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Bankgespräch neben dem Uni-Hauptgebäude: Michael Kneissl (r.) mit GAZ-Redakteur Christoph Hoffmann.

Bezahlbarer Wohnraum und mehr Leben an der Lahn

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Bänke haben in der Pandemie eine neue Bedeutung bekommen - dort konnte man auch im Lockdown verweilen und mit Abstand Schwätzchen halten. Wir behalten das bei und kommen in den Sommerferien mit Bürgerinnen und Bürgern aus Gießen ins Gespräch. Aktueller »Kandidat« ist Michael Kneissl (38).

Sagen Sie mal, Herr Kneissl, was geht Ihnen in der Stadt derzeit besonders auf die Nerven? Michael Kneissl und seine Ehefrau Nina wohnen seit zwölf Jahren zusammen in der Innenstadt. Das Lehrer-Ehepaar sucht nach einer Eigentumswohnung oder einem Häuschen - ohne Erfolg. »Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum«, sagt Kneissl. Wegen der hohen Preise kämen viele Objekte gar nicht erst in Frage, andere würden schnell unter der Hand vergeben. Hinzu komme, dass viele Neubauten nicht die besten Chancen auf einen Schönheitspreis hätten, sagt der Gießener. Auch viele »weiß-anthrazitfarbenen Klötze« seien nicht erschwinglich.

Und was finden Sie gerade besonders schön in Ihrer Heimatstadt? Michael Kneissl freut sich, dass nach den Einschränkungen durch die Pandemie wieder Leben in der Stadt einkehrt. »Kinos, Restaurants und Kneipen haben geöffnet, Kulturveranstaltungen sind nun wieder möglich. Man merkt, dass die Menschen aufatmen.« Kneissl freut sich zudem, mit seinen Freunden wieder Basketball spielen und anschließend das ein oder andere Bierchen trinken zu können. »Darauf mussten wir lange verzichten.«

Wen wollten Sie schon immer mal loben?

Kneissl kommt bei dieser Frage nicht eine Einzelperson in den Sinn. Vielmehr freut er sich darüber, dass im Rathaus mehr Wert auf eine fahrradfreundliche Infrastruktur gelegt wird. Er begrüßt den Verkehrsversuch auf dem Anlagenring. Da der Gießener an einer Schule im Rhein-Main-Gebiet unterrichtet, kennt er auch die Schattenseiten der neuen Entwicklung. Wenn er nach der Arbeit mit dem Auto seine Wohnung in der Liebigstraße ansteuert, dauert es mitunter 20 Minuten, bis er einen Parkplatz gefunden hat. Das liegt nicht zuletzt an dem neuen Fahrradstreifen in der Ludwigstraße, für den rund 20 Parkplätze geopfert wurden. Auch wenn Kneissl fahrradfreundliche Maßnahmen begrüßt, kann er jener in der Ludwigstraße nicht viel abgewinnen. »Sie führt zu Parkplatzmangel im Viertel, aber zu keiner deutlichen Verbesserung für die Radfahrer. Die Radler, die von oben kommen, sind durch die Abbieger aus der Ludwigstraße in die Liebigstraße gefährdet. Eine Ampelschaltung wie an der Kreuzung Aulweg/Wilhelmstraße würde das Ganze entschärfen.«

Was würden Sie als erstes in Angriff nehmen, wenn Sie Bürgermeister wären? Auch wenn Kneissl ein überzeigter Lokalpatriot ist, würde er sich als Bürgermeister etwas von den Nachbarstädten Wetzlar und Marburg abgucken. »Dort ist die Lahn mehr in die Stadt integriert. Das würde Gießen auch gut tun.« Gleichzeitig begrüßt er es, dass dieser Prozess bereits in Gang gesetzt worden ist. Er hofft daher, dass das Lahnwelle-Projekt, das einen Surf-Spot am Stadtwerke-Wehr vorsieht, tatsächlich umgesetzt wird. »Das würde die Stadt und vor allem das Leben an der Lahn sehr aufwerten.« chh

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