Der Künstler Kai Krieger (M.) sowie Conny Feistauer und Vincent-Leonard Roeper von Greenpeace präsentieren die Kunstwerke. Diese Seite zeigt einen Steinbogen inmitten der völlig zerstörten Stadt Nagasaki. FOTO: CSK
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Der Künstler Kai Krieger (M.) sowie Conny Feistauer und Vincent-Leonard Roeper von Greenpeace präsentieren die Kunstwerke. Diese Seite zeigt einen Steinbogen inmitten der völlig zerstörten Stadt Nagasaki. FOTO: CSK

Greenpeace und 3Steps

Bilder am Bahnhof in Gießen erinnern an Atomangriffe auf Japan

  • vonChristian Schneebeck
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Greenpeace und 3Steps erinnern ab sofort am Bahnhof Gießen an die Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Was hinter den beiden Gemälden steckt.

Ohne Weiteres erschließt sich das Grauen eher nicht. Denn ausgerechnet die Städtenamen fehlen. Mancher Passant wird also auf dem Bahnhofsvorplatz ab sofort ein wenig rätseln. "Never Again" und "Peace in the World!": Die neuen Wandbilder an dem Berliner Mauerstück mahnen zum Frieden. Vor allem aber erinnern sie an die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Auf Initiative von Greenpeace hat die Künstlergruppe 3Steps zu Pinsel und Farbe gegriffen. Entstanden sind zwei "Sinnbilder für die Taten, zu denen Menschen fähig sind".

So nennt der Greenpeace-Sprecher Vincent-Leonard Roeper die am Sonntagmittag präsentierten Kunstwerke. Eines zeigt einen erhaltenen Steinbogen inmitten der Trümmer von Nagasaki, das andere ein Porträt der Hiroshima-Überlebenden Sadako Sasaki. Gefunden habe er diese Motive, während er sich näher mit dem Thema beschäftigt habe, erzählt 3Steps-Mitglied Kai Krieger. Eine lange Suche sei dafür selbstredend nicht notwendig gewesen: Sowohl der Steinbogen als auch das Mädchen sind heute weit über Japan hinaus als Symbole des Atomkriegs bekannt.

Sasaki starb 1955 an Leukämie, einer Spätfolge der radioaktiven Strahlung. Die damals Zwölfjährige zeugt folglich nicht nur vom Überlebenswillen der Bombenopfer, sondern ebenso von der heimtückischen Grausamkeit atomarer Waffen. Krieger ist erschüttert von solchen Schicksalen. "Allein die Vorstellung, dass ein Ingenieur so ein Teil konstruiert, geht mir nicht in den Kopf", sagt er. Den 3Steps sei es ein Anliegen, mit den Bildern für den Frieden auf der Welt zu werben. "Gerade heute, wo die Radikalisierung zunimmt".

In mehr als 50 deutschen Städten hat Greenpeace ähnliche Kunstaktionen angestoßen. Die Botschaft, dass Atomwaffen zügig der Vergangenheit angehören müssten, hätten "anscheinend noch zu wenige Menschen verstanden", betont Roeper am Sonntag in einer kurzen Ansprache. Zu den Uneinsichtigen zähle leider auch die deutsche Bundesregierung: Sie müsse schleunigst den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen ratifizieren und ein für allemal die einsatzbereiten US-amerikanischen Atombomben aus dem rheinland-pfälzischen Büchel verbannen, fordern die Aktivisten.

Seit Mittwoch arbeiteten die 3Steps an dem neuen Mahnmal, für das sie - gemäß Greenpeace-Vorgaben - ausnahmslos umweltfreundliche Kalkfarben verwendet haben. Künstlerisch spielen Licht und Schatten in den Werken eine große Rolle, die Wort-Bild-Kombination dient laut Krieger der besseren Lesbarkeit. "Aber die Leute verstehen das Ganze sowieso relativ schnell", schließt der Künstler aus ersten Rückmeldungen.

Dass die jeweils 3,6 mal 3,6 Meter großen Bilder vor dem Bahnhof jede Menge Betrachter finden werden, steht außer Frage. Wie lange sie an diesem Ort unversehrt bleiben, scheint hingegen weniger klar. Krieger ist grundsätzlich optimistisch. Die Mehrheit der Menschen werde schnell eine Verbindung zu den Neulingen aufbauen. Und wenn doch irgendwer auf die Idee kommt, sie zu beschmieren? "Dann hat er sich ja wenigstens vorher damit auseinandergesetzt", meint der Künstler.

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