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Thomas Blohmann, Kawe Kaviany und Konstantin Graf (v. l.) wollen mit ihrer Geschäftsidee Bienenvölker an Unternehmen vermieten und vom Umsatz jeweils zehn Prozent in Umweltprojekte stecken.

„BeeGreen“

Ein Volk kostet 3600 Euro: Firmen können in Gießen Honigbienen mieten

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Drei Gründer aus der Region Gießen möchten Honigbienen an Unternehmen vermieten. Zehn Prozent ihres Umsatzes wollen sie in Umweltprojekte gegen das Insektensterben stecken.

Gießen – Gänzlich emissionsfrei zu wirtschaften ist für wachstumsorientierte Unternehmen nahezu unmöglich. Ein Geschäftsmodell kann noch so nachhaltig sein - irgendwo hinterlässt man immer einen kleinen CO2-Fußabdruck, selbst mit jeder einzelnen E-Mail. Doch Thomas Blohmann, Kawe Kaviany und Konstantin Graf aus Gießen und der Region grübelten über ein Modell, bei dem Umweltschutz und Nachhaltigkeit den Kern bilden sollen.

„BeeGreen“: Bienen-Vermietung aus Gießen soll Spenden für Naturschutzprojekte generieren

So kamen sie auf die Idee, Firmen ein unkompliziertes Angebot zu machen, damit auch sie einen »grünen« Beitrag leisten können: Betriebe können Bienenvölker von »BeeGreen« mieten - so ihr Markenname. Den produzierten Honig können die Unternehmen mit ihrem Logo versehen und zu Werbezwecken nutzen. Die drei wiederum spenden zehn Prozent des Umsatzes an regionale Naturschutzprojekte insbesondere gegen das Insektensterben. Dafür suchen sie Kooperationen mit Landwirten, Organisationen oder Verbänden.

»Imkern ist ja ziemlich populär geworden, und Honigbienen gibt es im Prinzip genug«, sagt Blohmann, der sich seit über zehn Jahren damit beschäftigt und als Garten- und Landschaftsbauer arbeitet. »Wir haben uns gedacht, diesen Trend zu nutzen, um Lebensbedingungen für Wildbienen und andere Insekten zu verbessern.« Beispielsweise mit Blüh- oder Streuobstwiesen, Aufforstung mit insektenfreundlichen Gehölzen, Agroforsten oder Saatgut-Spenden, die gut für die Biodiversität sind. Mit zwei Bauern und einer größeren Umweltschutzorganisation seien sie bereits in Gesprächen. Daneben würden ebenso manche Unternehmen nach solchen Projekten suchen, weiß Blohmann.

Gießen: „BeeGreen“ garantiert pro Bienen-Volk 20 Kilo Honig

Der Preis für ein Bienenvolk wirkt auf den ersten Blick stattlich - 3600 Euro, die Mindestabnahme liegt bei fünf Völkern. Dafür übernehmen die Gründer jede Saison aber eine Menge Aufgaben: Aufbau und artgerechte Haltung der Völker, Wartung der Kästen, Ernten und Abfüllen des Honigs in verschieden große Gläser (garantiert sind 20 Kilogram pro Volk), Etikettierung der Gläser und Kästen mit dem Firmenlabel sowie Erwähnung der Kooperation auf der Homepage von »BeeGreen«. Zudem wollen sie alle Produkte als ökologisch nachhaltig zertifizieren lassen.

Der Honig könne dann als »originelles Werbegeschenk oder Aufmerksamkeit für Geschäftspartner oder langjährige Mitarbeiter« dienen, so der Gedanke des Trios. Außer selbst dafür die Werbetrommel zu rühren, muss das Unternehmen nichts machen. »Das ist wie eine Patenschaft, die wir übernehmen«, erklärt Kawe Kaviany, der gerade in Jura promoviert. Ob die Bienenkästen dann auf dem Firmengelände stehen oder ein anderer Platz beispielsweise bei den Landwirten gefunden werden muss, werde im Einzelfall entschieden.

Bienen-Vermietung aus Gießen: Greenwashing nicht das Ziel

Wichtig für sie sei, dass ihr Obolus nicht in potenzielle Umweltprojekte des jeweiligen Betriebs fließt, sondern in unabhängige. »Wir schauen uns auch genauer an, ob die Unternehmen tatsächlich den Gedanken pflegen, etwas zu tun oder nur Greenwashing betreiben wollen«, fügt Handelsfachwirt Graf an. Mit Greenwashing bezeichnet man Imagekampagnen, die ein Unternehmen als umweltfreundlich und aktiv im Kampf gegen den Klimakollaps darstellen sollen, obwohl es dafür keine Grundlage gibt.

So ist auch Blohmann, Kaviany und Graf bewusst, dass sie als Unternehmen nicht komplett klimaneutral arbeiten können. Doch wenn es so weit ist, käme als Firmentransporter für Kästen und Equipment selbstverständlich ein elektrisch betriebener infrage wie zum Beispiel auch eine nachhaltige Bank für das Konto. Allein mit dem Bienenverkauf Geld zu verdienen ist gleichwohl von vornherein »grün« und dürfte der Umwelt helfen.

Der Firmensitz von »BeeGreen« ist in Gießen, einige Völker halten sie bereits auf verschiedenen Grundstücken im Landkreis. Gekommen waren sie auf die Idee während der Lockdown-Phasen - wie so manch andere Gründer auch. Über private Bekanntschaften fanden die drei recht unterschiedlichen Typen zusammen - »um anderen dabei zu helfen, einen wertvollen Beitrag zu leisten«, wie sie schreiben.

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