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Philipp Klein (l.) und Tobias Auradniczek setzen bewusst auf ein Printprodukt. FOTO: CSK

Start-up "StudyAds"

Gießener Start-up verteilt kostenlose "Collegeblöcke mit Jobportal" 

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Print lebt. Das beweist das Start-up "StudyAds". Drei Gießener haben es gegründet, um gratis einen speziellen Schreibblock an Schüler kurz vor dem Abschluss zu verteilen. Der enthält auch Infos rund um Studium und Ausbildung.

Die Zukunft besteht aus bedrucktem Papier. Zumindest steht sie für viele Schüler in Stadt und Landkreis Gießen bald auf bedrucktem Papier. Denn Philipp Klein, Tobias Auradniczek und Jan Stadermann glauben fest an eine altehrwürdige Spezies. "Print stirbt nicht aus, wenn man es sinnvoll einsetzt", sagt Auradniczek. Die drei Gießener sind nicht etwa Journalisten, sondern Gründer des Start-ups "StudyAds". Ihre Idee heißt "SchülerBlock" - und ist ein klassisches Printprodukt. Aber kann man heute noch Papier bedrucken, gratis verteilen und damit Geld verdienen?

Ja, das funktioniert, daran lassen Auradniczek und Klein keinen Zweifel. Natürlich ist ihr Geschäftsmodell in Wahrheit viel komplexer. Dreh- und Angelpunkt bleibt jedoch der Block. Anfang 2017 gründeten die drei Freunde das Unternehmen. Wenig später erschien mit dem "CampusBlock" der für Studenten gedachte Vorläufer des jetzigen Produkts. Das wiederum wurde erstmals zu Beginn des Schuljahres 2018/19 im Landkreis verteilt und hat seit dem Sommer zwei Ableger - einen in Frankfurt und einen in Braunschweig.

Klein ist Wirtschaftswissenschaftler, Auradniczek Erzieher und Stadermann macht gerade den Master in Wirtschaftsinformatik. Irgendwann kam der Geistesblitz - und dann unweigerlich das Klinkenputzen. "Viel telefonieren, viel Kuchen verteilen", fasst der 31-jährige Klein zusammen. Anzeigenkunden waren zu finden, vor allem aber Schulleiter und Lehrer zu überzeugen. Der "SchülerBlock" liegt nicht einfach irgendwo aus. Er wird den Schülern persönlich überreicht, in der Regel von den Klassenlehrern. "Drei-Fronten-Freundschaft" nennt Auradniczek das Prinzip. Hier die Pädagogen, dort die Schüler, da die Unternehmen - idealerweise müssen alle profitieren. Tatsächlich ist der Block so langlebig wie vielfältig. Oder besser: Er ist langlebig, weil er so vielfältig ist. Außer Schreibpapier und Anzeigen rund um Ausbildung und Studium enthält das Ringbuch mit Schlammbeiser-Motiv diverse weitere Komponenten. Stundenpläne sind dabei, Kalenderseiten, sogar eine Tabelle englischer irregulärer Verben nebst mathematischer Formelsammlung. Das Cover aus Priplak, einem Kunststoff, garantiert Stabilität und hochwertige Optik.

Mittlerweile habe sich die Idee rumgesprochen, sagen Auradniczek und Klein. Firmen fragten von sich aus nach anderen Produkten, Schüler nutzten den Block das gesamte Schuljahr über, und Lehrer seien meist nachhaltig überzeugt. Neulich, erzählt der 31-jährige Auradniczek, habe eine Schule 100 Exemplare übrig gehabt. Normalerweise hole er sie wieder ab. Anders in diesem Fall. Man habe ihm die Blöcke partout nicht aushändigen wollen. Zu gefragt seien sie bei den Schülern. Teenager, die sich um bedrucktes Papier mit Stellenanzeigen reißen: "Man muss die Schüler da abholen, wo sie gerade stehen", meint Auradniczek.

Schulen seien Refugien der analogen Informationsverarbeitung. Komplett ohne Digitales kommt "StudyAds", das seit gut anderthalb Jahren in der "Beta Box" im Alten Schlachthof sitzt, allerdings nicht daher. Eine Onlineplattform gibt es auch, sodass Klein behaupten kann: "Wir machen den einzigen Collegeblock mit Jobportal". Umtriebig wie sie sind, probieren die Printfans noch etliches mehr, etwa einen "Human Resources Stammtisch" mit Personalern und Azubi-Kampagnen für Unternehmen. Parallel erschließen sie neue Städte: im kommenden Jahr Jena.

Auch in Thüringen wird die Zukunft also bald auf bedrucktem Papier stehen. Dass sie für sie aus bedrucktem Papier bestehen könnte, glaubten Auradniczek, Klein und Stadermann selbst nach dem vielleicht größten Misserfolg. 2017 präsentierten die drei ihre Idee bei "StartUp&GO", einem Gießener Event für Gründungswillige. Sie machten den letzten Platz und "wurden richtig zerlegt", wie Auradniczek sich erinnert. Unlängst schilderte er anderen Jungunternehmern seine Erfolgsgeschichte in einem Vortrag - bei "StartUp&GO".

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