Denkmalschutzpreis

Bismarckturm-Verein in Gießen darf hoffen

  • Burkhard Möller
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Der Förderverein, der den Bismarckturn in Gießen auf der Hardt gerettet hat, ist für den Denkmalschutzpreis des Landes Hessen nominiert worden.

Die orkanartigen Böen sind so stark, dass sie den Radfahrer vom gekiesten Weg, der hoch zum Bismarckturm führt, in die Wiese drücken. Ein Zelt hatten Dr. Bernhard Höpfner und seine Mitstreiter am Mittwochmorgen für den hohen Besuch auf der Hardt aufstellen wollen. Aber dieser Plan wird hinweggefegt. Gut, dass man sich in der Weststadt gegenseitig unterstützt, und so hat Kanutours-Chef Peter Zutt für den Förderverein und dessen Gäste aus Wiesbaden seinen Reisebus auf die Hardt gefahren. Dort kann Staatskanzlei-Chef Axel Wintermeyer nach einer Turmbegehung seine Eindrücke ungestört zusammenfassen: "Das ist viel mehr als eine Ansammlung von Steinen, in dem Turm stecken eine Menge Emotionen."

Auf einer Rundreise informiert sich der Staatsminister über drei Projekte, die in diesem Jahr in der Sonderkategorie "Ehrenamt" für den Hessischen Denkmalschutzpreis vorgeschlagen worden sind. Eine Jury muss entscheiden, ob der mit 7500 Euro dotierte Sonderpreis ans "Wiegehäuschen" in Weilmünster, ein Ehepaar in Limeshain, das seit vielen Jahren Bodenarchäologie betreibt, oder nach Gießen an den von Dr. Höpfner gegründeten Verein geht. Verliehen wird der Preis am 15. September im Biebricher Schloss durch Wissenschaftsministerin Angela Dorn.

Zuletzt hatten die Bismarcktürme und auch der in Gießen für Schlagzeilen gesorgt, weil sie im Zuge von Antirassimusprotesten mit Farbe beschmiert worden waren. Die Täter legten Reichskanzler Otto von Bismarck die vom deutschen Kaiserreich betriebene Kolonialpolitik zur Last.

Geschichte nicht umschreiben

Auch zu dieser Debatte sagt Wintermeyer ein paar Sätze: "Es wird weiter Kaiser-Wilhelm-Straßen geben. Wir hatten nunmal einen Kaiser, der manche Sachen gut und viele Sachen ganz schlecht gemacht hat. Geschichte kann man durch die Umbenennung von Straßen nicht umschreiben." In der Nominierung des Fördervereins Bismarckturm sieht der Minister gleichwohl kein Statement in dieser Debatte. "Es geht darum, die Menschen auszuzeichnen, die hinter dem ehrenamtlichen Engagement zum Erhalt von Kulturdenkmälern stehen."

Das betont auch die für den Denkmalschutz bei der Stadt zuständige Stadträtin Astrid Eibelshäuser. Ohne ehrenamtliches Engagement wäre so etwas wie die Öffnung des Bismarckturms nicht möglich. "Das könnten wir als Stadt allein nicht leisten", sagt Eibelshäuser. Sie würde sich freuen, wenn nach dem Schlachthof im vergangenen Jahr erneut ein Objekt aus Gießen einen der Denkmalschutzpreise erhalten würde. Zur politischen Debatte sagt sie: "Denkmäler bieten doch gerade die Chance, sich mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen."

Begonnen hatte der Besuch der Delegation aus Wiesbaden mit einer Begehung des Turms. Trotz des heftigen Winds zeigt sich dabei einmal mehr, dass die Aussicht eigentlich das Schönste am Bismarckturm ist. Am Fuß des Turms hat die städtische Denkmalschutzbehörde eine kleine Ausstellung mit Fotos aufgebaut, die zeigen, wie die 1905/06 errichtete "Bismarcksäule" vor, während und nach der Sanierung aussah.

Höpfner, der mit seiner Frau Bärbel sowie seinen Mitstreitern Ulrike Rinn, Ernst Döpfer, Egbert Schellhase und dem politischen Unterstützer, CDU-Fraktionschef Klaus Peter Möller, auf die Hardt gekommen ist, schildert seinen Gästen, wie schwierig sich die 2009 begonnene Sanierung gestaltet hatte. "Anfangs sind wir mit der Spendendose durch den Seltersweg gelaufen", sagt Höpfner. Er holte Land und Stadt ins Boot, um die nötigen Geldmittel in Höhe von 135 000 Euro zu beschaffen. So konnten das Vorhaben gestemmt und der Turm für die Öffentlichkeit geöffnet werden - jeweils am ersten und dritten Sonntag im Sommerhalbjahr. Auch das geht nicht ohne die Aufseher/innen vom Verein Ehrenamt.

Wenn es mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis doch nichts wird, kann sich der Förderverein Bismarckturm mit dem städtischen Denkmalschutzpreis trösten. Den soll der Verein 2020 nämlich erhalten. Ein Termin für die Verleihung im Stadtparlament steht noch nicht fest.

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