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Das Landgericht sitzt in der Ostanlage.

Bis zu siebeneinhalb Jahre Haft für schweren Raub

  • VonConstantin Hoppe
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Gießen (con). »Es war eine hirnrissige Idee.« Diesen Satz des angeklagten Rodgauers B. nutzte auch der Vorsitzende Richter Rüdiger Ham zur Urteilsverkündung: »Sie hatten recht - es war eine hirnrissige Idee.« Gemeint war der Überfall auf einen Gießener, den mehrere Personen am 8. Dezember 2019 verübt hatten: Sie überfielen ihn in seiner Wohnung, schlugen ihn mehrfach, entwendeten Kokain und Markenjacken und zwangen den Mann auch, ihnen sein Bargeld herauszugeben (wie diese Zeitung berichtete).

Am Dienstag fiel nun vor der 6. Strafkammer des Gießener Landgerichts das Urteil gegen die sechs Männer und zwei Frauen, die in unterschiedlicher Besetzung im Dezember 2019 zwei schwere Raubüberfälle in der Sudetenlandstraße Gießen und auf ein Juweliergeschäft in Hainburg (Kreis Offenbach) verübt hatten. Wegen schwerem bzw. besonders schwerem Raub in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung wurden zum Teil hohe Haftstrafen ausgesprochen.

Hohe kriminelle Energie

Für den 24-Jährigen Offenbacher A. der an beiden Überfällen beteiligt war, heißt das Urteil sieben Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe. »Sie haben durch ihre Taten eine hohe kriminelle Energie bewiesen«, erklärte der Richter. Zwar wirkten sich ein Geständnis und die während der Verhandlung gezeigte Reue strafmildernd aus, jedoch sprechen die bestehenden Vorstrafen eine andere Sprache. Für die beiden Taten sowie die bestehende Freiheitsstrafe wegen eines weiteren Urteils aus Offenbach wurde eine Gesamtfreiheitsstrafe für den 24-Jährigen gebildet.

Für sechs Jahre und sechs Monate muss der 23-Jährige B. aus Rodgau ins Gefängnis, der ebenfalls an beiden Taten beteiligt war. Wie auch den anderen Tätern konnte ihm eine hohe kriminelle Energie nachgewiesen werden, und seine Vorstrafen sprechen für sich. Jedoch versuchte er den entstandenen Schaden wiedergutzumachen und auch er legte ein Geständnis ab, was sich strafmildernd auswirkte.

Der 22-Jährige V. aus Rödermark räumte schon sehr früh seine Mittäterschaft ein und gab zudem während der Verhandlung an, dass er bei dem Überfall in Gießen die Waffe (eine Reizstoffpistole) geführt und er den Geschädigten auch geschlagen habe. Er wurde zu vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ebenfalls bei dem Überfall in Gießen dabei war der bereits genannte 32-Jährige Frankfurter B.: Das älteste Mitglied der Gruppe erhielt drei Jahre und sechs Monate. Das recht milde Urteil ist her vor allem dem Umstand geschuldet, dass B. durch seine Aussage einen wichtigen Teil zur Aufklärungsarbeit beigetragen hat.

Nur in den Raub in Hainburg involviert war der 23-Jährige S. aus Rodgau: Mit keinen größeren Vorstrafen wurde er zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.

Der wohnsitzlose 26-Jährige K. war zwar der Ideengeber für den Überfall in Gießen, war ansonsten aber nicht beteiligt. »Aber der Anstifter ist entsprechend den Tätern zu bestrafen«, erklärte Richter Ham. Er wurde er zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. - Noch einmal mit einem »blauen Auge« davon gekommen sind die beiden Frauen: Die 25-Jährige Gießenerin H. wird als Auslöserin der Taten, zumindest für den Überfall in Gießen, gesehen. Sie hatte eine sexuelle Beziehung mit dem späteren Opfer - doch als dieser vorschlug, einige seiner Freunde würden für Sex mit ihr bezahlen, fühlte sie sich herabgewürdigt. Sie erzählte K. von dem Vorfall und meinte, der Gießener verdiene es, »abgerippt« zu werden. Dafür wurde sie zu einer zweijährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zum schweren Raub verurteilt, ausgessetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Angeklagte geständig

Die gleiche Strafe erhielt die 23-Jährige Rodgauerin M.. Ihr wurde zwar die Mittäterschaft bei dem Überfall auf das Juweliergeschäft nachgewiesen - allerdings ist sie die einzige der Gruppe ohne Vorstrafen und war am eigentlichen Raub nicht mehr beteiligt.

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