Philipp Kohlhöfer ist gebürtiger Gießener. Immer wieder verschlägt es ihn in seine alte Heimat.
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Philipp Kohlhöfer ist gebürtiger Gießener. Immer wieder verschlägt es ihn in seine alte Heimat.

Pandemie und Popkultur

Gießener schreibt Buch über Corona, Drosten und Darth Vader: „Verlag nennt das Wissenschaftspunk“

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Popkultur trifft Wissenschaft: Der gebürtige Gießener Philipp Kohlhöfer hat ein Buch über Seuchen, Viren und Pandemien geschrieben. Aber irgendwie auch über Mike Tyson und Superhelden.

Gießen – Versprochen ist versprochen: Philipp Kohlhöfer hatte seiner Tochter einen Deal vorgeschlagen: Wenn sie auf die Böllerei an Silvester 2019/20 verzichtet, fährt er mit ihr im Frühjahr in eine Stadt ihrer Wahl. Doch als der Trip ansteht, sind die Nachrichten voll von diesem Virus, das zum ersten Mal in China aufgetreten ist. Zwei Tage, bevor sie wieder aus Paris abreisen, beginnt europaweit der Lockdown.

»Es hatte etwas Endzeitmäßiges, Dystopisches, als wir mit dem Zug rausgefahren sind«, sagt Kohlhöfer. Es klingt nach einem The-Walking-Dead-Gefühl, Zombieapokalypse, aber immerhin im Schnellzug auf Gleisen. Eineinhalb Jahre später beherrscht die Pandemie noch immer den Alltag. Kohlhöfer hat die Zeit genutzt und ein hochaktuelles Buch geschrieben: »Pandemien - Wie Viren die Welt verändern«. Es erscheint am Mittwoch (27.10.21) im Fischer Verlag.

Gebürtiger Gießener schreibt ein Wissenschaftspunk-Buch: Corona-Pandemie und Popkultur

Es sei mehr Roman als Sachbuch, erzählt Kohlhöfer bei einem Cappuccino in einem Gießener Café. »Der Verlag nennt das Wissenschaftspunk.« Weil Kohlhöfer Pandemie mit Popkultur verbindet - und damit Wissenschaft für eine große Zielgruppe erlebbar macht.

Kohlhöfer, Jahrgang 1973, lebt seit über 20 Jahren in Hamburg: 1998 zog er aus Mittelhessen fort. An seine Jugend in Gießen hat er gute Erinnerungen. Vor allem an die Amerikaner, ihre Kultur, ihre Musik. Beim Gedanken an den legendären Woodlandclub bekommt Kohlhöfer leuchtende Augen. »Als sie abzogen, fehlte etwas.«

»Pandemien - Wie Viren die Welt verändern« von einem Gießener geschrieben – Vorwort von Virologe Christian Drosten

»Eigentlich wollte ich nur schreiben und geile Geschichten erzählen«, sagt Kohlhöfer. Unter anderem hat er in jungen Jahren ein Praktikum bei dieser Zeitung gemacht. Aus dem hat er vor allem mitgenommen, dass das Redigieren von Polizeimeldungen nicht seine größte Leidenschaft werden dürfte. Aber das Schreiben bleibt, auch als er nach Hamburg zieht: Er arbeitet während seines Politikstudiums beim NDR in der Sportredaktion, später beim Lifestylemagazin »Blond«. Eine gute Zeit, aber nach einem Jahr ist es Kohlhöfer leid, über Turnschuhe zu schreiben. Er habe dann die Redaktion des Reportagemagazins »Geo« so lange »belästigt«, bis er einen ersten Auftrag erhalten habe - und dann dort blieb. Bereits zu dieser Zeit kommt er in Kontakt mit Themen rund um Viren, Seuchen und Impfstoffe.

Das Vorwort für sein Buch hat Christian Drosten geschrieben. Das ist kein Zufall, denn Kohlhöfer und der Virologe kennen sich seit vielen Jahren privat. Zu Beginn der Pandemie, erzählt Kohlhöfer, habe er mit Drosten immer wieder telefoniert, den Fachmann mit Fragen gelöchert. Eigentlich wollten sie das Buch zusammen schreiben. Aber Kohlhöfer erzählt lakonisch, Drosten habe aus nachvollziehbaren Gründen keine Zeit gehabt. Dafür ist Drosten eine der Hauptfiguren des Buchs geworden - neben 14 weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Wenn Wissenschaft auf Popkultur trifft: Ein Buch über Viren und Superhelden

Es geht in »Pandemien - Wie Viren die Welt verändern« also vor allem um Menschen - und wie sie mit Viren und Seuchen umgehen. Andere Protagonisten sind Ebola, die Pocken, die Masern und das Nepah-Virus (»Wenn es da zu einer Pandemie kommt, bleibt man am besten ein halbes Jahr im Keller«). Es geht aber auch um Tony Stark alias Iron Man und die Superheldentruppe der Avengers. Es geht um den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader und Verschwörungserzählungen, um HIV, Mike Tyson und Rockmusiker.

Da erscheint es logisch, dass sich Kohlhöfer in seinem Buch schnell von der tagesaktuellen Beschäftigung mit dem Coronavirus löst und den Blick weitet, nach Mustern in unterschiedlichen Pandemien sucht. Natürlich ist der Inhalt wissenschaftlich fundiert, aber der gebürtige Gießener stellt eben auch die Frage, wo man sein Fahrrad abstellt, wenn man mal eben ins Kanzleramt muss.

Gebürtiger Gießener: Wissenschaft ist immer Teamarbeit

Trotz aller popkulturellen Referenzen und der Leidenschaft für schnelle szenische Schnitte: Kohlhöfer will auch mit dem Hollywood-Bild des Wissenschaftlers oder der Wissenschaftlerin aufräumen, der eine menschenverschlingende Seuche quasi im Alleingang erledigt. »Es ist immer Teamarbeit«, sagt Kohlhöfer.

Aber wie ist das eigentlich - in einer Pandemie über Pandemien zu schreiben? Manchmal, erzählt Kohlhöfer, habe er abends nur noch Actionfilme schauen können, um abzuschalten. Hauptsache, es knallt. Eigentlich habe ihn das Schreiben aber beruhigt. »Weil man lernt, dass Pandemien passieren. Und dass die Gesellschaft sie überlebt.«

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