Auf der Bogenwiese des 1. BSC Gießen versuchen die Anfänger des VHS-Kurses ins "Gold" zu treffen. Der durch die Hygieneregeln geforderte Abstand von 1,50 Metern lässt sich auf der großen Fläche gut einhalten. FOTO: PM
+
Auf der Bogenwiese des 1. BSC Gießen versuchen die Anfänger des VHS-Kurses ins "Gold" zu treffen. Der durch die Hygieneregeln geforderte Abstand von 1,50 Metern lässt sich auf der großen Fläche gut einhalten. FOTO: PM

Besser kein Robin Hood

  • vonSebastian Schmidt
    schließen

Seit 20. März hat sich die Volkshochschule im Shutdown befunden. Das soll sich jetzt ändern. Der Bogenschieß-Kurs vor einigen Tagen war einer der ersten, die wieder live stattfanden. Das reguläre Kursangebot wird aber nicht so einfach starten.

Alle ins Gold", ruft Christopher König die Losung im Bogenschießen. Daraufhin lassen die Schützen die Sehnen schnellen und ihre Pfeile surren durch die Luft. Sieben Teilnehmer sind auf die Bogenwiese des 1. Bogensportclubs Gießen gekommen, um an einem Schnupperkurs teilzunehmen. Der war in zweifacher Hinsicht ein Novum: Es war das erste Mal, dass der BSC einen Volkshochschulkurs angeboten hat, und es handelte sich um den ersten Sportkurs der Volkshochschule (VHS) nach dem Corona-Lockdown.

König, der den Kurs leitet, war ursprünglich von zwölf Teilnehmern ausgegangen. Es wurden weniger. "Es stand erst seit letzter Woche fest, dass der Kurs tatsächlich stattfinden darf", erklärt er. Eventuell sei das für einige zu kurzfristig gewesen. Zwei Teilnehmer erzählen, dass sie sich zu dritt angemeldet haben, aber ihr Kollege wegen Corona einen Rückzieher gemacht habe.

Vorsitzender ist Hygieniker

Diejenigen, die gekommen sind, haben aber keine Bedenken. "Wir sind doch an der frischen Luft", sagt ein Teilnehmer. Mit dem Sicherheitsabstand von 1,50 Meter gebe es bei der großen offenen Fläche auch kein Problem, stellt Dr. Thomas Volk fest. Er ist der Erste Vorsitzende des Vereins. "Von Beruf bin ich Chirurg und Hygieniker", erzählt er. Für den BSC habe sich in puncto Hygiene bis auf den Abstand eigentlich nichts geändert. Die Bögen und Pfeile, die sie verleihen, haben sie schon immer desinfiziert. Und jeder auf dem Platz musste sich auch vor Corona in das Schießbuch eintragen. Volk erklärt: "Normalerweise geht es um den Versicherungsschutz, falls etwas passiert." Jetzt könne man damit auch die Corona-Auflagen erfüllen und Infektionsketten verfolgen.

König gibt den Neulingen eine kurze Einführung. Danach bekommt jeder einen Bogen und das Schießen beginnt. Das klappt bei einigen erstaunlich gut, selbst die Mitte - das "Gold" - wird von einem Schützen getroffen. Volk kommentiert: "Ab und an trifft jeder die Mitte. Es geht darum, sie konstant zu treffen." Deswegen wird mit den Teilnehmern an ihrem Stand, der Oberkörperdrehung und am Loslassen des Pfeiles geschliffen. Nach ein paar Durchläufen sieht man bereits erste Fortschritte: mehr Pfeile schlagen näher zur Mitte ein.

Ein sogenannter Robin Hood ist übrigens nicht gerne gesehen. So heißt es, wenn man mit einem Schuss einen Pfeil spaltet, der bereits in der Zielscheibe steckt. "Die kosten schließlich Geld", sagt König, "teilweise 15 Euro pro Pfeil."

Sein Resümee des Kurses ist positiv: "Trotz Corona hat alles super geklappt. Die Teilnehmer haben Spaß gehabt, und wir wollen den VHS-Kurs nächsten Sommer wieder anbieten."

Volkshochschule tastet sich voran

Seit dem 20. März fanden im Rahmen der Volkshochschule zunächst keine Präsenzkurse mehr statt. Leiterin Waltraud Burger erzählt, wie man nun am Neustart arbeite: "Wir tasten uns gerade ganz langsam nach vorne." Die Kursleiter werden in Hygieneregelungen geschult und es wird überprüft, ob diese sich in seinem Kurs umsetzen lassen, erklärt sie. Deswegen soll in der Anfangszeit zu jedem Präsenzkurs auch ein VHS-Mitarbeiter gehen und sich anschauen, wie es läuft. Das sei für sie sehr zeitintensiv. "Aber wir sind schließlich in der Verantwortung, dass es für die Teilnehmer sicher ist", erklärt Burger. Neben der Aufklärungsarbeit warte man darauf, dass das Schulamt für die Veranstaltungen in geschlossenen Räumen zusätzliche Reinigung organisieren kann.

"Wenn es in dem Raum vor dem VHS-Kurs bereits Unterricht gab, muss man eine Zwischenreinigung durchführen", erklärt Burger. Das Reinigungspersonal der Schulen, in denen viele ihrer Kurse stattfinden, sei aber stellenweise noch nicht aus der Kurzarbeit zurück. Unter der Woche planen sie, dass zumindest in ihren eigenen Räumen eigene Mitarbeiter die Reinigungsarbeiten machen.

Ein weiteres Problem, das sie beschäftigt, sei die Raumgröße. Burger dazu: "Wegen den Abstandsregelungen können teilweise nur noch sechs Teilnehmer in einen Kurs." Deswegen müsse viel umgeplant werden, eventuell ein Kurs mehr Termine bekommen oder ganz ausfallen. Burger versichert, dass nach und nach wieder Kurse stattfinden werden. Sie sagt aber auch: "Von einem Regelbetrieb der VHS wird man noch längere Zeit nicht sprechen können."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare