Derzeit wird geprüft, ob der Prozess gegen die mutmaßlichen Köpfe von "Chemical Revolution" in der Kongresshalle stattfinden wird.
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Derzeit wird geprüft, ob der Prozess gegen die mutmaßlichen Köpfe von "Chemical Revolution" in der Kongresshalle stattfinden wird. 

Chemical Revolution

"Chemical Revolution": Prozess um Deutschlands größtem Onlinehandel für Drogen in Gießener Kongresshalle?

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Den Köpfe von "Chemical Revolution", Deutschlands größtem Onlinehandel für Drogen, wird in Gießen der Prozess gemacht. Jetzt gibt es Neues zum Verhandlungsort und zum Beginn.

Sie sollen zwischen September 2017 und Februar 2019 große Mengen an Drogen online angeboten, vertrieben und auf diese Weise mehr als eine Million Euro verdient haben. Elf Männer stehen hinter Deutschlands größtem Drogenversandhandel im Internet und im Darknet mit dem Namen "Chemical Revolution". Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt hat die Mitglieder dieser Bande bereits im Februar vor dem Landgericht Gießen wegen bandenmäßigem Drogenhandel in rund 320 Fällen angeklagt. Nach Informationen dieser Zeitung ist der 5. August als möglicher Prozessbeginn im Gespräch - wenn bis dahin das Sicherheitskonzept für den Verhandlungsort steht. Denn wegen der zahlreichen Beteiligten kann das Verfahren nicht in den Sälen des Landgerichts stattfinden. Im Gespräch ist unter anderen die Kongresshalle.

Chemical Revolution: 40 Kilo Cannabis, sechs Kilo Kokain

Der Fall ist spektakulär: Die elf Angeklagten sollen laut Anklageschrift im Tatzeitraum mit über 40 Kilo Cannabis, über 130 Kilo Amphetamin, sechs Kilo Kokain, ein Kilo Heroin, 17 Kilo Ecstasy und neuen psychoaktiven Stoffen gehandelt haben - in unterschiedlicher Beteiligung. Die Ware transportierten Kurierfahrer von den Niederlanden aus in sogenannte Bunker in Deutschland - darunter auch in eine Wohnung in Ortenberg in der Wetterau. Die Drogen wurden dann zum Teil per Post verschickt. Weil in dem Fall die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt und die Wetterau zum Zuständigkeitsbereich des hiesigen Landgerichts gehört, war Gießen als Verhandlungsort eine logische Wahl.

In Gießen: Urteil zu Chemical Revolution könnte für Folgeprozesse wichtig werden

Elf Angeklagte, in der Regel mit zwei Anwälten, mehrere Gutachter, ausreichend Wachtmeister, Dolmetscher, fast 50 Zeugen und die Mitglieder der Neunten Strafkammer unter dem Vorsitz von Dr. Klaus Bergmann: Landgerichtssprecher Dr. Alexander Schmitt-Kästner betont auf Anfrage dieser Zeitung, dass für eine solche Anzahl an Verfahrensbeteiligten die Räumlichkeiten am Landgericht nicht ausreichten. Den Termin am 5. August sowie die Kongresshalle als Veranstaltungsort will er "weder bestätigen, noch dementieren". Erst am Freitag hatten die Richter jedoch zusammen mit Sicherheitskräften einen Vor-Ort-Termin. Nun, sagt Schmitt-Kästner gegenüber dieser Zeitung, müsse zuerst ein Sicherheitskonzept erarbeitet werden.

Ein wichtiger Punkt für die Notwendigkeit eines solchen Konzepts ist die Überwachung der Angeklagten: Kommt es im Landgericht zu einer Verhandlungspause, können diese in der Zwischenzeit im Haus gesichert werden. Für die Kongresshalle müssten andere Lösungen her. Solange solche Fragen nicht geklärt sind, seien auch die geplanten Termine "nicht in Stein gemeißelt", betont Schmitt-Kästner.

In Gießen: Abtrennung des Verfahrens möglich

Weil viele der 320 Anklagepunkte unter anderem in Hamburg verortet sind, ist auch eine Abtrennung des Verfahrens möglich. Dann müssten sich vor der Neunten Strafkammer des Landgerichts wohl noch sieben Angeklagte verantworten. Trotzdem bliebe es aufgrund der Vielzahl an Prozessbeteiligten beim Wechsel des Verhandlungsorts innerhalb Gießens.

Der Prozess am Landgericht ist deshalb so bedeutsam, weil die mutmaßlichen Köpfe von "Chemical Revolution" zusammen angeklagt werden. Mögliche Folgeverfahren werden auf dem Gießener Urteil aufbauen. Sollte der Prozess im August beginnen können, könnte dieses im November erwartet werden.

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