In Maria Frieden leben derzeit zwei Hausgemeinschaften in Quarantäne. 	FOTO: SCHEPP
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In Maria Frieden leben derzeit zwei Hausgemeinschaften in Quarantäne. FOTO: SCHEPP

Bewohner in Zimmern isoliert

Gießen: Corona trifft Altersheime schwer – Ärger über Vorgehen der Behörden

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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In zwei Gießener Pflegeheimen gibt es je eine infizierte Bewohnerin. Die Caritasdirektorin ist verärgert, dass die Testergebisse lange auf sich warten ließen und kritisiert eine Isolation der Bewohner in ihren Zimmern.

  • Im Gießener Alloheim und im Caritashaus Maria Frieden ist je eine Bewohnerin Corona-positiv.
  • Caritasdirektorin Eva Hofmann kritisiert vor allem eine Isolation der Bewohner auf ihren Zimmern.
  • Leiter von Pflegeeinrichtungen wollen komplette Schließung wie im Frühjahr unbedingt verhindern.

Gießen - Plötzlich bleibt die Tür zu. Keine gemeinsamen Mahlzeiten, kein Fernsehabend. »Wir müssen die Bewohner in ihren Zimmern isolieren«, sagt Caritasdirektorin Eva Hofmann. Das galt nicht nur für die Zeit bis zum Testergebnis, sondern gilt noch bis einschließlich Freitag. Dabei leben die Senioren in Maria Frieden in so genannten Hausgemeinschaften. Jeder hat sein Zimmer mit Bad, aber man sieht und trifft sich in Wohnzimmer und Küche wie in einer Familie. Einige der Bewohner sind an Demenz erkrankt. Wie erklärt man ihnen, dass sie im Zimmer bleiben müssen? »Man kann sie doch nicht einsperren«, sagt Hofmann. Das wolle und dürfe sie gar nicht.

Corona-Fälle in zwei Gießener Pflegeheimen: Ergebnisse lassen auf sich warten

Die Caritasdirektorin ist verärgert. Sie kann nicht nachvollziehen, warum die Testergebnisse der Mitarbeiter innerhalb eines Tages vorlagen, während die der 28 Bewohner fast fünf Tage brauchten. Der Landkreis verweist darauf, dass das Gesundheitsamt das Prozedere nicht beschleunigen kann, weil es auf die Informationen der Labore angewiesen sei. Diese arbeiteten die Tests nach Eingang ab, was bei dem derzeitig hohen Aufkommen einige Tage in Anspruch nehmen könne. Bei der Benachrichtigung der Getesteten priorisiere das Gesundheit ältere Menschen durchaus, erklärt Pressesprecher Dirk Wingender, da man die Dringlichkeit kenne. Hofmann, die die Verantwortung für 98 Bewohner der Altenpflegeeinrichtung Maria Frieden und 56 Senioren im benachbarten St. Anna trägt, hat wenig Verständnis für die lange Zeitdauer. »Das hätten die Verantwortlichen auf der politischen Ebene längst klären müssen. Es war Zeit genug«.

Sie kritisiert zudem die Quarantänebedingungen. Wenn man die Hausgemeinschaften wie einen Haushalt betrachte, wäre die Isolierung im Zimmer nicht nötig. Die erkrankte Seniorin, die wie fast alle Bewohner an Vorerkrankungen leidet, hatte in der vergangenen Woche Fieber und wurde deshalb getestet. Sie befindet sich derzeit im Uniklinikum, ihr geht es jedoch recht gut. - Im Alloheim in der Grünberger Straße hat man einen Wohnbereich isoliert, die infizierte Bewohnerin hat sich nach Auskunft von Einrichtungsleiter Jan-Niklas Menzel bereit erklärt, das Zimmer nicht zu verlassen. Sowohl die erkrankte alte Dame als auch die infizierte Mitarbeiterin zeigten keine Symptome.

Gießen: Schnelltests in Alten- und Pflegeheimen als Herausforderung

In allen Alten- und Pflegeheimen der Stadt beginnt man in diesen Tagen mit Schnelltests. Um diese durchführen zu können, mussten die Träger in den vergangenen Wochen Konzepte erarbeiten und dem Gesundheitsamt vorlegen. Die Antigen-Schnelltests geben innerhalb von 20 bis 30 Minuten Aufschluss über eine mögliche Infektion. Der Nachteil: Eine 100prozentige Sicherheit bieten sie nicht. Sie werden ergänzend zum PCR-Test eingesetzt, um mehr Menschen testen und schneller Infektionen erkennen zu können.

Die Tests selbst werden über die Pflegekassen finanziert, das Problem ist jedoch der Aufwand, den die Testung inklusive der Dokumentation mit sich bringt. Werden Pflegekräfte dafür abgestellt, fehlen sie an anderer Stelle, deshalb entscheiden sich einige Träger dazu, externe Mitarbeiter mit medizinischer Qualifikation zu beauftragen. Wie die Tests eingesetzt werden, ist in den Häusern unterschiedlich: Manche wollen ihn Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern gleichermaßen regelmäßig anbieten, andere planen, zunächst nur dann zu testen, wenn es einen Anlass wie Fieber oder andere Symptome gibt. So will es auch der Caritasverband halten.

Pflegeheime in Gießen: Verantwortliche wollen komplette Schließung verhindern

Die Leiter der Pflegeeinrichtungen sind froh, dass ihre Häuser die Pandemie bisher so gut überstanden haben. Es gab keine Infektionsketten mit schrecklichen Todesfällen. Das sei, so erklärten es auch kürzlich Jens Dapper (AWO) und Christa Hofmann-Bremer (Johannesstift) sowohl der Disziplin und dem Engagement der Mitarbeiter als auch guten Hygienekonzepten zu verdanken. Doch alle sind sich sicher, dass man die Infektionen trotz aller Umsicht nicht ganz verhindern kann. Nur eines wollen sie auf jeden Fall verhindern: Eine komplette Schließung wie im Frühjahr. Eva Hofmann: »Das hat unseren Bewohnern schwer zugesetzt«.

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