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Blick in das neue Gebäude am Leihgesterner Weg.

Chemie hinter Glas

Viereinhalb Jahre lang wurde am Leihgesterner Weg eifrig gewerkelt. Das neue Domizil des Uni-Fachbereichs Chemie ist Gießens zweitgrößter Neubau nach dem 2011 eingeweihten Klinikum. Seit dem vergangenen September ist das Gebäude bezogen. Eine Einweihung ist allerdings noch immer nicht in Sicht.

Genau 226 Mitarbeiter des Fachbereichs Chemie der Justus-Liebig-Universität haben vor einigen Monaten einen anderen Arbeitsplatz bezogen. Ihr neues Domizil mit 13 000 Quadratmetern Hauptnutzfläche wird intensiv genutzt für Forschung und Lehre: Es gibt Forschungs-, Großgeräte- und Praktikumslabore, Hörsäle, Seminarräume, Büroräume, eine feinmechanische Werkstatt, eine Glasbläserei sowie das zentrale Chemikalienlager. Untergebracht sind in dem Gebäude auch das Dekanat des Fachbereichs Biologie und Chemie sowie das Prüfungsamt der naturwissenschaftlichen Fachbereiche.

Wie sieht's aus?

Das neue Gebäude zwischen Heinrich-Buff-Ring und Schwarzacker ist auffallend transparent; der Hörsaal steht frei daneben. Der Institutsbau hat im Inneren eine "Magistrale". Von dieser gläsernen Längsachse sind die einzelne Räume und Labore leicht erreichbar. Diese Gestaltung des Architekten Eckhard Gerber soll eine "offene Kommunikation" ermöglichen. Die Begrünung der Innenhöfe ist bereits angelaufen.

Die Kosten

Einschließlich Ersteinrichtung hat der Neubau über 130 Millionen Euro gekostet. Beim Baubeginn Anfang 2011 war der Aufwand auf 111 Millionen Euro kalkuliert worden. Damals war die Fertigstellung für den Herbst 2013 ankündigt worden. Dass es zwei Jahre länger gedauert hat und die Baukosten um 20 Millionen Euro – also um gut 15 Prozent – angewachsen sind, hat verschiedene Ursachen.

Ein Hauptproblem – das sich erst während der Bauarbeiten herausstellte – war, dass ein zweiter Kühlkreislauf installiert werden muss; um die Wärme, die an den wissenschaftlichen Geräten entsteht, aus dem Gebäude abzutransportieren. Qualitätserhöhungen in Laboren als Folge neuer Forschungsvorhaben haben ebenso Mehrkosten verursacht wie die Anbindung der Gebäudeleittechnik an eine zusätzlich geschaffene zentrale Leittechnik. Nicht vorgesehen war zunächst auch die neue Energiestation und die damit einhergehende Leitungssanierung im Abschnitt der Chemie am Heinrich-Buff-Ring.

Hinzukommen Preissteigerungen im Bausektor, die nicht im Budget veranschlagt werden konnten, sondern beantragt werden, wenn sie anfallen. Solche Probleme gebe es oft bei vergleichbaren Bauten an anderen deutschen Hochschulstandorten, merkt dazu Universitätspräsident Prof. Joybrato Mukherjee an. Verzögerung und Mehraufwand seien also "nicht ganz ungewöhnlich". Im Übrigen seien von vornherein sechs bis neun Monate zwischen Fertigstellung und Einzug für die technische Inbetriebnahme und die Einregulierung des Gebäudes einkalkuliert worden.

Die Ursprungskosten von 100 Millionen Euro waren aus dem Hochschulsonderbauprogramm "Heureka" des Landes finanziert worden. Den Zusatzaufwand von 20 Millionen Euro, die die zuständigen Landesministerien und das hessische Baumanagement genehmigt hatten, muss die Universität nun selbst tragen.

Was wird aus dem Altbau?

Was langfristig aus dem Chemie-Altbau wird, soll im Laufe dieses Jahres entschieden werden. Momentan gibt es noch umfangreiche Zwischennutzungen im Lehr- und Forschungsbereich, darunter durch die stark wachsene Insektenbiotechnologie.

Obwohl sie schon seit dem vergangenen September genutzt wird, soll die "neue" Chemie auch noch feierlich eingeweiht werden. Der Termin ist allerdings offen. "Es wird dazu eine Absprache mit den Ministerien in Wiesbaden geben", lautet dazu die Auskunft aus der JLU-Pressestelle auf Anfrage dieser Zeitung. Guido Tamme

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