Medizinstudenten schreiben an Senioren - und freuen sich über Antwort.
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Medizinstudenten schreiben an Senioren - und freuen sich über Antwort. 

Kreative Hilfe 

Brieffreundschaft statt Besuch: Gießener Medizinstudenten schreiben an Senioren im Heim 

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Die Bilder von alten Menschen im Pflegeheim, die in der Corona-Pandemie abgeschnitten sind vom Rest der Welt, berührten viele Menschen zutiefst. Beispiele aus den Caritasheimen Maria Frieden und St. Anna zeigen, auf welche kreativen Ideen Helfer gekommen sind.

"Hallo, ich heiße Charlotte und studiere Medizin. Seit einem halben Jahr wohne ich in Gießen. Haben Sie eine Idee, was ich in der Umgebung unbedingt besichtigen sollte?" - Ein ganzer Schwung Postkarten flatterte dem Caritasverband kürzlich ins Haus. Von "Care und Travel", das ist ein Zusammenschluss von Medizinstudenten, die Kontakte zu Senioren in Pflegeeinrichtungen knüpfen, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Da dies in Zeiten von Corona nicht geht, schlagen sie Brieffreundschaften vor.

"Eine tolle Idee", freut sich Gundula Breyer. Die Sozialarbeiterin sammelt und koordiniert gemeinsam mit ihrer Kollegin Britta Nies die Angebote, die derzeit an den Verband herangetragen werden, um Senioren die Kontaktsperre zu erleichtern. "Wir sind begeistert von der Vielfalt - und es ist großartig, dass sich so viele junge Leute engagieren." Gleich nachdem die Pflegeheime sich im März notgedrungen abgeschottet haben, um die Bewohner zu schützen, kamen die ersten Vorschläge, schildert Breyer. Es waren keineswegs Versprechungen, die im ersten Moment der Anteilnahme gemacht und dann vergessen wurden. Da ist zum Beispiel ein junger Mann, der seit Wochen regelmäßig für die Senioren einkauft: Geduldig schleppt er alles herbei, was die Bewohner ihm auftragen. Diese werden zwar sowohl in Maria Frieden als auch in St. Anna verpflegt, aber dennoch haben sie darüber hinaus Wünsche, die sie sich sonst im Supermarkt erfüllen oder die von Angehörigen und Ehrenamtlichen erfüllt werden.

Pflegeheime Gießen: Auch Schüler helfen mit kreativen Ideen

Hinsichtlich der Pflege hat sich in den Heimen nicht viel verändert, das Personal kümmert sich wie immer um die Männer und Frauen. Doch die soziale Betreuung musste sehr eingeschränkt werden. Gemeinsame Bastel- und Singstunden, Ausflüge und alle geselligen Aktivitäten können nicht stattfinden. Auf ihre Angehörigen und auf die lieb gewordenen Kontakte in der Einrichtung zu verzichten, ist hart für die Bewohner. Selbst die soeben beschlossene Lockerung ändert an der Situation nicht viel.

Umso wertvoller sind die Angebote, die jetzt kommen. Überaus beliebt sind die kleinen Konzerte, die vor Maria Frieden und St. Anna stattfinden. "Das sind ganz unterschiedliche Stilrichtungen, von Klassik und Rock bis hin zu Schlagern", schildert Britta Nies. Es sei eine Freude, mit anzusehen, wie die Bewohner beim Klang bekannter Melodien aufblühten.

Pflegeheime Gießen: Darauf hoffen, dass Kontakte auch nach der Krise bestehen bleiben 

Eine tolle Idee kam auch von jungen Leuten des Vereins Omnes. Die Schüler rückten eines Tages an, um die Beete rund um die Pflegeheime in Schuss zu bringen. Erstens tut ein blühender Blickfang vor der Tür gut, und zweitens ergeben sich - auch auf die Distanz - nette Begegnungen zwischen Alt und Jung. Auch die ganz Kleinen des Montessori-Kinderhauses, die sonst gelegentlich zu Besuch kommen, wollen etwas tun: Sie werden für die Senioren etwas malen und basteln.

Britta Nies und Gundula Breyer hoffen, dass einige der Kontakte, die jetzt geknüpft werden, auch nach der Pandemie fortbestehen werden. Vielleicht wird am Ende aus der einen oder anderen Brieffreundschaft ja künftig auch eine "richtige" Freundschaft.

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