Der 313 Kilogramm schwere Nistkasten befindet sich auf dem Dach des achtgeschössigen Wohnbau-Gebäudes in der Heinrich-Will-Straße 13. FOTO: IGE
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Der 313 Kilogramm schwere Nistkasten befindet sich auf dem Dach des achtgeschössigen Wohnbau-Gebäudes in der Heinrich-Will-Straße 13. FOTO: IGE

Bleischwerer Nistkasten

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Gießen(ige). Was lange währt, wird endlich gut. Dieses Sprichwort kann man auf einen 313 Kilogramm schweren Betonkasten münzen. Geschlagene zwei lange Jahre hatte er sein Dasein im Keller des Rathauses gefristet. Für die dort beherbergte 1200 Euro teure Brutstätte für ein Wanderfalkenpaar habe sich einfach keine geeignete Aufstellfläche gefunden, berichtete Gerd Hasselbach vom städtischen Umweltamt auf dem Dach des achtstöckigen Wohngebäudes in der Heinrich-Will-Straße 13. Hier hat das Betonschwergewicht neu beheimatet nun Platz genommen. Jetzt fehlt nur noch ein Wanderfalkenbrutpaar im Nest, um Nachwuchs zu generieren.

Heinrich Velten, Chef der heimischen Gerüstbaufirma Velten, war sichtlich froh, dieses kleine Ungetüm endlich ganz oben platziert zu haben. Es mit dem Personenaufzug nach oben zu verfrachten, scheiterte an einer zweifachen Hürde. Zu schwer für den Lift und zu breit für die letzten Stufen aufs Flachdach. So musste Velten extra einen Außenaufzug installieren. Die Transportkosten für den Weg nach oben übernahm die Wohnbau.

Mächtige Vögel

Verschiedene Aufstellstandorte habe man abgeklopf, berichtete Stadträtin Gerda Weigel-Greilich. An für sich seien auch ein Flachdach der Hochhäuser am Ende der Eichgärtenallee dafür infrage gekommen. "Doch dann hätten die Wanderfalken der Fledermauspopulation im Philosophenwald zu stark zugesetzt." Dazu muss man wissen, dass diese Nachtschwärmer eine bevorzugte Beute für die Wanderfalken sind. Von der neuen Brutstätte in der Heinrich-Will-Straße - so sie angenommen wird - sollen die Wanderfalken vorzugsweise mit den in den letzten Jahren überhand genommenen Tauben der Nordstadt vorlieb nehmen, deren Bestand reduzieren; am liebsten dezimieren.

Wanderfalken sind mächtige Vögel, wiegen bis zu 1,3 Kilogramm und weisen eine Flügelspannweite von bis zu 1,14 Metern auf. Sie jagen ihre Beute fast ausschließlich im freien Luftraum, fliegen dabei Spitzengeschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometern. Bis zu 500 Gramm wiegen ihre Beutetiere. Da auch Tauben zu dieser Gewichtsklasse zählen, gehörten in früherer Zeit Taubenzüchter zu ihren erbittertsten Feinden. Doch hauptsächlich trug das 1972 verbotene Unkrautvernichtungsmittel DDT, das hormonell auf Mensch und Tier einwirkt, zur fast gänzlichen Ausrottung der Wanderfalken bei. Das Dilemma bestand unter anderen in den durch das DDT zu dünnschalig gewordenen Eiern, die zu früh zerbrachen, erläuterte der Erste Vorsitzende des Naturschutzbeirates der Stadt, Matthias Korn.

Prokurist Rainer Pauli sowie der technische Kundenbetreuer Ricardo García von der Wohnbau können sich gut vorstellen, dass auf dem Dach eines ihrer drei Lärchenwäldchen-Hochhäuser bei der ehemaligen Bergkaserne der nächste Wanderfalken-Nistkasten platziert werden kann.

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