"Chance 2019"

"Chance 2019" Messe lockt Tausende Besucher in Gießen

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An 210 Ständen können sich Interessierte noch bis zum Montag in den Hessenhallen über Beruf und Karriere informieren. Viele Aussteller suchen Bewerber.

Delia Stünitz lernt ein Handwerk, aber außerdem auch eine Kunst. Die 20-Jährige ist im zweiten Lehrjahr zur Glasveredlerin an der Staatlichen Glasfachschule Hadamar. Am Sonntag zeigt sie den Besuchern in Halle 4 der Hessenhallen bei der "Chance 2019", was ihre Tätigkeit ausmacht. Mit Spezialstift und Geodreieck malt sie altdeutsche Schriftzüge auf Glas, ringsherum liegen Heiligenbilder, wie man sie aus Kirchenfenstern kennt. "Die handwerklichen und die künstlerischen Anteile sind ausgeglichen", erklärt Stünitz, "und man kann in sehr viele Bereiche reingucken."

Die Glasfachschule unterhält einen von 210 Ständen bei der zwölften Auflage der Messe für Beruf und Karriere. Tausende Besucher nutzen bereits am ersten von zwei Messetagen ihre Chance, sich über die Trends rund um Bildung, Weiterbildung und Berufseinstieg zu informieren. Großer Beliebtheit erfreut sich wieder die Straße der Metall- und Elektroberufe. Auch die Aussteller zum Thema Studium haben jede Menge zu tun.

Handwerker suchen Bewerber

Während Hochschulen leicht Gehör finden, werben etliche Handwerksbetriebe vergeblich um mehr Nachwuchs. Beispiel Schäfers Backstuben: Im Prinzip sei die Resonanz "ganz positiv", sagt Annabell Limbacher. Allzu viele Bewerbungen gingen aber nicht ein. Jeweils 15 Azubis suche die Firma derzeit für Produktion und Verkauf. Warum sich kaum Interessenten melden? Vielleicht sei "das schlechte Image" der Branche Schuld, vermutet Limbacher.

Bei der Kai Laumann GmbH klingen die Erklärungen anders – das Ergebnis ist gleich. Auf Ausbildungsplätze als Dachdecker oder Zimmermann erhalte man "nicht sehr viele Bewerbungen", berichtet Jannett Parma. Sechs Azubis würde der Betrieb gern nehmen. Mindestens. Dass sie gebraucht werden, steht für Parma außer Frage: "Es gibt keine Fließbänder, die Dächer oder Häuser bauen." Das machen Fachkräfte wie Lukas Rawer. "Wir sind bei Wind und Wetter draußen", schwärmt der 18-jährige angehende Dachdecker, "und ein bisschen Nervenkitzel ist auch dabei." Wind und Wetter, körperlich schwere Arbeit in luftiger Höhe: Was für den einen den Reiz ausmacht, schreckt den anderen eher ab.

Kraft und warme Kleidung sind am Laparoskopie-Simulator des Gesundheitszentrums Wetterau weniger gefragt. An dem Gerät können Besucher mit medizinischem Besteck Fäden durch Ösen ziehen, ähnlich wie Ärzte in der Ausbildung. Die Bauchdecke simuliert ein halbierter Plastikmülleimer. Nebenan, bei der Theodor-Litt-Schule, geht es um Mechatronik. Als Kombination aus Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik ist sie nicht nur zukunftsträchtig, sondern auch beliebt, weiß Lehrer Andreas Brüll.

Gleiches gilt für medizinische Berufe. So freut sich das Evangelische Krankenhaus über regen Zuspruch. Sein Stand ist aufgeteilt in OP, Anästhesie und Notaufnahme. Echte Feinarbeit und festeres Anpacken liegen hier ganz nah beisammen. Auf der einen Seite werden an Hähnchenbrüsten diverse Schnitt- und Nähübungen gemacht, auf der anderen liegt ein Notfallpatient aus Plastik auf dem Tresen. Um ihn zu reanimieren, sollte der Retter die Herzdruckmassage zielgenau und nicht zu fest ausführen. Etwas drücken müsse er aber schon, erfährt ein Besucher, der allzu vorsichtig mit der Puppe umgeht.

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