Auch Fundhunde haben Fairness verdient: Statt ihn in den Fundtierraum zu bringen, wurde Milo vor dem Tierheim angebunden. Der mittlerweile vermittelte Rüde holte sich in der kalten Nacht eine Lungenentzündung.
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Auch Fundhunde haben Fairness verdient: Statt ihn in den Fundtierraum zu bringen, wurde Milo vor dem Tierheim angebunden. Der mittlerweile vermittelte Rüde holte sich in der kalten Nacht eine Lungenentzündung.

Tierheim Gießen

Vermisste Tiere in Gießen: Tierschutzverein hilft bei der Suche

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Wenn ein Haustier verschwindet, ist der Kummer groß. Deshalb will der Tierschutzverein Gießen Menschen bei der Suche nach ihren Lieblingen noch besser unterstützen.

Ein erbärmlicher Anblick. Eine Katze liegt tot am Straßenrand, sie ist von einem Auto überfahren worden. Die Besitzer ahnen davon nichts, sie suchen voller Sorge wochenlang ihr Wohnviertel ab. Manchmal, weiß Astrid Paparone, die Vorsitzende des Tierschutzvereins, erfährt die Familie nie, was aus ihrem Liebling geworden ist. »Das ist schlimm, man kommt dann nicht zur Ruhe«, sagt sie.

Tierschutzverein Gießen: Appell, den kostenlosen Tasso-Service zu nutzen

Wenn das vermisste Tier schon nicht wohlbehalten wieder zu Hause landet, so möchte man doch zumindest wissen, was aus ihm geworden ist. Das kann nur dann gelingen, wenn es einen Mikrochip in der Haut hat, dessen Nummer im Haustierzentralregister Tasso registriert ist. Wenn die Mitarbeiter des städtischen Stadtreinigungsamtes den kleinen Körper bergen und ins Hessische Landeslabor bringen, können die Daten ausgelesen und die Besitzer informiert werden. Hatte das Tier keinen Chip, ist dies nicht möglich. »Aus diesem Grund appellieren wir immer wieder an alle Tierbesitzer, den kostenlosen Tasso-Service zu nutzen«, sagt Paparone.

Gießen: Tierschutzverein will bei der Suche nach vermissten Tieren helfen

Sie und ihre Mitstreiter wollen aber noch mehr tun. Jeder, der sein Tier vermisst, kann sich an den Tierschutzverein wenden. Er veröffentlicht ein Foto und einige wichtige Angaben zum Tier auf seinen Facebook- und Instagram-Seiten. Je mehr Menschen die Suchmeldung sehen, desto besser. Das Foto des Tieres inklusive einiger Details (Geschlecht, Alter, besondere Merkmale) erhöhen die Chance, den Vierbeiner zu finden. Auch wer ein totes Tier entdecke, könne dies dem Verein mitteilen. Ein Foto und der Fundort tragen dazu bei, die Besitzer ausfindig zu machen. Paparone ermuntert dazu, bei Suchmeldungen nicht zu früh aufzugeben. »Manchmal tauchen Tiere nach längerer Zeit an einem ganz anderen Ort wieder auf - zum Beispiel komme es gar nicht so selten vor, dass Katzen in Fahrzeuge kletterten und auf eine unbeabsichtigte Reise gingen. Bei diesem Thema gebe es immer wieder kuriose und anrührende Geschichten.

So wurde kürzlich auf einem Reiterhof eine abgemagerte Katze beobachtet, die scheinbar nirgends hingehörte. Dank der Chipnummer konnte schließlich die Besitzerin ermittelt werden. Die ältere Dame, die 15 Kilometer vom Fundort entfernt wohnte, war überglücklich, ihr schmerzlich vermisstes Kätzchen aufpäppeln zu können. Auf keinen Fall sollte man ein Tier einfach einsammeln und mitnehmen, betont Paparone. Bestes Beispiel dafür ist der mittlerweile »berühmte« Kater Jackson aus dem Eichgärtenviertel, der zum Leidwesen seiner Besitzerin Christel Hahn ständig »gerettet« wird. Paparone rät dazu, vermeintliche Streuner aufmerksam zu beobachten, Menschen in dem Viertel zu befragen und erst dann gegebenenfalls den Tierschutzverein zu verständigen.

Tierschutzverein Gießen: Tierheim kümmert sich um Fundtiere

Das Tierheim unterstützt nicht nur bei der Suche, sondern kümmert sich auch um Fundtiere. Diese Aufgabe haben die Stadt Gießen und die meisten Landkreisgemeinden per Vertrag dem Tierschutzverein übertragen. Während der Öffnungszeiten nehmen die Mitarbeiter die Tiere auf und versorgen sie, nachts können Vierbeiner auch in einem separaten Raum des Tierheims, der von außen zugänglich ist, untergebracht werden. In diesem Fundtierraum gibt es Boxen in verschiedenen Größen sowie Wasser und Decken. Der Raum ist eine Art »Emergency Room« und keineswegs dafür gedacht, sein Tier hier anonym zu »entsorgen«. Wer seinen Vierbeiner nicht behalten könne oder wolle, solle so fair sein und dies mit den Tierheimmitarbeitern besprechen. Je mehr diese über das Tier und die Abgabegründe erführen, desto größer seien später die Vermittlungschancen.

Apropos fair: Auch ein Fundtier hat Fürsorge verdient. Ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, ist der kleine Rehpinscher Milo. Der Winzling, der mittlerweile ein neues Zuhause gefunden hat, wurde in winterlicher Kälte nachts vor dem Tierheim angebunden. Das Hündchen hätte diese Gedankenlosigkeit fast nicht überlebt. Als man ihn morgens fand, war er völlig unterkühlt und hatte eine Lungenentzündung. Der unverschlossene, warme Fundtierraum liegt nur drei Meter vom Eingangstor entfernt.

Tierschutzverein Gießen: 400 Fundtiere und 250 vermisste Tiere pro Jahr

Jedes Jahr werden dem Tierschutzverein 350 bis 400 Fundtiere gemeldet. Die Zahl der Vermisstmeldungen (meist Katzen) liegt bei 200 bis 250. Die Tierschützer möchten die Menschen bei der Suche nach ihren Vierbeinern unterstützen, indem sie Fotos und Infos auf Facebook und Instagram veröffentlichen. Weitere Infos: www.tsv-giessen.de.

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