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Flocky ist alt, blind, taub - und sucht ein neues Zuhause. FOTO: SCHEPP

Tiere versorgen

Chance für Hundesenior Flocky

Die steigende Zahl an alten, kranken oder verängstigten Hunden und Katzen stellt für das Tierheim eine enorme Belastung dar. Es sucht daher immer "echte" Tierfreunde.

Flocky ist klein, lockig, putzig und sucht ein neues Zuhause. Es gibt jedoch einen Haken - oder eher mehrere: Der Rüde ist alt, fast blind und taub. Sein Herz schlägt viel zu hektisch, so dass er auf Kreislaufmedikamente angewiesen ist, und stubenrein ist er auch nicht. Zudem ist er nachts manchmal etwas unruhig, da er unter Ataxie, einer neuronalen Bewegungsstörung, leidet. "Man merkt ihm einfach an, dass die vielen Jahre, die er auf dem Buckel hat, nicht besonders gut waren", sagt Hannah Wern, Tierpflegerin im Tierheim. Währenddessen tippelt Flocky in seinem Körbchen umher und erkundet vorsichtig das Zimmer, das noch ganz neu für ihn ist. Einmal läuft er aus Versehen gegen den Schreibtisch, doch insgesamt kommt er erstaunlich gut zurecht, scheint neugierig - trotz seiner schlimmen Vergangenheit. Denn Flocky stammt aus einem Animal-Hoarding-Fall, war völlig verwahrlost und in einer schlechten Verfassung.

"Bei all den Dingen, die bei Flocky zusammenkommen, gleicht die Suche nach einem neuen Halter natürlich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen", weiß Astrid Paparone, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. "Wir suchen einen wahren Tierfreund, der Flocky im Alter eine schöne Zeit ermöglicht. Der Kleine braucht eigentlich einfach nur einen Platz, wo er sein darf", betont sie. Denn Flocky braucht keine langen Spaziergänge, sondern nur ein möglichst ebenerdiges, ruhiges Zuhause, wo er nicht so viel alleine ist und vielleicht einen kleinen, eingezäunten Gartenbereich, den er erkunden kann. Abschreckend dürfte vor allem Flockys Inkontinenz sein - ein Problem, über dessen Auswirkungen sich potenzielle Interessenten auf jeden Fall vorab Gedanken machen sollten. Ein Fliesenboden und Windeln könnten zum Beispiel eine Lösung sein. Ansonsten ist Flocky sehr ruhig und schläft viel. Junge, aufgedrehte Hunde, Katzen oder kleine Kinder würden für ihn zu viel Stress bedeuten, denn aufgrund seiner Behinderung erschrickt er sehr leicht.

Flocky ist sicherlich ein Extrem-, aber kein Einzelfall. Mehr als 20 alte, kranke oder extrem verängstigte Hunde und Katzen leben aktuell im Tierheim und suchen nach Tierfreunden, die sich ihrer annehmen. Da ist etwa Mira, die Labrador-Mischlingshündin, die zwar erst 2016 geboren wurde, aber mit einem enormen Übergewicht von 51,1 Kilo bei 69 Zentimeter Stockmaß im Juli ins Tierheim kam und nun mit den gesundheitlichen Folgen an Rücken und Hüfte zu kämpfen hat. Oder Sunny, eine 14-jährige Europäische Kurzhaarkatze. die unter einer beginnenden Niereninsuffizienz leidet, und gemeinsam mit ihrem drei Jahre alten Kumpel Tabby ein Zuhause sucht. Insgesamt steige die Zahl der alten, kranken oder extrem verängstigen Hunde und Katzen, meint Paparone. Für das Tierheim sei das eine enorme Belastung - sowohl finanziell als auch personell.

Erfolgreiche Vermittlungen wie die von Husky-Mischling Ash, die im Frühjahr aufgrund eines Artikels in dieser Zeitung zustande kam, sind für das Tierheim daher wahre Glücksfälle - und in aller Regel auch für die Tiere sowie ihre neuen Besitzer. Dies belegt nicht nur das Beispiel von Ash, der gemeinsam mit seiner neuen Halterin in Pohlheim lebt, sondern auch die Berufserfahrung der Tierheim-Mitarbeiter. "Die Entscheidung für ein altes oder krankes Tier ist immer eine sehr bewusste, denn der Abschied ist natürlich sehr schmerzhaft. Aber dafür kann man den Tieren so unglaublich viel geben", betont Paparone. Dies kann Wern auch aus eigener Erfahrung bestätigen: "Es ist eine total erfüllende Zeit und es entsteht oftmals eine sehr intensive Verbindung."

Vielleicht finden sich ja auch Tierfreunde, die Flocky oder einem seiner Leidensgenossen ein neues Zuhause schenken - es entspräche nicht nur dem Geist der Weihnacht, sondern zahlt sich am Ende auch doppelt aus.

Info: Für das Tierheim spenden

Wer kein Tier aufnehmen kann, aber trotzdem helfen möchte, der sollte möglichst eine regelmäßige Form der Unterstützung wählen, da das Tierheim in der Planung auf kalkulierbare Einnahmen angewiesen ist. Zudem wünscht sich das Tierheim neue Mitglieder (ab 40 Euro jährlich). Besonders nett ist die Möglichkeit, eine Patenschaft zu übernehmen. Dies geht ab einem Betrag von fünf Euro monatlich und lässt sich hübsch verpackt zu Weihnachten verschenken. Kontakt: Vixröder Straße 16, Tel: 0641 - 52251

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