Corona bekämpfen statt aufrüsten

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Gießen (mö). Am Karfreitag vor 61 Jahren, am 15. April 1960, starteten Atomkriegsgegner zum ersten Ostermarsch in Deutschland. Acht Jahre später erreichte die Bewegung ihren Höhepunkt, als 300 000 Menschen in Westdeutschland für den Frieden auf die Straße gingen. Zuletzt brachten die traditionellen Ostermärsche der Friedensbewegung nur noch wenige Leute auf die Straße.

Beim Impfstoff wird geknausert

In diesem Jahr stehen die Veranstaltungen, die im vergangenen Jahr ausfielen, nach wie vor im Schatten der Corona-Krise. Scheinbar, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund in Gießen betont. »Für Waffen sollen zusätzliche Milliarden Euro ausgegeben werden, gleichzeitig fehlt es den Schulen an der Grundausstattung. Wir sollten die Corona-Pandemie bekämpfen, statt weiter aufzurüsten und neue Kampfjets sowie Drohnen anzuschaffen«, erklärte der mittelhessische DGB-Vorsitzende Klaus Zecher am Dienstag in einem Online-Pressegespräch im Vorfeld der diesjährigen Ostermärsche. An dem Gespräch nahmen außerdem DGB-Sekretär Robin Mastronardi, Uwe Lennartz vom Friedensnetzwerk und Gerlinde Bauer für die Gruppe der Oma gegen rechts teil.

Auch in Gießen will die Friedensbewegung Flagge zeigen und hat für Samstag zwischen 11 und 16 Uhr zu einer coronagerechten Kundgebung am Katharinenplatz eingeladen, der bei friedensbewegten Gießenern Hiroshima-Platz heißt. Neben dem DGB ist das Friedensnetzwerk Gießen Veranstalter. Am Ostermontag fährt eine Gießener Abordnung zudem zur zentralen Kundgebung nach Frankfurt auf den Römerberg.

Für den DGB seien die Ostermärsche 2021 wichtig, weil die Pandemie wie unter einem Brennglas soziale Ungerechtigkeiten und falsche Prioritätensetzung deutlich mache, sagte Zecher. In der EU werde bei der Impfstoffbeschaffung geknausert, kostenlose Schnelltests seien nicht in ausreichender Zahl vorhanden, in Krankenhäusern, Schulen und Sozialeinrichtungen fehle das Geld, gleichzeitig stiegen die Rüstungsausgaben weltweit »auf Rekordniveau«, kritisierte Zecher.

Beim Impfstoff wird geknausert

So lehnten es die Gewerkschaften ab, dass Deutschland - wie in der NATO vereinbart - zwei Prozent seines Bruttosozialprodukts für Verteidigungs- bzw. Rüstungsausgaben »verschwende«. Für die Omas gegen rechts pflichtete Bauer bei: »Waffen sind nicht menschlich.«

DGB-Vorsitzender Zecher hinterfragte beim Pressegespräch außerdem die angebliche »Wertegemeinschaft«, die die NATO-Staaten bildeten. So würden im NATO-Mitgliedsland Türkei die Menschenrechte mit Füßen getreten und dem Verbündeten Saudi-Arabien Waffen für einen schmutzigen Krieg im Jemen geliefert, sagte er. Auch in Syrien gehe der Bürgerkrieg weiter. Zecher: »Das alles führt zu Flucht und Vertreibung.«

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