs Personen droht nun jeweils ein Bußgeld in Höhe von 200 Euro, wie Polizeisprecher Jörg Reinemer am Montag auf Anfrage mitteilte. 

Ansonsten sei am Wochenende lediglich eine Handvoll Platzverweise ausgesprochen worden. Die meisten Einsätze, die man aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung gefahren habe, hätten sich als nicht nötig herausgestellt. (Lesen Sie bei giessener-allgemeine.de*: Corona-Datenspende - RKI stellt App für die Krise vor)

Auch die Gießener Ordnungspolizei war am Wochenende im Einsatz. Am Sonntag wurden rund 70 Personen und ein Dutzend Gastronomiebetriebe auf Einhaltung der Regeln hingewiesen, wie Claudia Boje, die Sprecherin der Stadt, mitteilt. Alle Personen seien einsichtig gewesen, es seien keine Bußgelder verhängt worden. Schwerpunkt der Kontrollen am Sonntag waren das Lahnufer, die Wieseckaue sowie die Innenstadt.

Auch am Samstag lag der Schwerpunkt der Kontrollen der Ordnungspolizei aufgrund des guten Wetters auf den Grünanlagen im Stadtgebiet. In der Wieseckaue wurden bei mehreren Kontrollen circa 40 Personen angetroffen. Mit Lautsprecherdurchsagen wurden sie auf das bestehende Kontaktverbot hingewiesen. Vereinzelt gab es dort an diesem Tag Platzverweise. Gleich 14 Verweise dieser Art wurden am Samstag am Lahnufer ausgesprochen, wo sich eine Gruppe mit 14 Personen aufhielt.

Am Rodtberg mussten die Beamten sogar eine private Grillfeier mit zehn Personen auflösen und auf das Kontaktverbot hinweisen. Vor einem Einkaufsmarkt wurden zudem vier Platzverweise gegen Personen ausgesprochen, die sich nicht an das Kontaktverbot hielten. Und auf einem Schulhof wurden drei Personen angetroffen. Auch sie erhielten Platzverweise.

Immer wieder stoßen die Ordnungshüter noch auf größere Gruppen. Auch am Freitag wurde in der Innenstadt eine Gruppe von sieben Personen angetroffen und aufgelöst. Auch diese Personen erhielten Platzverweise.

Corona Gießen: Mehr Patienten auf Intensivstationen in Kliniken in der Stadt

Erstmeldung, 7.4.2020, 7.52 Uhr: Die Zahlen nehmen langsam zu, von einer großen Covid-19-Welle ist in den drei Gießener Krankenhäusern aber noch nichts zu spüren. 

Das als Corona-Schwerpunktkrankenhaus geltende Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM) zählte am Montag am Standort in Gießen 19 Covid-19-Patienten, wie Sprecher Frank Steibli mitteilte. 13 auf den Intensivstationen und sechs auf den Infektionsstationen. Weitere Details zum Schweregrad der Erkrankung und zum Krankheitsverlauf gibt das UKGM "aus Gründen des Daten- und Patientenschutzes" nicht preis. 

"In Abstimmung mit dem Hessischen Sozialminister und den Kliniken in Mittelhessen halten wir derzeit ausreichend Kapazitäten vor, um die in den Kliniken eintreffenden Covid-19-Fälle adäquat behandeln zu können", sagt Steibli. Im Evangelischen Krankenhaus wird derzeit ein Covid-19-Patient auf der Intensivstation behandelt. Dort stehen insgesamt 30 Beatmungsplätze zur Verfügung, wie Geschäftsführer Sebastian Polag am Montag erklärte. 

Und im St.-Josefs-Krankenhaus Balserische Stiftung wird derzeit bloß ein Covid-19-Verdachtsfall behandelt, "der sich auf der normalen Covid-Station befindet", wie Geschäftsführer Andreas Leipert mitteilt. In seinem Krankenhaus stehen maximal 13 Beatmungsbetten zur Verfügung für Covid- und Non-Covid-Patienten, aufgeteilt in zwei getrennten Bereichen. "Derzeit ist circa ein Drittel unserer Beatmungskapazität besetzt, darunter sind aber keine Covid-Patienten", stellt Leipert klar. 

Im St.-Josefs-Krankenhaus hätten sich bislang alle Verdachtsfälle als negativ herausgestellt.

mac/khn/dpa/fd

*giessener-allgemeine.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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