"Bluesrange" waren die idealen Jubiläumsgäste in der Vitos-Klinik.
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"Bluesrange" waren die idealen Jubiläumsgäste in der Vitos-Klinik. 

Blues-Feuerwerk zum Jubiläum

Gießen(axc). Ein Feuerwerk des Blues und artverwandter Musik zündete die Wetzlarer Band "Bluesrange" beim 300. Konzert der "Musik bei Vitos"-Reihe. Dass - getreu dem Bandmotto - Blues keine traurige Musik sein muss, bewiesen die sieben eindrucksvoll fast zwei Stunden lang.

Nach der knappen Ankündigung, man wolle Blues "von den Baumwollfeldern zwischen Lahn und Dill" spielen, stürzt sich die seit zehn Jahren bestehende Wetzlarer Band Bluesrange in den ersten Zwölftakter, den gut abgehenden Shuffle Blues "Fannie Mae" von 1959.

Sänger Walter Krombach, den meisten sicherlich als Fäägmeel-Urgestein bestens in Erinnerung, beweist von Beginn an, dass man ein gutes Konzert auch mit einer Hand in der Tasche (seines Overalls) bestreiten kann. Bei Johnny Guitar Watsons "I Was Looking Back" liefert er eine seiner gewohnten gewollt umständlichen Einführungen, überlässt den Gesang aber Lisa Elbert, die seit der Giessen Blues Night 2016 von der Backgroundsängerin zur Frontfrau aufgestiegen ist. Auch bei dem Ray Charles-Klassiker "I Don’t Need No Doctor" begeistert sie die Zuhörer in der voll besetzten Kapelle mit ihren kräftigen, voll tönenden Stimme. Bei "Sweet Home Chicago", einem von drei Robert Johnson-Songs aus den 1930ern, sorgt Drummer Kai Exner als dritter Sänger für vokale Abwechslung, ebenso bei Bill Withers‹ "Ain’t No Sunshine", das ja eigentlich kein Bluessong ist.

Das aber ist das Schöne am Bluesrange-Konzept: Wie der Bandname andeutet, decken die Musiker ganz bewusst ein breites Spektrum (range) an bluesigen und bluesnahen Spielarten ab - und haben erkennbar Spaß auf der Bühne. Wenn sie gerade nichts zu singen haben, wirft Krombach seiner Kollegin wie im Zirkus seine Shaker zu, man schüttelt zum Boogie Woogie gemeinsam die Hüften oder wiegt sich im Parallelschwung zum Rhythmus der Musik. Wolfgang Breuer erfüllt das Bassistenklischee und bleibt optisch im Hintergrund, sorgt aber mit seinem präzisen Spiel gemeinsam mit Exner für die solide Grundlage.

Erinnerungen an "Fäägmeel"

Kurti H. Franke an der Rhythmusgitarre schafft Leadgitarrist Heinz Gabler den Raum für seine Soli. Dieser hat offenbar etliche Clapton-Platten im Regal, wie man aus der leisen Solostelle in "You Upset Me Baby" oder auch "When You Got a Good Friend" erahnen kann, das sich deutlich an die Clapton-Version anlehnt.

Prägend für den Bandsound ist Daniel Scheidel, der sich für fast jeden Song - je nach Tonart - eine andere Blues Harp nimmt und immer passende Beiträge schafft - ob im Fäägmeel-Rock’n›Roll "Biegelbreat" (Surfen auf dem Heuchelheimer Baggersee) oder im leicht funky klingenden Etta James-Titel "The Blues Is My Business".

Fast immer geht es mindestens in mittlerem Tempo zur Sache; Freddie Kings "Same Old Blues" ist der einzige echte Slow Blues des Abends. "Summertime" fällt eigentlich total aus dem Rahmen, aber allein schon das feine Gitarren/Gesangs-Intro und Lisa Elberts Vocals machen diese ohnehin unsterbliche Nummer zu einem Höhepunkt des Abends.

Nach einer kurzen Ehrung des immer bescheidenen Rainer Römer für 300 Veranstaltungen "Musik in Vitos" gibt es mit "I Got My Mojo Working" noch einen klassischen Rausschmeißer auf den Weg.

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