Auch in der HEAE wird in der Schlange auf Abstand gewartet. FOTO: MÖ
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Auch in der HEAE wird in der Schlange auf Abstand gewartet. FOTO: MÖ

Bislang drei Infektionen in HEAE

  • vonOliver Schepp
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Gießen(mö). Das Coronavirus macht auch vor den Flüchtlingsunterkünften nicht halt: An allen Standorten der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) gibt es mit Stand von Mittwochvormittag bislang drei Infektionen. "Alle drei positiv getesteten Personen sind umgehend isoliert und versorgt worden und zeigen bisher nur leichte Symptome", teilte Thorsten Haas, stellvertretender Pressesprecher des Gießener Regierungspräsidiums mit. Die bislang ermittelten Kontaktpersonen seien von den übrigen Bewohnern getrennt untergebracht worden. "Das Gesundheitsamt wird von uns fortlaufend in alle medizinischen Fragen eingebunden", erklärte Haas.

Kaum noch Neuzugänge

Zurzeit sind laut RP in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen 3091 Personen untergebracht, 1409 am Standort Gießen in der Rödgener Straße. Weitere Standorte befinden sich in Kassel-Niederzwehren, Büdingen, Rotenburg und Neustadt. Die drei Infektionen beziehen sich auf die Gesamt-HEAE und nicht nur auf den Zentralstandort in Gießen. Der Tageszugang im Ankunftszentrum Gießen habe am Mittwoch bei zehn Personen gelegen, in den Tagen zuvor darunter.

Alle aktuellen und noch vorgesehenen Maßnahmen orientierten sich an den Vorgaben der Gesundheitsämter, der Landes- und Bundesbehörden sowie des RKI. Haas teilt auf GAZ-Anfrage mit: "Es werden daher alle Anstrengungen unternommen und Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um Corona infizierte Personen, die über das Ankunftszentrum Gießen in die Erstaufnahmeeinrichtung gelangen, so schnell wie möglich zu identifizieren und separat unterzubringen. Hierfür werden an allen Standorten entsprechende Bereiche vorgehalten."

Getestet werde nach den Empfehlungen des RKI bei aufgrund von Symptomen begründetem Verdacht, Kontakt mit infizierten Personen oder bei Herkunft/Durchreisen eines Risikogebietes. In Absprache mit den Dienstleistern würden an allen Standorten der Erstaufnahme weiterhin Vorsorgemaßnahmen getroffen; vor allem wurde die Essensausgabe sowohl zeitlich als auch räumlich neu geregelt. Die Bewohner würden in mehreren Schichten und Räumen versorgt.

Durch mehrsprachige Aushänge und Piktogramme werde auf einzuhaltende Hygienemaßnahmen hingewiesen. Informationen des RKI zum Schutz vor dem Virus SARS-CoV-2 seien auch in mehreren Sprachen ausgehängt und verbreitet worden. Darüber hinaus stelle das Land weitere Informationen mehrsprachig und fortlaufend zur Verfügung. Die Bewohner der Unterkünfte würden über die Sozialbetreuung und Dolmetscher ständig über die aktuellen Lageentwicklungen informiert. Fast alle Bewohner verfügten außerdem über Informationen aus den Medien, zudem könnten sie an Informationspunkten persönlich nachfragen.

Die Asylbewerber können die HEAE nach wie vor verlassen. Wie RP-Sprecher Haas weiter sagte, sind momentan aber keinerlei Besuche mehr gestattet, um ein Einbringen des Virus durch Externe zu verhindern. Ehrenamtliche Tätigkeiten und Gruppenangebote seien eingestellt und Sozialräume geschlossen worden. Die Grundbetreuung der Bewohner sei hiervon unberührt.

Helfer fordern Evakuierung

So weit man das von draußen beobachten kann, halten sich die Bewohner weitgehend an die Verhaltensregeln, die allgemein gelten. Menschenansammlungen sind nicht zu sehen, in Schlangen wird auf Abstand gewartet, Mitarbeiter der Security und der HEAE tragen Mundschutz, der Sportplatz ist mit Bauzäunen abgesperrt worden, an denen Hinweisschilder hängen.

Derweil hat sich eine Flüchtlingshelferin aus Gießen dafür ausgesprochen, es HEAE-Bewohnern aus Risikogruppen zu erlauben, zu Verwandten zu ziehen. Sie schilderte gegenüber der GAZ den Fall einer älteren gesundheitlich labilen Frau, die in der HEAE bleiben müsse, obwohl drei erwachsene Kinder in Gießen in Wohnungen lebten.

Der Fall sei umgehend geprüft und ans Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verwiesen worden, da einzig dort Entscheidungen über Ausnahmen von der gesetzlich festgelegten Residenzpflicht getroffen würden, erklärte RP-Sprecher Haas. Ungeachtet dessen habe sich die medizinische Abteilung der HEAE die betreffende Bewohnerin untersucht.

Diverse Flüchtlingsorganisationen haben in den vergangenen Tagen bundesweit eine Auflösung der großen Unterkünfte und eine dezentrale Unterbringung der Bewohner gefordert. In der thüringischen Landeseinrichtung in Suhl war es vor einigen Tagen zu Tumulten gekommen, nachdem die mit 500 Menschen belegte Unterkunft komplett unter Quarantäne gestellt worden war, weil eine Coronavirus-Infektion festgestellt und eine Ausgangssperre verhängt worden war.

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