Krimifestival

ChrisTine Urspruch: Hüterin des Tatort-Schatzes

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Im Märchen trifft der Wolf auf die sieben Geißlein. Sparkassenchef Peter Wolf hat es gleich mit einer "Saubande" zu tun – und mit ChrisTine Urspruch, die aus dem gleichnamigen Buch vorliest.

Das große "T" in ihrem Namen betrachtet ChrisTine Urspruch als ihr persönliches Ausrufezeichen, als "spielerischen Umgang mit Klein und Gro?. Recht so, denn wer die kleinwüchsige Schauspielerin nur auf ihre geringe Körpergröße reduziert, begeht einen Fehler. Und so tappen auch Sparkassenchef Peter Wolf seine Vorstandskollegin Ilona Roth beim obligatorisch-launigen "Verhör" nicht in die Falle und stellen dem Gast auf weißen Hockern sitzend Fragen zu unterschiedlichsten Themengebieten.

Dabei zeigt sich schnell, was Wolf der Presse schon im Vorfeld begeistert zugeflüstert hatte. ChrisTine Urspruch ist ein Gast, wie man ihn sich wünscht: unkompliziert und umwerfend sympathisch. Locker plaudert die Frau im blutroten Mantelkleid von ihren Anfängen in der Schauspielerei und ihrer Leidenschaft für diesen Beruf. Am Broadway aufzutreten und vor allem einmal "einen Bösen zu spielen", sei ihr Traum, verrät sie und diktiert der Presse auch gleich mit einem Augenzwinkern in den Block, dass sie gerne "international arbeiten würde." Zu wünschen wäre es der "Hüterin des Tatort-Schatzes", wie Wolf sie in Anspielung auf ihren Rollen-Spitznamen "Alberich" bezeichnet, jedenfalls.

"Verhör" im Plauderton

Urspruch erinnert die Zuhörer aber auch daran, wie wichtig es ist, schon in jungen Jahren mit Kunst, Musik und Theater in Kontakt zu kommen. Sie erzählt, wie anstrengend es sein kann, als Mutter Beruf und Kind unter einen Hut zu bekommen und dabei noch ausreichend Zeit für sich selbst zu haben. Ruhe und Erholung finde sie persönlich im Allgäu, berichtet sie. Nur mit dem geplanten Segelkurs auf dem Bodensee habe es noch nicht geklappt.

Und dann beginnt Urspruch mit ihrer Lesung und es wird mucksmäuschenstill im mit mehr als 300 Gästen gut gefüllten Saal der Tanzschule. Im Gegensatz zu den bisherigen Prominentenlesungen zum Auftakt des Krimifestivals wird es diesmal aber gar nicht "mordwörtlich" brutal, sondern fast schon zärtlich, auch wenn zu Beginn ein Mord geschieht. Doch Schweinedame Kim klärt in Arne Blums unterhaltsamem Tierkrimi "Saubande", dem Urspruch auch in der Hörbuchversion ihre Stimme leiht, den Mord an ihrem Gönner, dem Maler Munch, mit bezaubernd-rosigem Charme auf und verliebt sich auch gleich noch in den "schwarzen Wilden" Lunke, einen stattlichen Keiler aus dem nahen Wald. Urspruch schlüpft mit fein-modulierender Stimme in die unterschiedlichen Charaktere des Buchs und erweckt so nicht nur das Husumer Protestschwein Che oder das süße Miniferkel Celine zum Leben.

Nach der rund einstündigen Lesung sehe wohl mancher Schweine nun mit ganz anderen Augen, kommentiert Ilona Roth nach dem Applaus und lädt zu netten Gesprächen und Tanz ein. So mancher im Saal wird an diesem Abend wohl spontan zum vegetarischen Häppchen gegriffen haben...

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