Raub statt Sex

Bewährung für Gießener Paar

Gießen (ixi). Sie verabredeten sich mit Männern für sexuelle Handlungen. Doch bei den Treffen wurden die Opfer statt mit Sex verwöhnt, mit einer Schreckschusswaffe bedroht. Für diese Taten musste sich ein Gießener Pärchen vor dem Landgericht verantworten. Am Montag hat der Vorsitzende Richter Johann-Gottfried Lessing das Urteil gesprochen. Der Angeklagte erhält wegen schwerer räuberischer Erpressung in sechs Fällen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Seine Partnerin, in drei Fällen der Beihilfe schuldig, kam mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung davon.

Über ein Internetportal hatte das Paar im Dezember 2019 und Januar 2020 Kontakt zu potenziellen Freiern geknüpft. Nach der Kontaktaufnahme folgte eine Verabredung im Flussstraßenviertel. Dort wartete der Angeklagte mit einer Schreckschusspistole. In vier Fällen erbeutete der Familienvater Geld, bei zwei Taten blieb es beim Versuch. Als Grund dafür gaben beide die akute Geldnot der Familie an.

Drei der Delikte hatte der Angeklagte gemeinsam mit seiner Partnerin begangen, die an den einzelnen Taten keinen großen Anteil hatte, wie die Kammer feststellte. Beide zeigten sich bereits zu Prozessbeginn geständig und reuig, was auch Staatsanwalt Alexander Hahn würdigte.

»Sie sind am Ende Opfer ihrer eigenen Taten«, fasste der Staatsanwalt die Situation des Paares zusammen. Aus seiner Sicht war es jedoch ausgeschlossen, dass der Familienvater eine Strafe auf Bewährung erhalte. Die Verteidigung plädierte auf eine Bewährungsstrafe aufgrund der guten Sozialprognose und der Geständnisse. Dem folgte dann auch die Kammer.

»Eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung hätte Folgen für die Kinder und die Gesellschaft«, urteilte Lessing zugunsten des Vaters. Der Richter sagte, er gehe davon aus, dass das Paar seine Lektion verstanden habe und beide auf einem guten Weg seien. »Wir berücksichtigen die besonderen Umstände der Tat.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare