Die Braumaxx-Vision für das Brauhaus-Areal. ABBILDUNG: BRAUMAXX
+
Die Braumaxx-Vision für das Brauhaus-Areal. ABBILDUNG: BRAUMAXX

Stadtentwicklung

Brauhaus-Debatte in Gießen voll entbrannt

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Mit der Linken hat sich eine zweite Partei im Gießener Stadtparlament dafür ausgesprochen, auf dem ehemaligen Brauhaus-Areal künftig auch Wohnnutzung zuzulassen.

Gießen - Mit der Linken hat sich eine zweite im Stadtparlament vertretene Partei dafür ausgesprochen, auf dem Brauhaus-Areal künftig auch Wohnnutzung zuzulassen. Und nicht nur das: Der Kreisverband der Linken fordert mindestens einen Anteil von 20 Prozent an Sozialwohnungen. Es gebe in Gießen einen "großen Bedarf an bezahlbarem und sozialem Wohnraum", heißt es in einer Erklärung. Derzeit stünden 2300 Menschen, die eine bezahlbare Wohnung suchten, auf der Warteliste der Wohnbau.

Die Linke reagiert damit auf den Vorstoß der Gießener SPD, die sich nach einer Begehung mit Eigentümer und Investor Jochen Ahl (Braumaxx GmbH) für eine Wohnnutzung auf dem Eckgelände Marburger Straße/Teichweg ausgesprochen hatte.

Planungsdezernent Peter Neidel (CDU) und die Fachleute im Planungsamt sehen eine Wohnnutzung indes kritisch und befürchten eine Einschränkung für die ansässigen Gewerbebetriebe. Zudem gebe es nach dem Planungsstopp für den Gewerbepark Lützellinden noch weniger Gewerbeflächen.

Brauhausareal in Gießen: Linke warnen vor Spekulation

Aus Sicht der Linken war es ein Fehler, dass die Stadt das Gelände nicht erworben hatte, denn es handele sich um eine der letzten größeren erschließbaren Areale in Gießen. "Deshalb bemängeln wir, dass das Gelände der Braumaxx zur Bebauung überlassen wurde." Es bestünde die Gefahr, dass das Areal in der Zukunft "als Spekulationsobjekt am freien Markt, ohne Mitspracherecht der örtlichen demokratisch gewählten Vertretungen der Bevölkerung", gehandelt werden könnte.

Die Planungshoheit indes liegt bei der Stadt und mithin beim Stadtparlament. Stadt und Investor haben vereinbart, dass Testplanungen und eine Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben werden, bevor es gegebenenfalls zu einem Bebauungsplan-Änderungsverfahren kommt. Der gültige und aus dem Jahr 1990 stammende Bebauungsplan Kiesweg/Teichweg schließt eine Wohnnutzung aus.

Kein Einigungsdruck für Stadtkoalition

Investor und Eigentümer Ahl hatte vor wenigen Tagen im Gespräch mit der GAZ darauf verwiesen, dass das Brauhausgelände nicht irgendein Gewerbegrundstück sei, sondern den nördlichen Stadteingang präge. Dem sollte mit einem "urbanen" Planungsansatz Rechnung getragen werden. In anderen Städten - Ahl verwies auf die Bürostadt Frankfurt-Niederrad - sei man auch zur Erkenntnis gelangt, dass Gewerbedistrikte mehr belebt werden müssten. Ahl hält es für möglich, dass auf dem Gelände neben Wohnungen bis zu 2000 Arbeitsplätze entstehen könnten.

Die CDU im Wiesecker Ortsbeirat hatte sich hinter Bürgermeister Neidel und das Planungsamt gestellt. "Es kann nicht sein, dass wir an anderen Stellen Gewerbeflächen ausweisen und bestehende Gewerbeflächen in ein Wohngebiet umgewandelt werden", erklärte Michael Oswald (CDU), der auch im Stadtparlament sitzt. Ob sich die Gießener Koalition aus SPD, CDU und Grünen in der Frage noch einigen muss, ist fraglich. In einem Jahr werden bei der Kommunalwahl die Karten neu gemischt. Die Entscheidung, was aus dem Brauhaus-Areal werden soll, wird die neue Mehrheit treffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare