Blitzlichter aus schwankenden Autos

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Gießen(bf). Ein glänzendes Finale erhielt die beliebte Autokino-Reihe am Freitag mit dem Auftritt der Kölner Rocker die Höhner. Die brausten mit so viel Schwung und ungebremster Spielfreude daher, dass die Zuhörer im Nu in Bestlaune und auf ihrer Seite waren. Hinzu kam ein professionelles musikalisches Niveau, und auch die Fähigkeiten zur Videounterstützung wurden fachgerecht eingesetzt. Die Stimmung? Optimal.

Henning Krautmacher (Gesang), Hannes Schöner (Bass, Gesang), Joost Vergoossen (Gitarre, Gesang), Jens Streifling (BAP, Lindenberg, multiinstrumental und Gesang), Micki Schläger (Keyboards, Gesang), und last not least Heiko Braun (Drums) brauchten keine Einspielzeit. Wie sie die Sache auffassen, zeigten sie auch sofort: "Wo wir sin is Kölle" hieß der erste Song. Keine Spur von Unwohlsein mit der speziellen Lage, in der man das Publikum in seinen Autos nicht richtig sah und hörte. Die Gäste erklärten stattdessen gleich, wie’s gemacht wird, nämlich kräftig Lichthupe geben, "wir probier’n das mal".

Noch etwas wurde beim ersten Titel klar, dass die Höhner zwar eine Mundartgruppe sind, die man hierzulande vielleicht eher dem Karneval zuordnet. Doch das umschreibt ihre Bandbreite inhaltlich wie musikalisch völlig unzureichend. Zunächst musizierten sie noch mittelschnell, aber mit allen Merkmalen eines Rockensembles. Auch später kamen öfters Erinnerungen an Bands wie Status Quo, Procol Harum oder die Eagles auf. Dann gab’s "Lääv, lääv, lääv", einen supertanzbaren Balkanschwinger, der mit authentischem Bläserakzenten (Jens Streifling schien keine Kompetenzgrenzen zu kennen) eine glaubhafte Klezmerszenerie schuf. Und Klezmer geht bekanntlich in die Beine. Aber die Höhner können auch anders. "Was wäre wenn" machte klar, welche Gedanken sie sich machen: "Was wäre, wenn es keine Bilder mehr gäbe, von Hass, Missbrauch, Gewalt, Menschen ihre Würde behalten, schwarz und weiß, Jung und Alt". Und "wenn einer dem andern zuhört, ja das wär einfach wunderbar". Auf Hochdeutsch gesungen, ernst gemeint und überzeugend. Nicht zu vergessen die exzellente Gitarrenarbeit von Joost Vergoossen und ein prägnantes Saxsolo von Streifling.

Band ist auf der Höhe der Zeit

Auch sonst sind sie ganz auf der Höhe der Zeit und widmen "Wann jeiht dr himmel widder op" den Flüchtlingen auf den griechischen Inseln. Der rockige Reggae war eins der Glanzlichter des Konzerts: fetzig, differenziert, mit mehrstimmigem Chor und definitiv schunkelbar. Die Höhner erinnern natürlich auch in erster Linie an BAP, von wo auch Streifling herüber kam. Ein absoluter Ohrwurm ist die Ballade "En levve lang", eine breit klingende emotionale Sache, der noch einmal die vielfältigen musikalischen Facetten der Band verdeutlichte. Besonders Vergoossens liebevolle Gitarrenarbeit strahlte: den Live-Slidepart hätte Joe Walsh auch nicht besser hinbekommen.

Die massive Musikalität verlieh vielen Liedern über die unterhaltende Eigenschaft hinaus eine ungewöhnliche Authentizität. Krautmachers Gesang war mal mitreißend stimmungsfördernd, dann wieder ungeniert emotional. Vor allem aber machte es ihm richtig Spaß, wie die Gießener reagieren: "Singen sie mit? Ich muss mal gucken gehen", und schon sauste er zwischen den Autos umher und kehrte erfreut auf die Bühne zurück. Da entstand im Nu eine feste Verbindung zwischen Band und Publikum, die etwas ganz Selbstverständliches hatte. Die Höhner fegten an diesem Abend alle äußeren Grenzen mit ihrer Stimmung und exzellentem Handwerk einfach weg, eine spürbare Gemeinschaftlichkeit bildete sich. Bei aller Stimmungsroutine ist Krautmacher kein beschränkter Musikspaßvogel, was man den Liedern und nicht nur seinem, sondern auch Bassist Schöners Gesang anhörte.

Die anderen Highlights waren die irisch angerockte kölsche Nationalhymne "Viva Colonia" ("Wir glauben an den lieben Gott und haben noch immer Durst") und "Steh auf, mach laut" (Krautmacher: "Ich hör sie singen!"). Zugabe: "Ich ben ne Räuber". Die Lichter blitzten heftig, die Autos schwankten kräftig, und die alle hatten einen Mordsspaß: Herrlich, sagt man in Köln.

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