Bundesweit richtungsweisend

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"So essenziell wie für die Geisteswissenschaftler eine Bibliothek": So umschreibt Prof. Joybrato Mukherjee die Bedeutung der Pflanzenforschungsanlage, deren Bau am Montag begonnen hat. Am Heinrich-Buff-Ring vollzog der Präsident der Justus-Liebig-Universität den symbolischen Spatenstich gemeinsam mit Vertretern des Landes, der Stadt und der künftigen Nutzer. Der Bau soll einschließlich Geräten gut 5,8 Millionen Euro kosten und ab Ende 2018 bezogen werden. Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2019 vorgesehen.

"So essenziell wie für die Geisteswissenschaftler eine Bibliothek": So umschreibt Prof. Joybrato Mukherjee die Bedeutung der Pflanzenforschungsanlage, deren Bau am Montag begonnen hat. Am Heinrich-Buff-Ring vollzog der Präsident der Justus-Liebig-Universität den symbolischen Spatenstich gemeinsam mit Vertretern des Landes, der Stadt und der künftigen Nutzer. Der Bau soll einschließlich Geräten gut 5,8 Millionen Euro kosten und ab Ende 2018 bezogen werden. Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2019 vorgesehen.

Bisher sind die Gewächshäuser der beiden Fachbereiche Biologie und Chemie sowie Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement an mehreren Standorten verteilt. Die am Philosophikum mussten Neubauten weichen, die hinter dem Zeughaus sind veraltet, teilweise baufällig und nicht mehr klimatisierbar. Das nun entstehende hochmoderne Gebäude auf dem Lebenswissenschaften-Campus schaffe beste Bedingungen für Pflanzenforschung und Insektenbiotechnologie, erläuterte Mukherjee.

"Hier entsteht etwas Richtungsweisendes", unterstrich Agrar-Dekan Prof. Karl-Heinz Kogel. Es gehe um die Entwicklung etwa von neuen Antibiotika, Baumaterialien oder Stoffen, die Erdöl ersetzen können. Auch die Lehre profitiert. Allein die Biologen brauchen für die Ausbildung ihrer Studierenden jährlich 75 000 Pflanzen, schilderte Dekan Prof. Richard Göttlich. Unter anderem erhalten das Loewe-Zentrum für Insektenbiotechnologie und Bioressourcen sowie die darin verankerte Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen eine neue Infrastruktur.

Von Antibiotika bis Baumaterial

Die Anlage mit rund 920 Quadratmetern Hauptnutzfläche besteht aus zwei Gewächshausstrakten und einen eingeschossigen Mittelbau. Kleinräumige Einzelgewächshauszellen ermöglichen eine flexible Nutzung mit individuellen Verschattungs- und Lüftungsmöglichkeiten. In einer sogenannten "Open-top-Anlage" können die Pflanzen zeitlich begrenzt Freilandbedingungen ausgesetzt werden. Der verbindende Bauteil beherbergt unter anderem ein Labor und einen Drescherraum für Getreide.

Angezogen werden Pflanzen für Forschungs- und Lehrzwecke in der Entwicklungsbiologie, der Pflanzenphysiologie und der Pflanzenökologie. Außerdem werden Insekten wie die Schwarze Bohnenlaus, die Erbsenlaus und der Asiatische Marienkäfer sowie hochpathogene Pflanzenschadpilze wie Fusarien dort gehalten, zudem Lebensformen wie nützliche Mykorrhizapilze.

Der Bau wird zum Großteil über das HEUREKA-Investitionsprogramm des Landes Hessen finanziert. Die Universität selbst beteiligt sich mit 550 000 Euro. "Beeindruckt" zeigte sich Dr. Martin Worms, neuer Staatssekretär im hessischen Finanzministerium, von der baulichen Entwicklung der Universität und der ganzen Stadt Gießen. Das Gewächshaus sei ein "bundesweites Leuchtturmprojekt" und Baustein einer "positiven Verdichtung" auf den Hochschulgeländen, die auch für mehr Kommunikation sorge. Es werde eine "anspruchsvolle Aufgabe", den schon in der Planungsphase gestiegenen Kostenrahmen einzuhalten. Dazu sagte Hartmut Jegodzinski, Niederlassungsleiter des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen: "Es wird immer schwieriger, geeignete Firmen zu akzeptablen Preisen zu gewinnen.

" "Hier werden nicht nur Pflanzen wachsen, sondern auch Erkenntnisse, die unser Leben besser machen können", meinte OB Dietlind Grabe-Bolz. Auf diesem Gebiet, das für die Ernährung der Menschheit grundlegend sei, sei die Universität Gießen eine "international vernehmbare Stimme". Für die Stadt sei die Hochschule ohnehin eine "Lebensader". Irene Bauerfeind-Roßmann, Abteilungsleiterin aus dem Wissenschaftsministerium, hob hervor, dass aus dem HEUREKA-Programm bereits 40 Vorhaben der JLU gefördert wurden. Bis 2026 kämen voraussichtlich weitere acht hinzu.

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