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Regisseur Thomas Goritzki und Dramaturgin Carola Schiefke machen im Vorabgespräch neugierig auf die Inszenierung von Moliéres "Tartuffe". FOTO: SCHEPP

Bitterbös und aktuell

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Vor 350 Jahren sorgte Molières Komödie "Tartuffe" für einen echten Theaterskandal. Den darf man bei der Aufführung an diesem Samstag im Stadttheater zwar nicht erwarten, doch Regisseur Thomas Goritzki rechnet durchaus mit kontroversen Diskussionen zu seiner mit aktuellen Anspielungen gespickten Inszenierung.

Als am vergangenen Sonntag bei einer Matinee im Stadttheater die neue Schauspielproduktion - die Komödie "Tartuffe" von Molière - vorgestellt wurde, war der Besucherandrang mit rund 100 Interessierten ungewöhnlich groß. Aber eigentlich ist das nicht weiter verwunderlich, denn die bitterböse Komödie handelt von Heuchelei, Manipulation und einfachen Wahrheiten. Und diese Themen sind auch fast 400 Jahre nach der Uraufführung und in Zeiten von Bolsonaro, Trump oder Strache brandaktuell. Entsprechend will Regisseur Thomas Goritzki, wie er im Pressegespräch erläuterte, die Komödie in die heutige Zeit transferieren und mit Anspielungen auf aktuelle politische Fehlentwicklungen spicken. Schließlich habe auch Molière selbst bei seinen Stücken stets großen Wert auf das Zeitgeschehen gelegt, unterstreicht Schauspieldramaturgin Carola Schiefke.

Geht es im Original um fromme Heuchelei, so wird Goritzki den Schwerpunkt eher auf Heuchelei in politischen Themen legen und klar Stellung beziehen. "Es liegt mir daran, dass man auch bestimmte Begrifflichkeiten wiedererkennt", betont Goritzki und thematisiert zusätzlich den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt, dort wo man mit Worten nicht mehr weiterzukommen glaubt.

Doch bei allem Schwerpunkt auf Aktualität: Auf das "großartige Handwerk des Komödienschreibers Molière", so Schiefke, und die gereimten Verse, wenn auch von Goritzki hier und da umgedichtet, wird das Publikum nicht verzichten müssen. Das von Lukas Noll mit Wendeltreppe, Kellerabgang sowie genretypischen Türen entworfene "spielfreudige Bühnenbild" dürfte ebenfalls zum Gelingen beitragen.

Premiere ist am Samstag, 18. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus. Weitere Vorstellungen folgen am 26. Januar, 9. und 22. Februar, 13. März, im April, Mai und Juni.

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