Wort zum Sonntag

Bilder über Bilder

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Das Handy quillt über vor Bildern. Einige habe ich aufgenommen. Die meisten wurden mir zugeschickt. Sie füllen den Speicher. Enkelkind im Sandkasten, Sonnenuntergang an der See, Schnappschüsse und sorgsam aufgenommene Erinnerungsfotos, Screenshots und schnell abfotografierte Arbeitsblätter. Ein paar kleine Filme sind auch dabei.

Aber neulich war es dann soweit. Der Speicher war randvoll, neue Bilder passten nicht mehr rein. Also war Aufräumen angesagt. Ich musste mir Zeit nehmen und habe gestaunt. Längst vergessene Momente kamen mir wieder in den Sinn. Die Bilder auf dem Handy weckten verborgene Bilder in mir. Ich schmunzelte.

Genauso wie mein Handy speichere ich jeden Tag eine Menge Eindrücke und Bilder ab. Woche für Woche, Monat für Monat. Aber nehme ich mir auch die Zeit, um immer mal wieder »aufzuräumen«? Ich überlege, wann das geschieht. Abends einen Augenblick auf der Terrasse. Die Gedanken wandern und ich sortiere die vielen Eindrücke und Bilder.

In Gesprächen mit vertrauten Menschen lege ich vieles ab. Denn es sind nicht nur schöne Bilder, die wir sammeln. Da sind auch die Bilder von Menschen, denen ein Teil ihres Lebens zerstört wurde und die Not leiden. Auch diese Bilder trage ich mit mir herum. Mir hilft der sonntägliche Gottesdienst, meine Eindrücke zu sortieren und vieles abzulegen. Ich bin froh, dass es diesen Ruhepol in der Woche wieder gibt. Es ist eine Zeit, in der ich im übertragenen Sinn »aufräumen« kann. Manchmal hilft mir das Beten dabei. Ich erinnere mich an den Satz Jesu: »Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.«

Zu viele Bilder im Kopf und im Herzen belasten uns Menschen. Irgendwann quillt unser innerer Speicher über. Da ist es gut, von Zeit zu Zeit die vielen guten und auch die belastenden Bilder zu sortieren und sie am richtigen Platz abzulegen. Das befreit und erquickt.

Pfarrer Ekkehard Landig,

Ev. Kirchengemeinde Gießen-Kleinlinden

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