Das Panoramafoto zeigt das neue Ensemble des Botanischen Gartens (v. l.): das Palmenhaus, das Victoriahaus und das Warmhaus. 
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Das Panoramafoto zeigt das neue Ensemble des Botanischen Gartens (v. l.): das Palmenhaus, das Victoriahaus und das Warmhaus. 

Kurz vor Fertigstellung 

Botanischer Garten Gießen: Bau der Gewächshäuser liegt voll im Zeitplan

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die neuen Gewächshäuser im Botanischen Garten nehmen immer mehr Gestalt an. Das acht Millionen Euro teure Projekt steht kurz vor der Vollendung.

Wer dieser Tage am geschlossenen Botanischen Garten vorbeiläuft, kann die Kuppel schon sehen. Das elf Meter hohe Glasdach des Palmenhauses überragt die Mauern und stößt mit seiner Spitze in das Blätterdach. Zusammen mit dem runden Victoriahaus für die gleichnamige Seerose und dem rechteckigen Warmhaus bildet das Palmenhaus das neue Ensemble, in das schon bald die Pflanzen einziehen können. Nach rund zwei Jahren Bauzeit - der Beginn der Abrissarbeiten hatte sich mehrfach verzögert - könnte es schon in wenigen Monaten soweit sein. "Wir gehen davon aus, dass die Anlage bis zum Herbst so weit ist, dass wir das Warmhaus bepflanzen, die Kübelpflanzen im Palmenhaus unterbringen und das Victoriahaus in Betrieb nehmen können", sagt Holger Laake, der Technische Leiter des Gartens. "Im Frühjahr 2021, also nach der Winterpause, soll die Anlage dann eröffnet werden."

Botanischer Garten Gießen: Kosten von rund 8 Millionen Euro

Es wäre die Vollendung eines prestigeträchtigen, aber auch kostenintensiven Projekts. Der Neubau kostet rund 8 Millionen Euro, von denen das Land Hessen rund 4,8 Millionen Euro aus dem Hochschulpakt 2020 bereitstellt. Die Justus-Liebig-Universität beteiligt sich mit rund 3,2 Millionen Euro, schließlich ist der älteste Botanische Garten Deutschlands eine Einrichtung des Fachbereichs Biologie und Chemie.

Bis zur Eröffnung gibt es aber noch einiges zu tun. Während im Palmenhaus laut Laake lediglich der Boden noch beschichtet werden muss, ist im Victoriahaus die Decke nicht fertig. Im Warmhaus hingegen sind noch technische Arbeiten zu leisten, und für den neuen Sozialtrakt der Mitarbeiter steht der Innenausbau noch an.

Weiterer Mosaikstein auf dem Weg zur Fertigstellung ist die Herrichtung der Außenanlage. "Die Wege werden geschottert. Außerdem wollen wir große Kübelpflanzen aufstellen", betont Laake und fügt hinzu, dass um das Victoriahaus zudem Rasen verlegt werden soll.

Die Gebäude selbst sollen ihren derzeitigen Look aus Glas und Beton behalten. Laake spricht beim Palmenhaus von einer "gewünschten klaren Konstruktion", die lediglich einen Schutzanstrich erhalten soll, damit Grafitti leichter abzuwaschen sind.

Botanischer Garten Gießen: Maße und Kubatur übernommen

Während sich diese Klarheit stark von der wilhelminischen Architektur unterscheidet, durch die das im Jahr 1904 erbaute und im Zweiten Weltkrieg zerstörte alte Palmenhaus geprägt war, wurden Maße und Kubatur eins zu eins umgesetzt, betont Laake. "Lediglich der Eingangsbereich ist neu, da hier früher ein Technikgebäude stand."

Während sich die Arbeiten in der Vergangenheit mehrfach verzögert haben, zum Beispiel durch die Untersuchungen des Kampfmittelräumdienstes, hat die aktuelle Corona-Pandemie kaum Einfluss auf den Zeitplan. "Wir hatten lediglich eine kleine Verzögerung, da die Lamellen für die Schattierungsanlage auf dem Dach des Warmhauses aus Spanien angeliefert wurden. Ansonsten hatten wir bisher keine Probleme."

Botanischer Garten Gießen: Corona verzögert Arbeiten kaum

Neben Laake ist auch Prof. Volker Wissemann auf die Baustelle gekommen. Der Wissenschaftliche Leiter des Gartens erfreut sich vor allem an dem Blick in das Warmhaus. "Alt trifft neu", sagt er und meint damit den historischen Brunnen aus dem Jahre 1858, der in das neue Gebäude integriert werden soll. "Wir werden ihn mit Wasser befüllen und Mangroven einsetzen."

Beim Richtfest vor einem halben Jahr wurde das neue Ensemble mehrfach als neues Herz des Botanischen Gartens bezeichnet. Mit Blick auf den Brunnen könnte man ergänzen: mit einer 162 Jahre alten Lebensader.

Botanischer Garten Gießen: Deutschlands ältester Garten

1609 legte die zwei Jahre junge Universität Gießen den Botanischen Garten als "Hortus medicus" an. Er ist damit der älteste in Deutschland und - nach Padua in Italien - der zweitälteste weltweit, der sich noch am selben Platz befindet. Die Nutzfläche des neuen Ensembles beträgt 833 Quadratmeter. An selber Stelle standen zuvor ebenfalls Gewächshäuser.

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