khn_bouffier_100621_4c
+
Frederik Bouffier sagt, er sei Gießener durch und durch: »Die Stadt ist schön.«

Gießener Oberbürgermeisterwahl

OB-Kandidat Frederik Bouffier (CDU) im Porträt: „Wir diskutieren viel in der Familie“

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
    schließen

Mit Frederik Bouffier will die CDU ein junges Gesicht mit einem bekannten Namen ins Rennen um das Amt des Gießener Stadtoberhaupts schicken. Dass der 30-Jährige dabei mehr zu verlieren als zu gewinnen hat, glaubt er nicht. Bouffier sagt, es sei eine Ehre, als Kandidat vorgeschlagen worden zu sein. Gießen sei für ihn eine Herzensangelegenheit.

Gießen – Manchmal versuchen Journalisten, mit zugegebenermaßen konstruierten Vergleichen einen Gesprächspartner aus der Reserve zu locken. So gibt es ein Foto von Frederik Bouffier, das ihn in England vor einem Fanshop des Fußballvereins Nottingham Forest zeigt. Das Team spielt zweitklassig, seine großen Erfolge sind Vergangenheit. Und Nottingham gewann öfter den Europapokal der Landesmeister als die heimische Meisterschaft. »Herr Bouffier, ist das nicht ein schlechtes Omen für Ihre Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl in Ihrer Heimatstadt am 26. September?« Der 30 Jahre alte Christdemokrat lacht. Es ist ein herzliches Lachen. »Gießen ist meine Herzensstadt«, kontert er. Es sei eine Ehre, dass seine Partei ihn als Kandidaten vorgeschlagen habe. Es gilt als sicher, dass er bei Mitgliederversammlungen in diesem Monat bestätigt wird.

Mittwochmittag in der Innenstadt. Nach bleiernen, kalten Pandemiemonaten ist das Leben zurückgekehrt. Der Wochenmarkt ist gut besucht, im Türmchen sind einige Tische besetzt. Frederik Bouffier kommt auf die Minute genau zum Treffpunkt. Gerne wäre er für das Gespräch in den Botanischen Garten gegangen. Er genießt es, dort abzuschalten. Aber das Kleinod mitten in der Stadt ist noch geschlossen.

OB-Wahl in Gießen: Frederik Bouffier folgt der Familientradition

Frederik Bouffier ist der ältere von zwei Söhnen des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Ob ihn dieser Umstand nicht abgeschreckt habe, in die Politik zu gehen? Er schüttelt den Kopf. »Natürlich habe ich dadurch viele Einblicke in die Politik erhalten«, sagt er, »aber eben auch viele positive.« So habe er erlebt, was man alles erreichen kann. »Gerade auf kommunalpolitischer Ebene kann man direkt gestalten und sehen, wie sich etwas entwickelt.« Auch der Kontakt zu den Menschen vor Ort mache Kommunalpolitik so spannend.

Die Bouffiers sind eine politische Familie. Frederik Bouffiers Urgroßvater hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Gießener CDU mitgegründet. Sein Vater: erst Innenminister, nun Ministerpräsident. Bruder Volker sitzt mit Frederik Bouffier gemeinsam im Stadtparlament. »Wir diskutieren viel in der Familie«, sagt der designierte OB-Kandidat. Lag sein Fokus zuerst auf dem Fußball, trat er mit 17 Jahren in die Junge Union ein, ein halbes Jahr später in die CDU. In der Jugendorganisation habe sein Nachname keine Rolle gespielt. »Es geht dort darum, mitzumachen und etwas gemeinsam umzusetzen.« Es habe ihn gereizt, dass dort jeder - ob Neuling oder vergleichsweise alter Hase - Vorschläge machen könne. Und: »Ich habe dort viele Freunde gefunden.«

Frederik Bouffier sagt, der Sport habe ihn geprägt. Zuerst spielte er bei der für ihre gute Nachwuchsarbeit bekannte TSG Wieseck. Später kickte er in der Verbandsliga für die SG Birklar. Es sei ihm vor allem um die Freude am Sport gegangen. Der Leistungsgedanke sei im Team entstanden. »Es geht darum, seine Mitspieler nicht im Stich zu lassen.« Dementsprechend habe er Erfolge gefeiert und Niederlagen verarbeitet - aber immer gemeinsam. Auch unterstreicht Frederik Bouffier die Integrationskraft von Vereinen. »Es ist egal, woher du stammst oder aus welchem Elternhaus du kommst. Was zählt, ist die Mannschaft.«

OB-Wahl: „Jeder, der hier lebt, soll Gießen als Heimat empfinden“

Er sei Gießener durch und durch, sagt Frederik Bouffier: Hier ging er in den Kindergarten, in die Grundschule und machte an der Liebigschule sein Abitur. Dann studierte er an der Justus-Liebig-Universität Jura; ein Jahr verbrachte er über das Austauschprogramm Erasmus in Nottingham. Heute arbeitet er als Anwalt für Verwaltungs- und Arbeitsrecht in der Kanzlei Bouffier & Wolf.

Frederik Bouffier ist ein aktiver Gesprächspartner. Er lässt sich nicht nur befragen, er fragt selbst. So weiß er zum Beispiel, dass viele, die nach Gießen kommen, sich oft erst auf den zweiten Blick in die Stadt verlieben. »Ich möchte, dass jeder, der hier lebt, Gießen als Heimat empfindet«, sagt er. Gleichzeitig wünscht er sich, dass die Stadt ihre Stärken zum Beispiel als hochkarätiger Forschungsstandort oder als Wirtschaftszentrum besser herausstellt.

OB-Wahl in Gießen: Bouffier glaubt an seine Chance

Es ist ja nicht so, dass die OB-Wahl für die CDU in Gießen ein Spaziergang wäre. Auch hat Frederik Bouffier mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Frank-Tilo Becher und Alexander Wright von den grünen Kommunalwahlgewinnern starke Mitbewerber. Ob da die Fallhöhe für ihn nicht eine tiefe sei? Frederik Bouffier erwähnt zunächst den OB-Kandidaten der Satirepartei Die PARTEI, Marco Rasch. Dann sagt er: »Natürlich ist das eine Herausforderung, aber der stelle ich mich gerne.« Er glaube an seine Chance. Auch weil er den Wählerinnen und Wählern ein Angebot unterbreiten wolle, das sich von den anderen Kandidaten unterscheide.

Frederik Bouffier sagt, er sei ein Familienmensch. Natürlich habe er sich dort, aber auch bei engen Freunden außerhalb der Politik Rat geholt, ob er kandieren soll. »Am Ende entscheidet man selbst«, sagt er, »aber alle haben mich in meiner Entscheidung bestärkt.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare