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#Collecting Corona

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Heimische Künstler beschäftigen sich in ihren Werken mit der Corona-Pandemie. Und gleichzeitig sind sie in ihrem eigenen Arbeiten ganz praktisch davon betroffen. Zur Unterstützung, aber auch um die künstlerische Ebene zu reflektieren, haben Kulturamt und Oberhessisches Museum eine Aktion gestartet: Sie heißt #Collecting Corona.

Was macht Corona mit unserer Gesellschaft? Wie kommen wir mit dem Abstandhalten klar? Was ist jetzt wichtig geworden? Mit solchen Fragen beschäftigen sich auch heimische Künstler. Unter dem Stichwort #Collecting Corona will das Oberhessische Museum einerseits für zukünftige Generationen dokumentieren, wie sich der Alltag der Gießener durch die Krise verändert hat. Andererseits werden künstlerische Verarbeitungen dieser Ausnahmesituation in die Sammlung aufgenommen. Fotos, Videos oder andere künstlerische Arbeiten konnten eingereicht werden.

Das Museum hat, unterstützt von der Kulturförderung aus dem Stadt-Etat und dem Kulturamt, einige der Werke aufgekauft, um sie in die Gemäldesammlung aufzunehmen. Zugleich sollen damit heimische Künstler, die wegen Corona nicht ausstellen oder wie gewohnt arbeiten konnten, unterstützt werden.

Immer wieder geht es auch um Abstand

Es wurden und werden Arbeiten vom Duo Jörg Wagner/Ingke Günther, von Daniel Horvat, Max Brück, Katja Ebert-Krüdener, Sebastian Niepoth, Katja Schöwel, Thomas Vinson, Caroline Streck, Rossi Mechaneszidis und Andreas Walther aufgekauft und in die Sammlung aufgenommen. "Sie bekommen alle eine Inventarnummer, werden fotografiert und in die Datenbank aufgenommen. Sie laufen im Bestand unter #Collecting Corona und bekommen einen festen Platz im Depot", berichtet Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch.

Eines Tages sollen die Kunstwerke auch öffentlich ausgestellt werden, doch aktuell sei es dazu noch zu früh. "Mit ein bisschen Abstand ist das leichter", meint die Museums- chefin und zeigt gemeinsam mit Museumsmitarbeiterin Linn Mertgen einige der Kunstwerke. Direkt in ihrem Büro hängt ein Gemälde von Sebastian Niepoth, das aussieht, als hätte er zwei Mundschutzmasken hochkant nebeneinander gestellt. Die geometrischen Formen in Brauntönen halten Abstand voneinander - ein in diesen Zeiten deutliches Signal. Zwei Gemälde von Katja Ebert-Krüdener hat das Museum ebenfalls erstanden. Die Künstlerin arbeitet sonst eher mit kräftigen Farben. Hier sieht man verlaufene Flächen aus wolkigem Grau, durchzogen von klaren weißen Linien auf unterschiedlichen Ebenen. Daniel Horvat von der Ateliergemeinschaft Trafo, der sonst eher abstrakt und großformatig malt, hat ein Bild mit Figuren, die zusammen und doch getrennt erscheinen, beigesteuert. Im Bestand des Museums findet sich nun auch eine großformatige Papierarbeit von Katja Schöwel, in der die Farbe Hellblau als Symbol der Außenwelt, die in Corona-Zeiten eine besondere Rolle spielt, fungiert.

Drei Papierarbeiten hat Thomas Vinson erstellt, der ansonsten eher mit Holz und anderen Werkstoffen arbeitet, aber im Corona-Lockdown durchaus das meditative Arbeiten am Schreibtisch für sich entdeckt hat. Auch Caroline Streck, die wegen Corona nicht in ihrem Frankfurter Atelier arbeiten konnte, hat das kleine Format mit Aquarellfarben auf Papier durchaus wertgeschätzt und mit klar voneinander abgegrenzten Farbflächen gestaltet.

Fotos, Gemälde und Arbeiten auf Papier

Von Jörg Wagner und Ingke Günther wurden drei Fotografien aus ihrer Serie "Kiosk" aufgenommen, in der sie solchen Verkaufsstellen an ungewöhnlichen Orten nachspüren (zu sehen auch auf ihrer Homepage "extraktnetz.de). Von Andreas Eickenroth sind die "Gießen-Corona-Strips" in den Museumsbestand übergegangen und von Rossi Mechaneszidis werden Fotografien aus seiner Serie "Alles auf Stopp" gesammelt, für die er in der Corona-Hochphase im März dieses Jahres zahlreiche Unternehmen, die vom Lockdown betroffen sind, fotografiert hat.

Fotos hat auch Max Brück beigesteuert. Doch die sind aus dem Bestand des kunsthistorischen Uni-Instituts, mit einer Zwinge übereinandergepresst und damit eigentlich nicht einsehbar. In diesen Tagen steht zudem ein Besuch im Atelier von Andreas Walther an, bei dem ein weiteres Werk für die Sammlung ausgesucht wird.

In den Bestand aufgenommen wurde auch ein von Nikolaus Koliusis gestaltetes Plakat, das an seine im Uniklinikum aufgehängten "Bitte-Danke"-Plakate erinnert. Mit dieser Kunstinstallation drückt der Stuttgarter Künstler den Beschäftigten des Uniklinikums seit der ersten Corona-Hochphase im März des Jahres seine Wertschätzung aus für ihren Einsatz zum Wohl der Patienten.

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