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Vor der Werkstattkirche in der Ederstraße hat der Bib-Satellit vorübergehend Position bezogen.

Stadterkundung

Bib-Satellit hat in Gießen Position bezogen

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Der Bib-Satellit erkundet die Stadt Gießen. Er wird aus der Stadtbibliothek in alle vier Himmelsrichtungen geschickt, um unter dem Motto »Ich. Morgen« bis Ende Oktober die Ansichten der Bürger zu drei Themen zu sammeln. Der aktuelle Landeplatz liegt vor der Werkstattkirche in der Ederstraße.

Am Samstag vor Ostern war der Zugang zur ersten Station des Bib-Satellliten in der Ederstraße zwar möglich, zunächst allerdings nur online. Zur offiziellen Eröffnung hatten sich Mitarbeiter der Stadtbibliothek, des Kulturamts, der Gruppe Netzkultur sowie Mitarbeiter der Werkstattkirche eingefunden. Da die Bestimmungen es zurzeit nicht anders zulassen, wurde die Eröffnung zunächst auf Video aufgezeichnet, die Aufnahmen sind ab sofort öffentlich zugänglich sein (Videoproduktion: Csongor Dobrotka).

»Jetzt gehen wir endlich auf Tour«, freute sich Manuela Gries, stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek. »Geplant haben wir das Projekt seit zwei Jahren. Wir wollten auf die Menschen zugehen und einen kleinen Begegnungsort schaffen.« Es geht um die Zugänglichkeit des Orts und der Inhalte, »auch mit dem Ziel, die Bürger kennenzulernen und zu erfragen, wie sie leben und arbeiten wollen.« Dazu kann jeder einen kleinen Beitrag verfassen, auch anonym, und ihn im Satelliten abgeben - einstweilen per E-Mail oder Post. Die geplante, täglich vierstündige Öffnungszeit kann derzeit allerdings nicht angeboten werden.

»Wir produzieren vor«, sagte Kulturamtsleiter Dr. Stefan Neubacher bei den Voraufnahmen. »Alles wird über unsere Social Networks eingespielt. Wir sind sehr gespannt, wie alles laufen wird, weil wir stark darauf setzen, mit den Leuten zu den Themen Arbeit, Leben, Umwelt, Zusammenleben und Mensch sein in persönlichen Kontakt zu kommen.« Jedes öffentliche Betreten des mobilen Containers ist derzeit leider untersagt, weshalb man diese neue Form wählen musste. Die Beiträge der Besucher des Satelliten werden dann später auf der Website veröffentlicht.

Vier Stationen in der Stadt

Der Container wird in den Stadtteilen in Kooperation mit vier Institutionen betrieben: mit der Werkstattkirche in der Nordstadt, mit der Diakonie in der Weststadt, mit dem Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung (ZiBB) in der Oststadt sowie mit dem Christlichen Verein Junger Menschen Gießen (CVJM) in der Südstadt. »Diese Partner sind für uns sehr wichtig, weil sie den Zugang zu den Menschen in den Quartieren haben,« ergänzte Neubacher. Zudem wirkt das Literarische Zentrum Gießen an Veranstaltungen des Satelliten mit.

Auf Manuela Gries‹ Einführung folgte ein Song, den Stefan Neubacher und Peter Rasch von der Zellkultur zusammen spielten. Für den Anlass war eigentlich ein großes Event mit mehreren Künstlern gedacht, aber die Umstände lassen das gerade nicht zu, also sprang das Duo in die Bresche. Passgenauer Titel: »Human« von den »Killers«.

Netzwerkerin Bärbel Weigand von der Werkstattkirche freute sich über das Projekt: »Der Moment ist auch gut gewählt, weil wir alle in einer außergewöhnlichen Situation sind, über die jeder nachdenkt. Uns ist wichtig, dass auch die Leute zu Wort kommen, die sonst eigentlich keiner fragt«. Bei der letzten Wahl hier im Viertel mit nur 15 Prozent Beteiligung habe sich gezeigt, dass die »Menschen das Gefühl haben, ihre Meinung sei nicht gefragt«, sagte der ehemalige Pfarrer Christoph Geist (Team Werkstattkirche). Dem entgegenzuwirken sei ein Hauptaspekt ihrer Arbeit um den Satelliten. »Wir vertrauen den Menschen, und das ist eine Basis dafür, dass sie uns auch Antworten geben werden.« Hagen Reier von der Zellkultur, der das Projekt zusammen mit Wally Hundt und Peter Rasch für die Stadtbibliothek entwickelte, erklärte: »Ein Sinn der Sache ist, dass die Stadtbibliothek an die Bevölkerung herantritt und mit ihr zusammen ein Buch schreibt.« Alle können also zu den drei Themen »Mensch«, »Arbeit« und »Umwelt« völlig frei alles sagen. Man kann Zeichnungen machen, schreiben, es gibt eine mehrsprachige App. »Wir sammeln die Beiträge und bringen sie im Buch zusammen, das dann in der Stadtbibliothek und bei den Kooperationspartnern steht. Sodass die Menschen ihre Texte sehen können und auch die Stadt es sehen kann.« Das soll eine Diskussion darüber starten. Reier: »Die Verknüpfung mit diesen essenziellen Themen ist für Gießen und auch für Deutschland einzigartig.«

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