Trotz Homeoffice-Trend: Die 108 Büroarbeitsplätze an der Ostanlage werden von der Stadt benötigt.
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Trotz Homeoffice-Trend: Die 108 Büroarbeitsplätze an der Ostanlage werden von der Stadt benötigt.

Bürgerkontakt statt Homeoffice

  • Burkhard Möller
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Gießen(mö). Die Heimarbeit von Verwaltungsmitarbeitern bleibt für den Magistrat der Stadt Gießen eine Notlösung in der Corona-Pandemie. "Das Homeoffice kann den Präsenzarbeitsplatz nicht ersetzen", stellte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz am Montagabend in der Sitzung des Corona-Sonderausschusses klar. "Eine bürgernahe Verwaltung kommt ohne persönliche Beratung nicht aus", fügte die SPD-Politikerin in der Bürgerfragestunde hinzu.

Aus den Reihen der Klimaschutzinitaitive Gießen 2035Null war die Rathauschefin unter anderem gefragt worden, ob eine verstärkte Nutzung des Homeoffice aus Gründen des Umweltschutzes und der Kosten nicht sinnvoll wäre. In der Heimarbeit werde "auch ein Ansatz gesehen, den Pendelverkehr zu reduzieren, die damit einhergehenden Belastungen für die Innenstädte zu verringern und einen relevanten Beitragh zum Klimaschutz zu leisten", erklärte Fragesteller Lutz Hiestermann in seinen Vorbemerkungen. Hiestermann stellte auch die Frage in den Raum, ob angesichts des Potenzials der Heimarbeit die Anmietung des geplanten Büroneubaus auf dem früheren Blecher-Gelände für über 1,3 Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr (Miete und laufender Betrieb) zu rechtfertigen sei.

Aus Sicht von Grabe-Bolz stellt sich diese Frage nicht, weil die Stadt auf eine persönlich präsente Verwaltung setze. "Wir haben uns auch auf dem Höhepunkt der Pandemie nicht in der Homeoffice-Burg versteckt und waren im Rathaus präsent, wo es zu rechtfertigen war", betonte Grabe-Bolz und bekräftigte: "Wir wollen für die Bürger direkt da sein und nicht nur am Telefon oder im Internet."

Hinzu komme, dass die Stadt als Arbeitgeberin Mitarbeiter nicht zur Heimarbeit zwingen und auch nicht die Kosten auf die Beschäftigten abwälzen könne. "Der Arbeitgeber muss die Nebenkosten, die durch die Arbeit zu Hause entstehen, übernehmen", erläuterte die OB.

Die aktuelle Zahl der Mitarbeiter im Rathaus gab sie mit 588 an, die sich 411 Büros teilten. Weitere 15 Neueinstellungen würden derzeit vorbereitet. Vor zehn Jahren seien es noch 420 Beschäftigte gewesen, die die neue Verwaltung bezogen hätten.

Wie mehrfach berichtet, will die Stadt den Neubau an der Ecke Ostanlage/Moltkestraße komplett belegen. In dem Gebäude sollen 108 Büroarbeitsplätze entstehen. Hauptnutzer wird voraussichtlich das Jugendamt sein.

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