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In Zeichungen und Gemälden erkennt man Fotos des zerstörten Gießens wieder. Fotos: Oliver Schepp

6. Dezember 1944

Gießen: Bomberattrappe und Denkanstöße in Kongresshalle

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Heute wird die beeindruckende Ausstellung der Gesamtschule Gießen-Ost in der Kongresshalle eröffnet. Die Schau zum 75. Jahrestag der Kriegszerstörung Gießens gibt viele Denkanstöße.

Gießen - Der 6. Dezember 1944 war die größte Zäsur in der Gießener Stadgeschichte. Die Zerstörung durch britische Bomberverbände am Nikolausabend vor 75 Jahren war aber kein isoliertes Ereignis. Die Kunstausstellung von vier Oberstufenkursen der Gesamtschule Gießen-Ost, die heute um 16 Uhr in der früheren Kunsthalle der Kongresshalle eröffnet wird, rückt den "historischen Kontext" in den Mittelpunkt. "Problematisch und einseitig wäre eine Ausstellung, die sich nur auf eine Nacht bezieht, an die mahnend gedacht werden soll", sagt Kunstlehrer Frank Tasler.

Die künstlerischen Verweise der 18- und 19-jährigen Schüler/innen reichen zurück bis ins Jahr 1936 und in den spanischen Bürgerkrieg. Die Bombardierung und Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch deutsche Bomberverbände 1937 wurde von Pablo Picasso verewigt Die jungen Künstler/innen nehmen auch bei anderen Großen wie Francis Bacon, Gerhard Richter oder Joseph Beuys Anleihen. Ein Spitzbunker wurde nachgebaut, über dem Eingang schwebt das Modell eines Bombers, ein Schuttberg, eine verkohlte Tür oder eine Installation aus schwarzen Kleidern stehen symbolisch für die Verheerung, die der Krieg anrichtet. In Zeichnungen und Gemälden erkennt man Fotos des zerstörten Gießens wieder.

An dieser großartigen Ausstellung haben über 80 Schüler/innen mit ihren Lehrer/innen Dr. Stephanie Hahn, Sonja Rösler, Katja Seidel und Frank Tasler seit September neben dem Unterricht gearbeitet. "Jetzt sind wir aber auch alle ein bisschen groggy", sagt Stephanie Hahn bei den Aufbauarbeiten am Donnerstag. "So etwas macht man nicht oft. Aber wenn einem schon so eine Halle zur Verfügung steht, da will man natürlich auch etwas zeigen. Die Arbeiten haben ein ganz hohes Niveau", lobt Frank Tasler.

Ein Highlight wird heute ab 16 Uhr auch die Perfomance der Oberstufenkurse Darstellendes Spiel, die die Vernissage umrahmen. Den historischen Hintergrund steuert die Stadtredaktion der Gießener Allgemeinen bei, die Zeitungsberichte von vorherigen Jahrestagen großformatig ausstellt. Eröffnet wird die Ausstellung von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz.

Die Ausstellung bleibt leider nur bis einschließlich Mittwoch in der Kongresshalle geöffnet. Öffnungszeiten der Ausstellung "Erinnerung und Mahnung": Sonntag von 10 bis 16 Uhr, Montag bis Mittwoch 9.30 und 15.30 Uhr (Samstag geschlossen). (mö)

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