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Die "Milch & Zucker"-Mitarbeiter bei einem Status-Call während des "Hackathons", bei dem kreative Menschen digitale Lösungen für die Probleme der Corona-Krise erarbeiten. Foto: pm

Mit "Coco" Corona-Probleme lösen

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Gießen(jri). Um schnell gute Lösungen für die massiven Probleme der Corona-Krise zu finden, hat die Bundesregierung am vergangenen Wochenende unter dem Motto "Wir gegen das Virus" (#WirvsVirus) den bisher größten "Hackathon" in der deutschen Geschichte veranstaltet. Dies ist ein zweitägiger Problemlösungswettbewerb, an dem über 42 000 kreative und ideenreiche Menschen per Internet teilnahmen und dabei Prototypen für verschiedene zuvor identifizierte Herausforderungen entwickelten.

Freiwillig mit dabei waren 25 Mitarbeiter des Software- und Beratungshauses "Milch und Zucker" aus Gießen. Sie haben ein Wochenende lang unentgeltlich einen Prototypen für ein anwenderfreundliches Internetportal zu Corona-Finanzhilfen programmiert.

Die so entstandene digitale Plattform soll Solo-Selbstständigen, Freiberuflern, Kleinunternehmern, mittelständischen Betrieben und Großunternehmen die Möglichkeit bieten, sich in sehr kurzer Zeit individuell über passende Finanzhilfen zu informieren und diese Hilfen über die selbe Plattform zu beantragen.

Ein elektronischer Helfer namens "Coco" führt die Nutzer dabei wie ein Lotse durch das Programm. Schritt für Schritt werden Fragen beantwortet wie: Gibt es für mich Unterstützungsmöglichkeiten? Und wenn ja, welche? Wie komme ich an die Hilfe heran? An wen kann ich mich wenden? Welche Unterlagen werden benötigt, und wie lange kann der Prozess dauern?

Am Ende werden die antragstellenden Unternehmen direkt mit den Anbietern der Finanzhilfen vernetzt - egal, ob es um Kurzarbeitergeld, Bürgschaften, Überbrückungs- oder Wachstumskredite, steuerliche Erleichterungen oder weitere Geldquellen geht.

"Unser Ziel war es, ein möglichst nutzerfreundliches und einfaches Portal zu kreieren, auf dem Unternehmen die Möglichkeit haben, sich schnell über Finanzhilfen zu informieren. Viele Unternehmen geraten durch die Corona-Krise aktuell in finanzielle Schwierigkeiten. Da kommt es auf Schnelligkeit an", sagte Ingolf Teetz, CEO bei "Milch & Zucker".

Es sei beeindruckend, wie produktiv und engagiert das ganze Team auf ein gemeinsames Ziel hingearbeitet habe, ergänzte Katharina Helwig, die das Projekt mit initiierte.

Noch ist das Portal zwar ein Prototyp. Doch das Team steht in den Startlöchern. "Wenn die Bundesregierung Interesse hat, dann freuen wir uns auf die Umsetzung", sagt Teetz.

Christian Deiters, Mitarbeiter bei "Milch & Zucker", der nebenberuflich die digitale Sozialunternehmerplattform "social-startups.de" gegründet hat, war in einem der Organisationsteams des gigantischen "Hackathons" beteiligt. "Unter den rund 1500 Projekten, die bei der weltweit bisher größten Veranstaltung dieser Art eingereicht wurden, waren zum Beispiel auch ›Happy Home‹, eine Kombination aus Home-Schooling und Home-Entertainment, Nachbarschaftshilfen-Apps oder ›Klopaphere‹, eine Plattform, die Nachfrage und Angebot nach Produkten des täglichen Bedarfs transparent macht", erklärt Deiters.

Der "Hackathon" sei im Übrigen ein gutes Beispiel dafür, wie das Land und auch die Behörden durch die Corona-Krise im Bereich Digitalisierung in kurzer Zeit Fortschritte machen, für die sie sonst Monate oder Jahre gebraucht hätten, meint Deiters.

Aktuell stehen die Videos, in denen die Projektteams ihre Ideen vorstellen, für ein Voting auf YouTube bereit. Später wird noch eine Jury aus Mentoren, Mitgliedern des Organisationsteams und des Kanzleramts die Projekte nach ihrem Nutzen und der Umsetzbarkeit bewerten. Geplant ist, dass viele Projekte mit Hilfe der Regierung umgesetzt und gefördert werden sollen. Schirmherr von #WirvsVirus ist übrigens ebenfalls ein Gießener: Kanzleramtsminister Helge Braun.

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