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Corona-Ausfälle: Gießener Seniorenheime rufen nach Hilfe

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Von: Marc Schäfer

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Nicht nur im Johannesstift kommt es aufgrund des Coronavirus zu Personalengpässen.
Nicht nur im Johannesstift kommt es aufgrund des Coronavirus zu Personalengpässen. © Oliver Schepp

Die stark ansteigende Zahl von Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat große Auswirkungen auf die Personalsituation in Alten- und Pflegeheimen. Das Johannesstift beispielsweise hat sich jetzt an Angehörige der Bewohner gewandt und bittet darum, sich als »Krisenhelfer« ausbilden zu lassen.

Gießen - Die Situation in den Alten- und Pflegeheimen in der Stadt Gießen ist angespannt. Angesichts der stark ansteigenden Zahl von Corona-Neuinfektionen sind die Träger der Einrichtungen zum wiederholten Mal im Laufe der Corona-Pandemie in Bedrängnis geraten. Der Grund diesmal: Das Personal geht aus. »Seit knapp zwei Wochen müssen wir wie auch andere Einrichtungen konstatieren, dass sich immer mehr Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeitsunfähig melden, weil sie Kontaktpersonen von Menschen waren, die als Covid-positiv deklariert wurden«, schreibt Christa Hofmann-Bremer, Geschäftsführerin der Gesellschaft für diakonische Altenhilfe Gießen und Linden und Einrichtungsleiterin des Johannesstifts in einem Rundschreiben unter anderem an Angehörige der Bewohner.

Am Montag habe man im Altenhilfezentrum in der Gießener Johannesstraße zehn, im Seniorenzentrum in Linden fünf Ausfälle im Zusammenhang mit Covid zu verzeichnen gehabt. »Es gibt unterschiedliche Konstellationen, jeder Fall muss spezifisch betrachtet werden«, schreibt Hofmann-Bremer. Oft handele es sich um infizierte Kinder der Mitarbeitenden, die betreut werden müssen, aber auch um Angestellte, die im Falle einer positiven Person im eigenen Umfeld »nicht arbeiten dürfen, weil sie noch nicht geboostert sind«. Um dem entstandenen Personalengpass zu begegnen, habe man bis jetzt in beiden Einrichtungen mit Leiharbeitnehmern gegengesteuert. »Wie lange das möglich ist, wissen wir nicht«, betont Hofmann-Bremer. Sie weist darauf hin, dass aktuell zwar alle Dienste »gut und sicher abgedeckt« seien. Sie geht aber auch davon aus, dass den Einrichtungen in den nächsten vier bis acht Wochen »eine große Herausforderung« bevorsteht, um »das wegbrechende Personal ersetzen« zu können.

Seniorenheime in Gießen und DRK bieten dreitägige Schulung zum „Krisenhelfer“ an

Abhilfe soll nun eine Initiative des Landkreises Gießen mit der Schwesternschaft Marburg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) schaffen, für die die Träger gemeinsam werben. Die Idee: Interessierte können sich in einer dreitägigen Schulung als »Krisenhelfer in Altenpflegeeinrichtungen« ausbilden lassen, um dann die Pflegeteams der Einrichtungen bei der Grundversorgung der Bewohner zu unterstützen. »Mit dieser Qualifikation sollen Laien Handwerkszeug an die Hand bekommen, um eine grundlegende Versorgung von leicht kranken oder wenig pflegebedürftigen Menschen aufrechterhalten zu können«, heißt es in einer Information des DRK. Ausdrücklich sei die kurze Schulung nicht dazu gedacht, Pflegehilfskräfte zu qualifizieren, sondern krisenhaften Personalnotstände in Einrichtungen zu begegnen.

Das Johannesstift ist in der aktuellen Lage natürlich kein Einzelfall. Auch die AWO Gießen beteiligt sich an dem Hilferuf. Geschäftsführer Jens Dapper berichtet, dass man auch im Tannenweg dabei sei, Menschen direkt anzusprechen, als »Krisenhelfer« einzuspringen. »Noch bekommen wir alles mit unseren Bordmitteln gerade so hin. Es ist aber nur eine Frage von Tagen, bis das nicht mehr funktioniert«, sagt Dapper. Ihm fehlten gestern acht Personen im Zusammenhang mit Corona.

Seniorenheime in Gießen erwarten „kritische Wochen“

»Es wird kritisch, vielleicht nur zwei bis drei Wochen lang, aber die werden es in sich haben«, prognostiziert der AWO-Geschäftsführer, der die pragmatische Initiative des Landkreises daher sehr begrüßt. »Wir haben im gemeinsamen Krisenstab in der vergangenen Woche über diese Möglichkeit gesprochen. Es ist toll, dass schon am Wochenende Schulungen angeboten werden. Das war eine schnelle Reaktion und eine schnelle Umsetzung«, betont Dapper. Genau wie Hofmann-Bremer hofft er nun auch auf Hilfe aus der Bevölkerung. »Es würde mich sehr freuen, wenn Sie zum Ergebnis kommen, dass für Sie ein Einsatz als Krisenhelfer in Frage kommt«, schreibt Hofmann-Bremer in der Mail an die Angehörigen.

Schulung zum Krisenhelfer

Um dem drohenden Personalengpass in Pflege- und Seniorenheimen entgegenzuwirken, bietet der Landkreis in Zusammenarbeit mit der DRK Schwesternschaft Marburg Schulungen für ehrenamtliche Krisenhelfer an. Dort können Interessierte lernen, wie sie Pflegeteams in Zeiten extremen Personalmangels vorübergehend unterstützen können. Das Schulungsangebot richte sich an Ehrenamtliche oder Angehörige, die Hilfe anbieten möchten, sagt Landrätin Anita Schneider. In dem dreitägigen Kurs werden grundlegende Kenntnisse zur Unterstützung der ausgebildeten Pflegekräfte vermittelt, darunter Hygienegrundlagen und Infektionsschutzmaßnahmen, Kommunikation und Umgang mit dementiell erkrankten Menschen sowie die Unterstützung bei Bewegung und Mobilisation. Die Schulung findet vom 28. bis 30. Januar statt, ein weiterer Kurs vom 4. bis 6. Februar jeweils in der Kreis-Volkshochschule Lich. Für die Kursdauer übernimmt der Landkreis den Verdienstausfall. Fragen und Anmeldungen an pflegekraefte-pool@lkgi.de.

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