Die Justus-Liebig-Universität bietet den Erstsemestern eine virtuelle Führung über den Campus an. In ein Gespräch mit den neuen Kommilitonen kommen sie während der Führung aber nicht. FOTO: SCHEPP
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Die Justus-Liebig-Universität bietet den Erstsemestern eine virtuelle Führung über den Campus an. In ein Gespräch mit den neuen Kommilitonen kommen sie während der Führung aber nicht. FOTO: SCHEPP

Campus mit der Maus

  • vonSebastian Schmidt
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Die Einführungswoche an der Justus-Liebig-Universität ist digital. Ob Info-Veranstaltung oder Campusführung, die Studierenden sind per Computer dabei. Nur das gemeinsame Feiern mit Kommilitonen könnte schwierig werden.

Die neuen Erstsemester der Justus-Liebig-Universität (JLU) müssen doch nicht auf ihre Einführungsveranstaltungen verzichten. Trotz Corona. Die JLU bietet digitalen Ersatz. Den "Gießen-Führerschein", ein Bier und einen Schnaps in jeder Kneipe der Ludwigsstraße, werden dieses Wintersemester aber wahrscheinlich nur die wenigsten ablegen. Denn das Feiern mit den Kommilitonen soll auch vor dem Bildschirm stattfinden.

Um 10 Uhr beginnt Frank Uhlmann von der zentralen Studienberatung die Eröffnungsveranstaltung der Rechtswissenschaften. 370 Teilnehmer sind in der Videokonferenz. "Das ist super", sagt Uhlmann. 400 Studienplätze gebe es dieses Wintersemester. Er möchte aber noch ein paar Minuten warten, falls Nachzügler dazukommen. Im Hörsaal wäre das für die Studienanfänger eine ideale Gelegenheit, mit den Sitznachbarn zu plaudern und sich kennenzulernen. Im Chat der Videokonferenz bleibt es hingegen still.

Kein Plaudern im Video-Chat

So eine Veranstaltung über das Internet zu machen, sei keine Selbstverständlichkeit, sagt Uhlmann. Es freut ihn, dass die Erstsemester in der Konferenz diese Hürde gemeistert haben.

Nicht nur die Eröffnungswoche, sondern das ganze Wintersemester wird zu großen Teilen digital stattfinden. Für die Studierenden soll das aber keine Verschlechterung des Studiums bedeuten. Uhlmann sagt: "Wir sehen, dass viele Dinge auch mit Corona gehen." Es gebe für die angehenden Juristen "denselben Stundenplan, dieselben Lehrveranstaltungen und dieselben Prüfungen" wie vor Corona.

Uhlmann weist die Studierenden an ihrem ersten Tag aber auch auf Gefahren hin. "Digitale Formate laden dazu ein, sich zu verstecken." Er erklärt, dass das Semester viele Freiheiten bieten wird. Das bedeute aber, dass die Studierenden viel Engagement und Eigenverantwortung zeigen sollten. "Sie müssen sich sichtbar machen", betont er. Die meisten Studierenden haben ihre Kameras in der Konferenz ausgeschaltet.

Die JLU bietet den Erstsemestern auf der Seite "justus.digital" Informationen rund um den Studienbeginn an. Dazu gehören Verweise auf die Fachbereiche, der Übersichtsplan zu den Einführungsveranstaltungen, aber auch eine digitale Campusführung. Auf einer Karte sehen die digitalen Besucher die einzelnen Standorte der JLU. Ein Klick, zum Beispiel auf "Campus Kultur- und Geisteswissenschaften", startet eine 360-Grad-Umsicht. Die Besucher sehen ein Kunstwerk - ein Mann in einem Turm - das Studentenwerk und die Mensa mit den vielen Holzbänken und Tischen im Vordergrund. Auf dem Weg zur Mensa steht eine Studentin im Bild und lädt dazu ein, ein Info-Video zu starten.

Was bei der digitalen Campusführung fehlt, ist das Soziale. Die Besucher der Seite sitzen alleine vor dem PC. Auch das Plaudern mit den Kommilitonen zwischen den Veranstaltungen gestaltet sich über das Internet schwierig. Deswegen werde in der Einführungswoche besonderer Wert auf den Austausch der Erstsemester untereinander gelegt, sagt Uhlmann. Die Studierenden werden auch im Corona-Semester in Gruppen aufgeteilt und bekommen einen Mentor zur Seite gestellt. Das sind Studierende aus höheren Semestern. "Die haben auch ein Semester unter Corona hinter sich und können euch sagen, was geht und was nicht." Uhlmann hofft, dass die Studierenden sich in diesen Gruppen kennenlernen und Kontakte knüpfen. "In den Einführungswochen entstehen Freundschaften, die das ganze Studium lang halten", sagt er.

Uhlmann erklärt auch, was alles in dieser Woche nicht stattfinden wird: keine Bibliotheksführung, kein gemeinsames Essen in der Mensa und natürlich kein gemeinsames Feiern. Uhlmann hofft aber, dass das Feiern nicht ganz ausfällt und ist gespannt, was die Mentoren erzählen werden: "Wie gut geht Bier trinken digital am Bildschirm?"

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