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Tatort: Die Wartehalle des Gießener Bahnhofs.

Strafprozess

Strafprozess wegen Bombenattrappe im Gießener Bahnhof: Angeklagter freigesprochen

  • VonConstantin Hoppe
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Dieser Fall um eine Bombenattrappe, der 2018 in Gießen für Aufsehen sorgte, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Ein verdächtigter 28-Jähriger wurde jetzt freigesprochen. Die Vorwürfe waren nicht nachweisbar.

Gießen - Die Erleichterung war dem 28-Jährigen Angeklagten am Dienstag deutlich anzusehen: »Vielen, vielen Dank«, wandte er sich an Richterin Birgit Ruppel und Amtsanwalt Martin Sorg. Wenige Minuten zuvor war der Österreicher von dem Vorwurf freigesprochen worden, am frühen Morgen des 5. Februar 2018 eine Bombenattrappe am Gießener Bahnhof deponiert zu haben. »Die Vorwürfe lassen sich nicht nachweisen«, hatte Sorg in seinem Plädoyer erklärt, dem folgte auch die Richterin mit ihrem Urteil.

Gießener Bahnhof: Keine Spuren des Angeklagten auf der Bombenattrappe

Am 5. Februar 2018 gegen 4 Uhr ging ein Hinweis bei der Bundespolizei ein, dass sich ein verdächtiger Gegenstand in der Bahnhofshalle befinde. Die Beamten entdeckten dort auf einer Bank zwei zylinderförmige Gegenstände und eine Flasche mit klarer Flüssigkeit (Glycerin wie sich später herausstellte), die mittels Drähten verbunden waren. Erst die Bombenentschärfer konnten gegen 7 Uhr Entwarnung geben: Sprengstoff befand sich keiner in der Attrappe.

Die Spuren führten dann zu dem 28-Jährigen: Dieser wartete am Tattag längere Zeit in der Bahnhofshalle. Als er seinen Platz gegen 2.10 Uhr verließ, waren auf den Aufnahmen der Überwachungskamera mehrere Gegenstände zu sehen, die neben seinem Sitzplatz lagen - teile der Bombenattrappe, wie die Ermittler vermuteten.

Auch seine DNA konnte später auf einer Chipstüte sichergestellt werden, Fingerabdrücke auf einer schwarzen Plastiktüte verfestigten diese Spur. Doch von der Bombenattrappe wollte der Angeklagte nichts wissen: »Ja, das bin ich auf den Aufnahmen«, ließ sich der in Osthessen lebende Angeklagte vor Gericht ein. »Ich war nicht nüchtern, aber auch nicht so betrunken, dass ich eine Bombe deponiere!« Auffällig - und ein wichtiger Fakt beim Freispruch - war die Tatsache, dass auf mehreren Gegenständen des 28-jährigen dessen Fingerabdrücke und DNA-Spuren sichergestellt werden konnten, auf der Bombenattrappe jedoch nicht.

Bombenattrappe im Gießener Bahnhof: Zweiter Mann nicht identifiziert

Am Dienstag wurden noch einmal Teile der Aufnahmen aus der Überwachungskamera begutachtet. Darauf ist auch eine weitere, nicht ermittelte Person zu sehen: Der unbekannte Mann kam an dem Tattag zu dem 28-Jährigen, während dieser am Bahnhof wartete. Die beiden Männer wechseln einige Worte, dabei beugt sich der Unbekannte einmal herunter.

»Bei dieser Gelegenheit könnte auch er die Bombenattrappe platziert haben«, erklärte Amtsanwalt Sorg. Der Unbekannte trug eine Kapuze und hielt sich dabei immer so, dass sein Gesicht nicht auf den Aufnahmen zu erkennen war - er konnte nicht ermittelt werden. Auch der Hinweisgeber, der den Bombenfund meldete, wurde im Zuge der Ermittlungen nicht befragt,

»Mehr Aufnahmen liegen leider keine vor, so dass wir nicht sagen können, ob jemand anderes nach 2.10 Uhr auf dem entsprechenden Platz in der Halle war«, erklärte Richterin Ruppel in der Urteilsbegründung. »Wir wissen nicht, was zwischen 2:10 Uhr und dem Fund der Gegenstände um 4 Uhr geschehen ist. Wenn man alles in Summe wertet, sind sie aufgrund der Beweislage freizusprechen.« (con)

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