Das Corona-Testzentrum in Gießen war im August eine vielgenutzte Anlaufstelle.
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Das Corona-Testzentrum in Gießen war im August eine vielgenutzte Anlaufstelle.

Corona-Ticker

Corona Gießen: Flüchtlingsunterkunft unter Quarantäne - Aktuelle Zahlen aus Kreis und Stadt

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Wie entwickelt sich die Corona-Krise in Stadt und Kreis Gießen? Die Entwicklungen im Ticker.

Update, 8.9.2020, 11.08 Uhr: Nach einer bestätigen Covid-19-Infektion hat das Gesundheitsamt eine Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises für Asylbewerber in Buseck-Beuern unter Quarantäne gestellt. Am Montagabend war das positive Corona-Testergebnis einer Bewohnerin gemeldet worden.

Noch am Abend erfolgten nach Angaben des Landkreises Gießen mit Unterstützung des DRK Testabstriche für alle weiteren 16 Personen, die in der Einrichtung wohnen. Das Gesundheitsamt steht in Kontakt mit dem Stab Flüchtlingswesen des Landkreises. Die Gemeinde Buseck wurde ebenfalls über die Schritte informiert. 

Im Landkreis Gießen war die Zahl der aktiven Corona-Fälle am Dienstag gesunken von 48 auf 38. Zwar wurde im Vergleich zum Vortag ein neuer Fall gemeldet, jedoch stieg die Zahl der Genesenen Patienten von 341 auf 352. Drei Corona-Patienten befinden sich weiterhin in stationärer Behandlung.

Corona Gießen/Hintergrund: Die Seuche meldet sich zurück - Die August-Chronik im Überblick

Samstag, 1. August: Der Monat startet mit einer kleinen Hitzewelle, die das Freibad Ringallee sogleich an die Grenze bringt. Obwohl die tägliche Gesamtbesucherzahl auf 750 angehoben wird, kommen viele nicht rein. Klar ist auch: Die beiden Stadtteilbäder in Kleinlinden und Lützellinden bleiben zu. »Wir können das personell nicht stemmen«, erklären die Stadtwerke.

Donnerstag, 6. August : Explosions-Katastrophe in Beirut, US-Truppenabzug aus Deutschland, Geständnis im Lübcke-Prozess: Corona bestimmt in den ersten Augusttagen nicht die Schlagzeilen, liefert aber in Gießen ungewöhnliche Bilder aus der Kongresshalle. Der große Strafprozess um die Drogenbande »Chemical Revolution« muss aus Platzgründen am Berliner Platz stattfinden.

Montag, 10. August: Am heißen Wochenende melden die Seen im Gießener Raum: »Nichts geht mehr.« Einlassstopps, Kontrollen und Megafondurchsagen dienen der Einhaltung der Hygieneregeln. Am Dutenhofener See muss die Polizei eingreifen und einige abgewiesene und aggressive Personen mit Platzverweisen zur Räson bringen.

Mittwoch, 12. August: Die Überlebenshilfe für das gebeutelte heimische Schaustellergewerbe ist kein Renner. Anfangs verlieren sich nur vier Buden in der Fußgängerzone, dann ist es sogar nur noch eine. »Klar, es ist nicht das Stadtfest, aber es funktioniert«, sagt ein Budenbetreiber. Aber auch er baut ab und kommt nicht wieder. Momentan sind es wieder drei Buden, zwölf hätten es sein können.

Samstag, 15. August: Im Kreis Gießen hat sich die Zahl der aktiven Corona-Fälle seit Monatsbeginn mehr als verdoppelt; von 13 auf 32. Kein Grund zur Panik, meint Dr. Anja Hauri vom Kreisgesundheitsamt: »Wir wissen, wie viele Menschen an welchen Orten infiziert sind. Aber es handelt sich um Einzelfälle. Es gibt keine regionalen Schwerpunkte. Weil es sich vor allem um Reiserückkehrer handelt und nicht um Übertragungen innerhalb der Kreisbevölkerung, ist die Frage nach Schwerpunkten für uns auch momentan nicht relevant.«

Dienstag, 18. August: Jeder warme Tag hilft der angezählten Gastronomie; die Biergärten und Straßencafés sind voll wie in den Vorjahren. Aber Herbst und Winter bereiten der Branche große Sorgen. »Wenn es keine Veranstaltungen, Weihnachtsfeiern und Weihnachtsmärkte gibt, helfen uns auch keine Überbrückungsgelder mehr«, sagt eine Wirtin bei einem Treffen des hessischen Hotel- und Gaststättenverbands auf Burg Gleiberg. An einigen Lokalen in Gießen üben die Kollegen Kritik, weil sich dort um die Hygieneauflagen nicht geschert werde. »Gerade in Gießen wird gemacht, was man will«, lautet eine Stimme.

Freitag, 21. August: Ob die zweite Welle mit hohen Fallzahlen und schweren Verläufen kommt, weiß niemand, die zweite Welle mit Absagen indes, die rollt. Der »Herbstzauber« im Laubacher Schlosspark macht den Anfang, weitere wie der Krämermarkt in Gießen werden folgen.

Samstag, 22. August: Über das Tragen von Schutzmasken wird teilweise ähnlich hitzig diskutiert wie über das Kopftuch. Mediziner wie der Pneumologe Prof. Ardeschir Ghofrani sehen es nüchtern: »Ich glaube, die Maske ist eine der zumutbarsten und gleichzeitig effektivsten Methoden, Infektionen zu vermeiden. Dafür haben wir den Vorteil, langsam zum Alltag zurückzukehren und das Leben wieder zu genießen«, sagt der Ärztliche Geschäftsführer der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik.

Mittwoch, 26. August: Die Corona-Ampel in Gießen steht auf Gelb. 20 Neuinfektionen in einer Woche befördern die Stadt in die nächsthöhere Warnstufe. Der Wert entpuppt sich in den Tagen danach zwar als Momentaufnahme, aber Stadt und Einzelhandel ziehen unter anderem mit der Absage des Krämermarkts am 10. und 11. Oktober die Reißleine.

Freitag, 28. August: In den letzten Augusttagen wird Corona zum bestimmenden Thema. Die Volkshochschule stellt ihr Programm fürs neue Semester vor. Gesundheit, Entspannung und Philosophie werden stark nachgefragt. Sprachkurse, zuvor die Renner im Programm, werden weniger. Bei der Sitzung des Fahrgastbeirats geht’s um überfüllte Schülertransporte als Ansteckungsherde, der SPD-Landtagsabgeordnete Frank-Tilo Becher zieht seine Bilanz der sechs Corona-Monate und blickt voraus: »An ein paar Stellen können wir nicht so weitermachen wie bisher.«

Samstag, 29. August: Corona-Alarm an der Gesamtschule Gießen-Ost. Nachdem drei ältere Schüler positiv getestet wurden, wird die gesamte Jahrgangsstufe 12 mit fast 230 Schülern in eine Quarantäne bis zum Ende der Folgewoche geschickt. Zudem gilt für 14 Tage an der Schule die Pflicht, im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Ausdehnung des Wochenmarkts in den Kirchenplatz hinein war aus der Not der Corona-Pandemie geboren. Viele Beschicker und Kunden indes gefällt die raumgreifende Aufstellung, die die Stadt dauerhaft beibehalten will. »Das stärkt die Wegebeziehungen in die Fußgängerzone«, sagt Bürgermeister und Planungsdezernent Peter Neidel. Drei Jugendherbergen in Hessen müssen zum Jahresende schließen, darunter Gießen. Überraschend kommt die Nachricht nicht, denn die seit März geschlossene Herberge am Hardtwäldchen ist sanierungsbedürftig und zu klein. Die Pandemie gab ihr den Rest. Stadt und Jugendherbergswerk wollen sich nach einem neuen Standort in Gießen umsehen, wo die Ansprüche an ein modernes Jugendhotel erfüllt werden können.

Montag, 31. August: Hochzeits- und Familienfeiern mit Hunderten von Gästen als Seuchenbeschleuniger: Wiederholt gab es solche Nachrichten. Die Stadt Pohlheim zieht Konsequenzen und vermietet ihre Bürgerhäuser ab sofort nicht mehr für private Feiern. Abstandsregeln seien kaum einzuhalten, sagt Bürgermeister Udo Schöffmann. »Spätestens nach dem dritten Bier ist das vergessen.«

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